Japan-Koi in Thüringen: Wie ein Eichsfelder zu den farbigen Exoten fand

Ein Ginrin Karahigoi
 
Die Schuppen funkeln orange-silbrig, der Ginrin Karahigoi ist nur eines der Prachtstücke im Koiteichland Heiligenstadt. Hunderte Fische tummeln sich in den ­Becken von Kai Lorenz.
Heilbad Heiligenstadt: Koiteichland |

Nicht aus dem Teich ­nebenan, sondern direkt aus Japan stammen die Fische, die in den Becken von Kai Lorenz ihre Bahnen ziehen. „Die ­Farbenpracht, das ­Ruhige und Majestätische, die ­Zutraulichkeit“ – es sind viele Eigenschaften, die den Eichsfelder am Koi faszinieren. Der 42-Jährige  betreibt ein Koi- und Teichcenter in ­Heiligenstadt.


"Groß" - das war das Zauberwort

Durch Neugier fand er vor 26 Jahren zu den farbigen Exoten. „Das sind ­japanische ­Karpfen, die werden groß“, hatte die Verkäuferin gesagt, als er im Zooladen Goldfische ­kaufen wollte. „Groß“ – das war das Zauberwort, das den Kauf­impuls ­auslöste. Er setzte drei der 15-Zentimeter-Fische in den Gartenteich und begann, in ihre Welt einzutauchen. „Anfang der 90er-Jahre gab‘s wenig Fachliteratur und erst recht kein Internet“, erzählt er von den Mühen. Also sammelte er selbst Erfahrungen, entwickelte Know-how, kannte sich bald immer besser aus mit Koi­gruppen und Varietäten, Spezialnahrung, Pumpen, Filtern und Wasserparametern. 2004, als er seine Firma für Garten- und Landschaftsbau gründete, begann er nebenher, einen Koihandel aufzubauen. Seit drei Jahren ist das neue Center fertig.

14 Becken reihen sich in der Halle im Heiligenstädter Gewerbegebiet ­aneinander. Die Koi sind strikt nach Größen, Züchtern, ­Qualitäten getrennt. Nur eigenen Nachwuchs gibt es nicht. „Koizucht ist extrem aufwendig“, hat sich Lorenz dagegen entschieden. Er  vertraut auf die Perfektion der Japaner. „Das Geheimnis ist die Selektion. Spitzenzüchter übernehmen maximal drei bis fünf Prozent der Brut.“ Eine solche Auslese garantiert Qualität – in der Farbe und im Wachstum.

Fische im Flieger


Anfangs hat Kai Lorenz die Japan-Koi im ­Großhandel nach Fotos bestellt. Aber Bilder können trügen. Darum steigt er nun jedes Jahr im Januar selbst in den Flieger, sucht vor Ort mit einer ­Händlergruppe nach den passenden Tieren zum fairen Preis. „Das ist richtig Arbeit. In anderthalb ­Wochen ­besuchen wir 30 bis 40 Züchter, um im End­effekt bei zehn ausgewählten zu kaufen.“ Der Koibuch-Autor Harald Bachmann führt die Gruppe an. „Eine absolute Koryphäe“, schwärmt Lorenz. „Er kennt die Züchter persönlich, hilft uns mit seinem Expertenblick bei der Auswahl.“ In großen ­Boxen, versorgt mit Wasser, Sauerstoff und Import­papieren, treten die handver­lesenen Koi kurz darauf ihre Flugreise an. Knapp 36 Stunden nach dem Verpacken in Japan schwimmen sie wieder munter drauflos: nur jetzt eben im Norden Thüringens.


Die Legende vom superteuren Koi

"Wer von Koi Ahnung hat, will nicht nur einen bunten Fisch, sondern achtet auf Qualitätskriterien wie Körperform, Farbintensität und Schuppenbild", ist sich Kai Lorenz sicher. Welche Werte sich in ­seinen Becken tummeln, will er nicht beziffern. Sicher, sein größtes und teuerstes Exemplar kostet 5000 Euro. „Aber das ist die ­Ausnahme“, bekräftigt er. Viel mehr gefragt sind Nisai. So nennt der Japaner zweijährige Koi. Die sind 30 bis 50 Zentimeter groß und schon ab 120 Euro zu haben.

Dass sich die Legende vom superteuren Koi dennoch hält, liegt wohl an einigen preisgekrönten Champions. „Bei Spitzenzüchtern wie der Dainichi-Koi­farm habe ich tatsächlich Tiere für über 100 000 Euro gesehen“, bestätigt Lorenz. „Diese Raritäten sind über einen Meter groß und bestechen durch fantastische Farbbrillanz.“ Das muss man erst einmal hinbekommen, zollt er den Japanern Respekt und scherzt: „Bei den Fischen ist es eigentlich wie bei uns Menschen: Mit zunehmendem Alter geht der Glanz etwas verloren.“

Ganz oben in der ­bunten Liga schwimmen der rot-­weiße Kohaku, der weiß-rot-schwarze Sanke und der schwarz-weiß-rote Showa. Insgesamt gibt es 16 ­Koi­gruppen und davon wiederum mehr als 100 Varietäten. „Diese Farbvielfalt kann durchaus eine Art Sammelleidenschaft auslösen“, warnt Kai Lorenz. Er hat gut lachen – er hat seine Passion für Koi zum Beruf gemacht.
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