Ruhig, liebevoll und sehr selten - Arwen von der Wasserschneppe alias „Ari“ - Der vermutlich einzige Kromfohrländer Thüringens lebt in Dingelstädt

Unzertrennlich: Anja Vogt und ihre Kromfohrländer-Hündin Ari.
 
Zwei Jahre alt ist Kromfohrländer-Hündin Arwen von der Wasserschneppe mit dem Rufnamen Ari und zugleich die erste ihrer Rasse im Eichsfeld, vielleicht sogar in ganz Thüringen.
DINGELSTÄDT. Sie hört zwar auf den Rufnamen Ari, heißt aber eigentlich Arwen von der Wasserschneppe. Das klingt ein bisschen blaublütig, und die Hündin benimmt sich zunächst auch so, indem sie mich - den Gast - die ersten zehn Minuten komplett ignoriert. Erst, nachdem ich mich eine Weile mit Frauchen Anja Vogt unterhalten habe, kommt Ari herbei, um mich in Augenschein zu nehmen. Dann darf ich sie aber auch sogleich vertraulich kraulen.

Ari ist ein Kromfohrländer und gehört damit einer sehr seltenen Hunderasse an. So selten, dass die Hündin die einzige ihrer Rasse nicht nur im Eichsfeld sondern vermutlich in ganz Thüringen ist. Geboren wurde Ari am 20. August 2011 bei einer Hundezüchterin in Essen als Dritte eines Wurfes von sieben Rüden und zwei Hündinnen. Dass sie heute im Eichsfeld zu Hause ist, verdankt sie Anja Vogt.

Die Dingelstädterin ist gelernte Einzelhandelskauffrau und arbeitet seit 2009 nebenbei noch als Hundetrainerin und -therapeutin. „Für diese Arbeit benötigt man in bestimmten Fällen einen Hund, der bei der Verhaltenstherapie unterstützt“, erzählt sie. Viele Jahre nahm Mischlingshündin Lucy diese Rolle ein. Doch Lucy, die inzwischen elf Jahre alt ist, wurde für diesen „Job“ schließlich zu alt und lebt heute bei Anja Vogt glücklich „in Rente“.

„Als ich gesagt habe, ich brauche für das Training einen neuen Hund, meinte mein Freund, dass dieser aber so wie Lucy aussehen müsse, zumindest so ähnlich jedenfalls“ erzählt die Dingelstädterin und fährt fort: „Es war beim Besuch einer Hundeausstellung in Erfurt, als man uns fragte, ob Lucy ein Kromfohrländer sei. Dennis hat dann gleich auf seinem Smartphone gegoogelt, was das für eine Rasse ist. Nicht jede Hunderasse eignet von ihren Eigenschaften her als unterstützendes Element für die Arbeit eines Hundetrainers. Ich wollte ja eigentlich einen Border Collie, meinte aber dann, okay, wir können uns diese Kromfohrländer ja mal anschauen.“

Im Juli 2011 reisten Anja Vogt und ihr Freund Dennis Braun nach Krefeld zu einem so genannten Kromfohrländer-Spaziergang am Rhein, ein Treffen von Züchtern und Besitzern dieser seltenen Hunderasse. „Dort konnten wir erleben, wie stark die Kromfohrländer auf ihre Menschen bezogen sind, wie unkompliziert, intelligent und zugleich sportlich diese Tiere sind. Das hat uns wirklich gut gefallen“, meint die Dingelstädterin.

Die Entscheidung war damit gefallen! Doch einen Kromfohrländer zu bekommen, erwies sich als alles andere als einfach. „Auf einen Kromfohrländer-Wurf kommen 30 bis 40 Interessenten. Man muss sich bei den Züchtern bewerben, und die schauen sich ganz genau an, wem sie einen ihrer Welpen anvertrauen“, weiß Anja Vogt.

Zum Glück hätten ihr Freund und sie bei der Züchterin in Krefeld Eindruck hinterlassen, sodass sie aus einem Wurf eine Hündin versprochen bekamen. „Ende Oktober 2011 haben wir Ari dann abgeholt. Es war ein schöner Herbsttag, und alle, die uns sahen, haben gefragt: Mensch, was ist das denn für ein Hund?“

Als Ari etwa ein dreiviertel Jahr alt war, kam sie das erste Mal bei einer Therapiestunde zum Einsatz. „Es ging um einen Hund, der panische Angst vor anderen Hunden hatte. Ari hat ihm mit ihrem ruhigen neutralen Verhalten damals sehr geholfen“, erzählt Anja Vogt, die sich dann sogleich in Begeisterung redet: „Ari ist intelligent, ruhig und recht entspannt. Wenn man fünf von ihrer Sorte in der Wohnung hätte, so würde dies auch nicht auffallen. Sie hat ein freundliches Wesen und ist zudem sehr stark auf mich geprägt. Sie hält steten Blickkontakt mit mir.“

Anja Vogt ist Mitglied im Deutschen Kromfohrländer-Verein und nimmt mit Ari an Hundeausstellungen teil. Dies sogar sehr erfolgreich, denn die Kromfohrländer-Hündin heimst bei den Rassestandards immer die Note „Vorzüglich“ ein und holte am 24. und 25. August in Leipzig sogar den Titel „German Winner“. Nachdem sie bereits zum Deutschen Jugend-Champion gekürt wurde, wird nun auch noch der Titel Deutscher Champion angestrebt.

Im März diesen Jahres bestand Ari zudem die Zuchttauglichkeitsprüfung und erhielt die Zuchtzulassung. „2015 soll es den ersten A-Wurf geben. Jetzt heißt es allerdings erst einmal, den passenden Rüden zu finden. Weil die Rasse sehr selten ist, wird das sehr schwer. Wir werden deutschlandweit suchen“, erläutert Anja Vogt ihre nächsten Pläne.

Vor etwa zwei Wochen fand übrigens das erste Kromfohrländertreffen im Eichsfeld statt, bei dem sich sechs Hunde nebst ihren Besitzern aus Berlin, Paderborn und Braunschweig im Worbiser Bärenpark trafen. Es soll nicht das letzte Treffen gewesen sein. Für Anja Vogt steht eines felsenfest: „Die Liebe zum Kromfohrländer ist eigentlich so einzigartig, wie es die Rasse ist!“

Die Rasse:


- Die Rasse der Kromfohrländer entstand aus einem Streuner-Hund, der nach dem Krieg mit amerikanischen Soldaten nach Deutschland kam und im Haushalt von Ilse Schleifenbaum ein neues Zuhause fand. In der Nachbarschaft traf dieser Streuner in der Gemarkung „Kromfohr“ (Krumme Furche) auf die Foxterrier-Hündin Fifi, woraufhin der Grundstein für die Hunderasse Kromfohrländer gelegt wurde.

- Die Kromfohrländer sind seit 1955 als Hunderasse anerkannt.
- Sie werden den Gesellschafts- und Begleithunden zugeordnet (Standard Nr. 192).
- Kromfohrländer sind mit 38 - 46 Zentimetern Höhe mittelgroß.
- Die Hündinnen wiegen zwischen 9 und 14 kg, die Rüden zwischen 11 und 16 kg.
- Das Fall kann glatt oder rau sein.
- Kromfohrländer gelten als lern- und spielfreudig, lebhaft, wachsam und anhänglich. Sie entwickeln keinen oder nur einen sehr geringen Jagdtrieb und brauchen den Kontakt zu ihren Menschen.
- Außer in Deutschland werden Kromfohrländer noch in der Schweiz und in Finnland gezüchtet.
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