Jetzt sprudelt er wieder - Zwei engagierte Eichsfelder und ihr Quellen-Sanierungsprojekt „Eselsborn“

Es ist vollbracht: Karl Meyer (links) und Rainer Hanke (rechts) haben in Eigeninitiative rund 200 Arbeitsstunden, viel Kraft, Schweiß und Mühe investiert, um den Eselsborn wieder herzurichten.
 
Zugemauert und unanhsehnlich: So präsentierte sich die Quelle dem Wanderer vor dem selbstlosen Einsatz der beiden Eichsfelder.
Kleinbartloff: Eselsborn | Sie stellt ein sehr idyllisches Plätzchen dar, die Eselsborn-Quelle bei Reifenstein. Umgeben von hohen alten Bäumen liegt sie unterhalb eines viel begangenen Wald- und Wanderweges, der von Reifenstein kommend am Stausee vorbei in den Leinefelder Forst hinein führt.

Seinen Namen verdankt der Eselsborn dem Umstand, dass die Revierförster im rund zwei Kilometer entfernten Forsthaus Geney in früheren Zeiten keinen eigenen Wasseranschluss besaßen und sich so das erfrischende Nass mit Eselskarren aus der Quelle holen mussten. Im Jahre 1866 ließ Oberförster Lanz die Quelle mit einer Sandsteineinfassung versehen.

Doch der Zahn der Zeit hinterließ seine Spuren, und zuletzt sah man vom Eselsborn nicht mehr viel mehr als eine verwitterte Sandsteinmauer mit einem ebenso verwitterten Rohr am Fuße. Aus Letzterem tröpfelte nur hin und wieder kühles Nass und versickerte gleich wieder in einer mit Laub zugedeckten Rinne. Vorbei kommenden Wandersleuten bot die Quelle in diesem Zustand längst keinen Grund mehr zum Verweilen und schon gar keine Labsal.

Sehr zum Unmut von Karl Meyer. „Schon als Kind bin ich oft hier am Eselsborn gewesen, und es hat mich immer geärgert, dass da kein Wasser läuft.“ Als der Kleinbartloffer vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden musste, fand er Zeit, sich intensiver mit dem Eselsborn zu beschäftigen.

„Ich habe mir gedacht, da muss man doch etwas machen!“ Und Karl Meyer machte etwas! Er knüpfte Kontakte, führte viele Gespräche mit Behörden und suchte Unterstützung sowie Unterstützer.

Mit Rainer Hanke, der in Reifenstein beheimatet ist, gewann Karl Meyer dabei einen sehr engagierten Mitstreiter. Nach einigen Vor-Ort-Terminen, unermüdlichen langen Gesprächen sowie Diskussionen und wiederholten Telefonaten bekamen die beiden Männer im März diesen Jahres dann tatsächlich grünes Licht, die Quelle in Eigenregie wieder her zu richten.

„Im April begannen wir zunächst mit dem Abbruch der Einfassung. Wir haben sie Stein für Stein abgetragen und dabei viel mit Hammer und Meißel gearbeitet“, erinnert sich Karl Meyer. „Am 23. April ging es an das neue Fundament.“ Den Beton - insgesamt rund 2,5 Tonnen - mischten die beiden Männer direkt vor Ort im Wald von Hand zusammen und transportierten ihn per Schubkarre zur Baustelle.

Die Steinblöcke für die Mauereinfassung, einige mehr als 100 Kilo schwer, mussten ebenfalls per Muskelkraft und mit Einsatz solch primitiver Hilfsmittel, wie Hebel und Bohlen, bewegt werden. Da sich aufgrund von Verwitterung nicht mehr alle ursprünglichen Kalk- und Sandsteinblöcke wieder verwenden ließen, mussten sich die beiden Eichsfelder auch noch auf die Suche nach Ersatz begeben. Fündig wurden sie in der verfüllten Tongrube bei Niederorschel sowie bei einem Scheunenabriss in Birkungen.

In der rechten Mauereinfassung wurde eine Flasche mit Zeitungen, Münzen und dem Festprogramm zu 850 Jahre Reifenstein für die Nachwelt einbetoniert. Mit der Verfugung der Bodenplatten durch Rainer Hanke fand das ehrenamtliche Sanierungsprojekt „Eselsborn“ am 29. Juni seinen Abschluss. „Natürlich gab es mit zwei Bierchen auch eine kleine Bauabschlussfeier“, schmunzelt Meyer.

Verdientermaßen! Rund 200 schweißtreibende und zum Teil sehr harte Arbeitsstunden haben die beiden engagierten Eichsfelder investiert, ganz abgesehen von der Zeit, die für die Planung und Vorbereitung des Projektes drauf ging. „Jetzt sprudelt sie wieder“, stellt Karl Meyer fest, und in seiner Stimme schwingen - berechtigterweise - Zufriedenheit und Stolz mit.

Fakten
- Der Eselsborn liegt unterhalb eines Berges namens Sonder, dessen Sockel als Buntsandstein besteht.
- Nach persönlichen Messungen Karl Meyers entspringen der Quelle je Jahreszeit und Witterung zwischen 23 und 180 Liter pro Minute.
- Das Quellwasser sei kalt, schmecke aber sehr gut, so Karl Meyer.
- Den Zement für die Quellensanierung hat die Gemeinde Reifenstein gesponsert.
- Material und Werkzeug stellte der NABU Obereichsfeld zur Verfügung.
- Hilfe und Unterstützung in unterschiedlicher Form gab es auch durch einige Eichsfelder Bürger und Firmen.
- Aus zwei Sandsteinblöcken sowie Holzbohlen haben Karl Meyer und Rainer Hanke an der Quelle auch noch eine Sitzbank geschaffen.
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