Kuriose Fälle - Schon viele Dinge erlebt - Dieter Redemann erstellt als Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger hauptsächlich Gutachten für Gerichte

Dieter Redemann hat als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Fahrzeugschäden und Bewertung sowie Unfallrekonstruktion schon viele und teilweise auch "kuriose" Fälle" erlebt.
 
Alles pure Physik: Die Forensik ist technisch sehr fortgeschritten und am Computer lässt sich praktisch jeder Fall simulieren und rekonstruieren.
WORBIS. Seit März 2003 ist Dieter Redemann unter anderem als Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kfz-Schäden und -Bewertung sowie in der Unfallforensik tätig. In dieser Eigenschaft arbeitet er hauptsächlich für Gerichte. In den vielen Jahren seiner Tätigkeit als Sachverständiger hat er schon viel erlebt - dramatische, tragische, aber auch sehr kuriose Dinge. Z

u Letzteren zählt mit Sicherheit der Fall, bei dem ein Pferd in die Motorhaube eines Opel Frontera gebissen und dann auch noch mit dem Vorderbein den Frontschutzbügel des Geländewagens eingedrückt haben sollte.

„Die erste Irritation gab es bereits beim Vorführen des betreffenden Pferdes. Obwohl eine Stute die Schäden am Fahrzeug verursacht haben sollte, wurde mir beim Vor-Ort-Termin ein Wallach präsentiert. Der war nämlich im Gegensatz zur Stute versichert“, erzählt Dieter Redemann.

„Die Leute dachten in ihrer Bauernschläue wohl, da kommt so ein Kfz-Sachverständiger daher, dem kann man was vom Pferd erzählen“, fährt der Holunger, der mit Pferden groß geworden ist und sich daher mit diesen Tieren hervorragend auskennt, schmunzelnd fort.

Eine Vermessung der „Biss-Spuren“ in der Motorhaube des Opels und des Pferdegebisses zeigte, dass da etwas nicht zusammen passen konnte. Zudem ließ sich auch der eingedrückte Frontschutzbügel nicht dem Pferd anlasten.

„Kein Pferd besitzt so viel Kraft. Es hätte sich eher das Vorderbein gebrochen, als den massiven Metallbügel einzudrücken“, resümiert der Sachverständige, dessen fundierte Kenntnis über Pferde auch in einem anderen Fall sehr rasch für Klarheit sorgte. So sollte ein Kutschpferd beim seitlichen Passieren eines Fahrzeuges mit seinen Hufen gegen dessen Blech getreten haben.

„Wäre das Pferd eine Kuh gewesen, dann wäre das durchaus plausibel. Ein Pferd kann aber aufgrund seines Bewegungsapparates nur nach hinten austreten und nicht zur Seite“, weiß Dieter Redemann.

In seiner Arbeit als Sachverständiger musste er auch schon die Erfahrung machen, dass die vermeintlich einfachsten Geschichten manchmal die kompliziertesten sind.

„Es gab da einen Fall, in dem ein Mann mit vollbeladener Schubkarre verunfallt und dabei das Auto seines Nachbarn beschädigt haben sollte. Zwei Gutachten existierten dazu bereits, die aussagten, dass es so nicht gewesen sein konnte. Da ich nun ebenfalls ein Gutachten anfertigen sollte, beschloss ich, die Situation praktisch nachzustellen und das Ganze auf Video zu dokumentieren. Ich habe mich für den Versuch sozusagen selbst vor die Karre gespannt. Schon der erste Versuch führte bei mir zu der Erkenntnis, dass der Unfallhergang aufgrund der dabei wirkenden Kräfte sehr plausibel ist“, erzählt der Prüfingenieur, der sich beim Selbstversuch gerade aufgrund jener unerwartet starken Kräfte sogar eine Knieverletzung zu zog.

Die Berechnungen am Computers bestätigten im Nachinein das Ergebnis des praktischen Versuches.

Eine persönliche Erkenntnis verbuchte Dieter Redemann auch noch für sich: „Mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit heißt es für mich das nächste Mal: Zuerst die Simulation am Rechner, dann der praktische Versuch!“

Hintergrund und Fakten


- Zwischen einem Tag und teilweise mehreren Wochen, immer abhängig vom jeweiligen Fall, benötigt Dieter Redemann für das Erstellen eines Gutachtens.
- Er nutzt dabei modernste Technik, wie etwa Computer, Fotoapparate, Kameras, Messtechnik und GPS.
- Sein größter Fundus bei der Bearbeitung von Fällen sind jedoch Weiterbildung und vor allem die jahrelange eigene Erfahrung.
- Es kann um Schadenswerte von unter 100 Euro gehen, aber auch schon mal um Schäden in Höhe von weit über 100.000 Euro.
- Der Arbeitsaufwand ist bei Fällen mit hohem Schadenswert oftmals geringer als bei Sachverhalten, bei denen es eher um geringere Schadenssummen geht.
- Aufgrund der fortgeschrittenen technischen Möglichkeiten lässt sich in der Forensik praktisch jeder Sachverhalt rekonstruieren.
- Immer wieder mal erlebt Dieter Redemann beim Erstellen von Gutachten Aha-Effekte. „Da funktionieren Dinge, von denen man das niemals erwartet hat oder eben auch umgekehrt.“
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