Ein Fachwerkhaus mit viel Ästhetik - Die Kemenate in Großbodungen feiert in diesem Jahr ihren 350. Geburtstag

Gut durchdachtes Bauwerk: Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen empfindet das historische Gebäude in seinen Proportionen als sehr ästhetisch.
 
Die Hausherrin: Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen erwartet zum Kemenaten-Fest am 9. Mai mit Professor Wolfgang Billeb unter anderem auch den Nachfahre des Erbauers der Kemenate.
Großbodungen: Kemenate | „Die Proportionen sind sehr ästhetisch, das Haus in seiner gesamten Bauweise ist sehr durchdacht, ja ganz einfach phantastisch“, schwärmt Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen über das Fachwerkhaus in der Fleckenstraße 41 in Großbodungen.

Und tatsächlich - groß, wuchtig, mit rot gestrichenen Eichenhölzern und hellem Gefache sowie passend roten Fassadenschindeln an der Stirnseite - das große Gebäude, Teil des Gebäudeensembles „Kemenate“, ist zweifellos ein Hingucker.

An den mächtigen Eichenhölzern sind heute noch die Nummern zu erkennen, die beim Bau die Reihenfolge und Lage jedes einzelnen Balkens im Fachwerkgerüst definierten. Was dem Betrachter außen „versprochen“ wird, setzt sich drinnen mit einem großzügigen Raumzuschnitt, einer (heute allerdings nur noch zu erahnenden) großen so genannten „schwarzen Küche“ mit offener Herdstelle und zwei mächtigen bis ins Dach hinein reichenden Kaminen konsequent fort.

Gemeinsam mit dem benachbarten Fachwerkgebäude, in dem einst auch der Schriftsteller Carl Duval wohnte, bildet das Fachwerkhaus die „Kemnot“, wie die Großbodunger umgangssprachlich sagen.

Für den Ort ist das Gebäudeensemble mit dem markanten Laubengang ein wichtiges historisches Denkmal. Was es allerdings beinahe nicht vor dem baulichen Verfall bewahrt hätte.

Ein Glücksfall, dass sich mutige Käufer fanden, unter ihnen die Gräfin von Westphalen und ihr Mann Raban Graf von Westphalen. Sie haben das repräsentative ehemalige Wohnhaus der Schwarzburger Amtsleute mit viel Aufwand saniert.

„Nach nunmehr acht Jahren ist die Sanierung in den unteren Bereichen abgeschlossen. Die Dachdämmung ist ebenfalls schon eingebaut, und wir sind derzeit am Dachausbau“, erzählt Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen, die im Haus neben einem Café die einzige private Kunstgalerie im Landkreis Eichsfeld eingerichtet hat. „In diesem Jahr feiert das Gebäude sein 350. Jubiläum. Wir werden das gemeinsam mit dem gemeinnützigen Förderverein der Galerie in der Burg, dem Burgforum e.V., mit einem Kemenatenfest am 9. Mai zu Christi Himmelfahrt tun.“

Ganz besonders freut sie sich dabei auf dem Besuch von Professor Wolfgang Billeb, der nicht nur das Grußwort hält, sondern zwecks Ahnenforschung auch einige Tage im Marktflecken bleiben wird.

Der Professor für Musikgeschichte aus dem Österreichischen Klagenfurt ist ein Nachfahre des Erbauers der Kemenate, des Amtsmannes Thomas Billeb. Vor einigen Jahren wandelte er auf den Spuren seiner Vorfahren und stieß dabei auf die von Westphalens. Seit der ersten Kontaktaufnahme kommt Wolfgang Billeb immer wieder - meist zu den Tagen des offenen Denkmals - nach Großbodungen.

„Die Billebs sind sehr geschichts- und familienbewusst“, weiß in sichtlicher Vorfreude Gerlinde von Westphalen, die zum „Geburtstagsfest“ einen Vortrag zur Historie der Kemenate vorbereitet. Auf dem Programm des Kemenaten-Festes steht außerdem ein Konzert mit dem aus Leinefelde stammenden Konzertgitarristen Alexander Keppner.

Historie und Hintergrund


- Der Name „Kemnot“ oder „Kemenate“ könnte aus dem Begriff „Domus Caminata - einem mit einem Kamin versehenes Haus“ hergeleitet sein.
- Nach dem 30-jährigen Krieg kommt der Schwarzburger Amtsmann Thomas Billeb nach Großbodungen, wo er sehr erfolgreich tätig ist. Unter anderem wird Großbodungen in dieser Zeit zum Marktflecken erhoben.
- Thomas Billeb erbaut 1663 die Kemenate in ihrer heutigen architektonischen Form als zweiflügelige Fachwerkanlage.
- Nach mehreren Besitzerwechseln wird Mitte der 90er Jahre die Kemenate an ihre letzten Besitzer zurück übereignet.
- Sie steht im Anschluss viele Jahre leer und verfällt zunehmend.
- 2005 finden sich mit der Familie Eder und den von Westphalens Käufer für die beiden Fachwerkhäuser.
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