Keine Erinnerung soll verloren gehen - Brehmer Orts-Chronist Lothar Wandt möchte die Heimatgeschichte für kommende Generationen bewahren

Ich wollte keine einfache trockene Chronik schreiben: Lothar Wandt mit seinem Heimatbuch "Brehme - Geschichte und Geschichten".
 
Natürlich zählt der Brehmer Ortschronist auch das Eichsfeldbuch von Carl Duval aus dem Jahre 1845 - die so genannte "Bibel der Eichsfelder Heimatfreunde" sein Eigen.
Zum ohnehin schon nach hinten hinausgeschobenen Gesprächs-Termin kommt Lothar Wandt eine viertel Stunde zu spät. Allerdings hat er auch einen triftigen Grund in Form einer elfköpfigen Besuchergruppe aus Norddeutschland, die er zuvor noch durchs Grenzlandmuseum Eichsfeld bei Teistungen geführt hat.

Der Museums-Termin war recht kurzfristig angesetzt, eine entsprechende telefonische Anfrage für diese sowie zwei weitere Führungen am Folgetag im Innen- und über den Außenbereich der Museumsanlage hatte der Brehmer erst am Morgen erhalten. „Die waren sehr interessiert und haben wirklich viele Fragen gestellt. Da konnte ich nicht einfach sagen, ich muss jetzt gehen“, entschuldigt er sich.

Der Museumsrundgang hat offenbar nicht nur den Gästen aus Norddeutschland sehr gut gefallen (wohl nicht zuletzt, weil sie die mit kleinen Anekdoten gewürzten Informationen sozusagen aus erster Hand bekamen), sondern auch Lothar Wandt selbst. Denn da war echtes Interesse bei den Museumsbesuchern zu spüren, etwas über das Eichsfeld zu erfahren.

Und das mag Lothar Wandt. Genau genommen ist dies auch die Passion des 55-jährigen Orts-Chronisten aus Brehme: Anderen Menschen seine Heimat Thüringen, vor allem aber das Eichsfeld, näher zu bringen. Und da spielt es kaum eine Rolle, ob seine Zuhörer vielleicht selbst aus der Region oder von weit außerhalb kommen.

Es gibt immer genügend zu erzählen, und Lothar Wandt ist voll mit Wissen über seine Heimat. Deshalb arbeitet er schon seit 20 Jahren als Natur- und Städteführer - nicht nur im Eichsfeld, sondern auch im Harz und sogar im Thüringer Wald. Daneben ist er aber auch mit Leib und Seele ein „Grüner“ und als Vorstandsmitglied im Naturschutzbund Eichsfeld (NABU) tätig, den er mit gegründet hat.

Ganz zu schweigen von seiner Mitgliedschaft im Verein für Eichsfelder Heimatkunde, in der Urania Bildungsgesellschaft Eichsfeld oder auch seinem Vorsitz (seit 1990) in der Waldgemeinschaft Brehme. Dass der gebürtige Brehmer überhaupt die nötige Zeit für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement findet, ist einem Arbeitsunfall geschuldet. 1985 verunglückte der gelernte Förster mit seinem Dienstmotorrad und ist seitdem erwerbsunfähig.

Sein schier unerschöpfliches Wissen über die Region verdankt er vor allem Büchern. „Ich habe schon als Kind viel gelesen und tue dies auch heute noch.“ Hunderte Bücher, Zeitschriften und Zeitungsausschnitte hat er gesammelt, vor allem über die Natur und Geschichte des Eichsfeldes.

Eine zweite Möglichkeit der Informationssammlung sind Gespräche. „Ich befrage gern alte Leute, zum Beispiel regelmäßig beim Frühschoppen. Ich denke, die Erinnerungen und Erfahrungen der Menschen muss man einfach für die kommenden Generationen bewahren. Ich denke hier gerade auch an das Leben und die Geschehnisse hier in der ehemaligen Sperrzone. Was da so ablief, kann sich so mancher gar nicht vorstellen!“ In seiner nunmehr schon rund 30-jährigen Tätigkeit als Brehmer Orts-Chronist hat Lothar Wandt unglaublich viel Material zum Ort und der Umgebung zusammen getragen.

Vieles findet sich in seinem Buch „Brehme - Geschichte und Geschichten“ wieder, das im Rahmen der Feierlichkeiten zum 700. Ortsjubiläum von Brehme veröffentlicht wurde. „Ich wollte nicht einfach eine trockene Chronik heraus bringen. Es sollte ein Buch für alle Leser-Schichten und alle Altersklassen werden, für die älteren ebenso, wie für Kinder und Jugendliche. Deshalb beinhaltet das Buch auch zahlreiche Geschichten und Anekdoten“, erläutert Lothar Wandt, der nicht nur die Vergangenheit seiner Gemeinde erforscht, sondern auch an ihrer derzeitigen und zukünftigen Entwicklung interessiert ist.

Lange Jahre wirkte er im Gemeinderat und Kirchenvorstand mit und zeigt sich hier auch heute noch sehr aktiv. Bei den Gemeinderats-Sitzungen ist er ein häufiger Gast und mischt sich auch ein, wenn er es für nötig hält.

Seit 2004 leitet Lothar Wandt die Pfadfindergruppe Stamm „St. Marien“ Brehme. „In dieser Funktion bin ich viel mit Kindern und Jugendlichen in der Natur unterwegs. Ich denke, das bindet sie ein bisschen an die Heimat.“

Langeweile hat Lothar Wandt aufgrund seines vielfältigen Engagements nie. An Tagen, wo einmal kein Termin den anderen jagt, gibt es immer noch viele Dinge, die er nacharbeiten muss. „Zeitweise artet das schon mal in Stress aus“, gesteht der Brehmer. „Meistens genieße ich es aber. Wenn die Leute dann noch sagen: ‚Herr Wand, das war heute eine ganz tolle Sache‘, dann baut mich das auf und die Arbeit macht mir richtig Spaß.“
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