Erinnerung wach halten - Christian Stützer: Nach dem Abriss der alten Synagoge ist eine Gedenkstätte in der Stubenstraße unerlässlich

„Putzaktion“ auf dem „Guten Ort“: Die 45 Gräber auf dem jüdischen Friedhof wurden hergerichtet und gesäubert. (Foto: Christian Stützer)
Heiligenstadt Heilbad: Jüdischer Friedhof | Die CDU Heilbad Heiligenstadt wird sich auch in den kommenden Jahren für das jüdische Erbe in ihrer Heimatstadt einsetzen, und dies nicht nur bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, sondern auch des gesamten Eichsfeldkreises tun“ versichert der Stellvertretende Vorsitzende der CDU Heilbad Heiligenstadt, Christian Stützer. Er erinnert in diesem Zusammenhang dankbar an die seit 2007 erfolgreich begonnene Reihe „Gegen das Vergessen – Aktion Stolpersteine für Heilbad Heiligenstadt“, die auch in den kommenden Jahren eine Fortsetzung finden soll.

Mit einer unglaublichen Spendenbereitschaft ist es seitdem ermöglicht worden, 27 Stolpersteine im Heilbad im Gedenken an Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes zu verlegen. Ein weiteres Zeichen wurde im September mit einer „Putzaktion“ auf dem „Guten Ort“ gesetzt.

Nach der einmaligen und von den Heiligenstädtern dankbar angenommenen Aktion Sühnezeichen in der Osterwoche 2011 galt es, die frisch bepflanzten Gräber auf dem jüdischen Friedhof vom Unkraut zu befreien und somit dem Wachstum der neuen Efeubepflanzung Raum zu geben. So konnten an diesem Nachmittag sämtliche knapp 45 Gräber hergerichtet und gesäubert werden, sodass nach dem Herbstschnitt durch den Bauhof der Stadt, der Friedhof wieder in seinem dem Umfeld entsprechenden Zustand versetzt werden konnte. Bedauern und Bestürzung reagierten die Mitglieder der CDU Heilbad Heiligenstadt auf den plötzlichen und für sie zu diesem Zeitpunkt nicht erwarteten Abriss der alten Synagoge.

Es sei allen in der Heiligenstädter Union und auch dem Heiligenstädter Initiativkreis klar gewesen, dass mit dem als Synagoge von 1873 bis 1940 genutzten und zu diesem Zwecke umgebauten Wohnhaus in der Heiligenstädter Stubenstraße etwas geschehen müsse, so Christian Stützer. „Doch die jetzt an den Tag gelegte Art und Weise ist so nicht hinnehmbar und widerspricht der Pflege kulturellen Erbes in unserer Heimat.“ Jedoch sei es gleichfalls nicht hinnehmbar, in der Öffentlichkeit nur die Schuldigen vor der eigenen Haustür zu suchen. Nach mehreren Gesprächen mit den Verwaltungen der Stadt Heilbad Heiligenstadt, des Landkreises Eichsfeld und weitere Beteiligten steht fest, dass dieser nun erfolgte Totalabriss erst durch die Streichung der Synagoge aus der Denkmalliste des Freistaates Thüringen ermöglicht wurde. Aus diesem Grund werde man sich in einem Brief an die zuständigen Stellen in Erfurt richten und um Aufklärung bitten.

Die Heiligenstädter Synagoge galt als „Kleine Schwester“ der 1839 eingeweihten Kasseler Synagoge, da sie in ihrer Gliederung der Fassade sehr stark an die in der Nachbarschaft erbauten Synagoge angelehnt war. Im Zuge der Neubebauung des Areals „Stormpassage“ sehen die 2008 vom Investor vorgelegten Entwürfe und Planungen eine dem Original nachempfundene Synagogenfassade vor. Allerdings sind durch den Totalabriss des Gebäudes Originalteile wie der Sandsteinfries, der Haussockel, die unteren Sandsteinsohlbänke sowie die jetzt durch den Abriss sichtbar gewordene zweifarbige Klinkerfassade, unwiederbringlich verloren.

„Wir sollten nicht vergessen, dass in dieser schrecklichen Zeit über 35 Heiligenstädterinnen und Heiligenstädter ihre Heimat durch Flucht verlassen mussten und von 14 Deportierten aus unserer Stadt 13 Mitmenschen den Tod in den nationalsozialistischen Ghettos und Vernichtungslagern, auf Grund ihres jüdischen Glaubens fanden. Aus diesen so traurigen Tatsachen heraus ist eine würdige Gedenkstätte in der Stubenstraße unerlässlich“, erklärt Christian Stützer.
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