Einbeinig durch die Republik - Zum zweiten Mal wandert Roland Zahn auf seiner Prothese durch ganz Deutschland

  Gut gelaunt steigt Roland Zahn aus dem Zug, der ihn von einem Vortrag in Weimar zurück in sein Quartier nach Dingelstädt im Eichsfeld gebracht hat. Momentan befindet er sich auf seiner 18. von 32 Etappen, der ersten von insgesamt sechs, die ihn durch die Bundesländer Thüringen und Hessen führt. Entlang der Werra will er in den kommenden Tagen wandern und vielleicht auch dem Baumkronenpfad einen Besuch abstatten. Insgesamt 2000 Kilometer sind in diesem Jahr geplant, nachdem der Wanderfreund bereits im Jahr 2011 Eintausend Kilometer durch Deutschland zurücklegte. Gerade ist Halbzeit, der 1000. Kilometer ist absolviert und Roland Zahn nach einem knappen halben Jahr gut im Zeitplan. Die Idee zur Wanderung von Stuttgart nach Leipzig schlummert schon lange in ihm. Geboren 1936 in Leipzig verbrachte er bis zu seinem 18. Lebensjahr tolle Wandertage in und um die sächsische Stadt herum. Nach seinem Umzug nach Stuttgart wurde die Idee geboren, einmal zu Fuß in die alte Heimat zurückzukehren. Geld- und Zeitmangel machten die Unternehmung aber lange Zeit unmöglich. Dass er dies einmal auf einer Prothese tun würde, hätte er damals selbst nicht vermutet.
2006 trifft ihn das Schicksal hart, nach einer Venenentzündung, verbunden mit monatelangen Schmerzen und offenen Wunden muss ihm das rechte Bein amputiert werden hinzu kommt ein künstliches Koma. „Mein Leben stand auf der Kippe“, erinnert er sich an die Zeit im Krankenhaus zurück. Doch schon damals nimmt er sich vor, nicht in Depressionen zu verfallen, beschäftigt sich mit verschiedenen Dingen und versucht nach und nach wieder auf die Beine beziehungsweise die Prothese zu kommen. Anfangs noch mit einem mechanischen Kniegelenk beginnt er mit kleinen Spaziergängen. Zuerst sind es zwei bis drei Kilometer, bis zum Mai 2008 kann er seine Wanderungen auf 10 Kilometer steigern. Ende des Jahres sind es sogar 20. Heute, mit seinem neuen hochmodernen Kniegelenk, das einen Mikrochip enthält, erstrecken sich seine Wanderungen auf etwa 12 Kilometer. „Die Länge einer Tagestour hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dem Wetter, dem Zustand der Wege und meinem Befinden“, erklärt er. Über Mitwanderer jeglicher Art freut er sich und ab und an gibt es Anmeldungen. „Ein- oder Zweibeiner, alle sind mir willkommen“, schmunzelt Roland Zahn. Über die Homepage des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- und Beinamputation erfahren Interessierte die Kontaktdaten zu Roland Zahn und können sich direkt anmelden. Am Abend vor der Wanderung erfahren sie dann vom Prothesenträger direkt wann und wo es am nächsten Morgen losgeht. Eine Etappe besteht immer aus fünf Wander- und zwei Ruhetagen. Zwischendurch ist Roland Zahn in Sanitätshäusern zu Vorträgen und Gesprächsrunden eingeladen. „Bewegung hilft“ ist sein Motto, dass er auch anderen Amputierten vermitteln möchte.
Für 2013 hat Roland Zahn erst einmal keine neue Wanderung geplant. „Die Vorbereitung für eine solche Tour würde wieder ein halbes Jahr in Anspruch nehmen“, gibt er zu bedenken. Dennoch will er nicht untätig sein, sondern hat bereits zwei Camps in Aussicht, in denen er anderen Betroffenen Mut machen will sich mehr zu bewegen. „Wir gehen gemeinsam auf Wanderungen und steigern täglich ihre Bewegungsfreiheit“, freut sich Roland Zahn, der mit einem ersten Camp bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Auch sonst kommt seine Wanderung gut an. Im Norden Deutschlands konnte er die Gründung einer Selbsthilfegruppe anregen. Genau das ist sein Ziel. Er will die Menschen, denen er auf seiner Wanderung begegnet zum Nachdenken anregen, will sich und somit die Belange und Probleme von Menschen mit einer Amputation ins Gespräch bringen.


Informationen zur Wanderung und den einzelnen Etappen, sowie ein ausführliches Tourtagebuch gibt es unter:
www.ampuwiki.de
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