Ruhig und kraftvoll - Markus Bleich aus Lindewerra und seine Kaltblüter-Pferdezucht

Das Reinholen der Pferde vom Feld geht mit einem Ritt auf dem Rücken von Kaltblut Tänzerin schneller.
 
Betriebsleiter Markus Bleich mit Hengst Aaron (links) sowie den Stuten Tänzerin (Mitte) und Kitty (rechts).
Lindewerra: Lindenhof | Markus Bleich ist gelernter Landwirt, und das mit Leib und Seele. Seit April 1992 züchtet er in Lindewerra Pferde. Vor allem die Kaltblüter haben es ihm da angetan. Zwölf Stuten und einen Hengst hält er gemeinsam mit seiner Frau Henrike Lampe.
Zum Gesprächstermin erscheint Markus Bleich denn auch hoch zu Ross, auf dem Rücken von Kalblut Tänzerin reitend und dabei zwei weitere Pferde an den Zügeln mit sich führend.

Die Kaltblüter stehen nicht einfach nur auf der Weide, sondern arbeiten auch auf den 80 Hektar landwirtschaftlicher Fläche des Lindenhofs mit. Sie helfen beim Anbau ihres eigenen Futter-Hafers ebenso, wie bei der Futter-Produktion für die 40 Milchkühe des Hofes.

„Wir müssen keine Tiernahrung dazukaufen“, sagt Markus Bleich. „Bei uns wird alles selbst angebaut und verarbeitet und ist daher auch frei von Pestiziden und chemischen Düngemitteln.

Es gäbe seit etwa 15 Jahren die Tendenz, Kaltblüter vermehrt in der Landwirtschaft einzusetzen, erzählt der Landwirt. Anders als Traktoren hinterlassen die Pferde trotz ihrer stämmigen, kräftigen Beine kaum Spuren auf dem Feld und schädigen mit ihrem leichteren Gewicht nicht den Acker. Dies wiederum stellt einen nicht unerheblichen Grund besonders für Öko-Gemüsebauern dar, die Ackergäule wieder dort einzusetzen, wo sie den meisten Nutzen bringen.

Doch dies ist nicht der einzige Nutzen, den die Zucht der Kaltblüter bringt. Auch die Milch der Stuten - täglich sind es immerhin etwa 15 Liter - ist gefragt. Verwendung findet sie beispielsweise als Heilmittel gegen Allergien, aber auch bei der Herstellung von Säuglingsnahrung.

Die Stutenmilch wird gemeinsam mit den 400 Litern Bio-Milch von den Kühen und dem selbst hergestellten Quark und Käse über Bio-Großhändler vertrieben. Ein ganz besonderes Ereignis ist immer auch das so genannte „Fohlenbrennen“.

„Eigentlich heißt es nicht mehr Fohlenbrennen“, stellt Markus Bleich richtig. Zwar wurden die Fohlen bis 2010 tatsächlich noch mit einem Brandzeichen am Hinterbein gekennzeichnet, doch das sei inzwischen aus Tierschutzgründen untersagt. Statt der archaischen Brandmarkung werden die Daten auf einem Mikrochip gespeichert und dem betreffenden Tier eingespritzt.
Drei Stuten- und vier Hengstfohlen sowie eine Zuchtstute des „Lindenhofes“ wurden am vergangenen Dienstag auf diese Weise ins Zuchtbuch aufgenommen. Die Fohleneintragung gleicht alljährlich einem kleinen Fest. „Meist wird auch das beste Fohlen gekürt“, sagt Henrike Lampe, die als Diplom-Agrar-Ingenieurin ihren Mann bei der Zuchtarbeit nach Kräften unterstützt.

Es ist ein Ereignis, das nicht nur für Pferdezüchter interessant ist. Auch „ganz normale“ Menschen dürfen zuschauen, wenn die beiden Fachmänner vom Zuchtverband die Fohlen begutachten. Da geht es unter anderem darum, wie die Tiere den Kopf tragen, mit welcher Eleganz sie sich bewegen, oder wie ihr Fell gezeichnet ist. Für die verschiedenen Merkmale werden Punkte verteilt. Das ist besonders für Stuten wichtig, denn die Bewertung bleibt ein Pferdeleben lang erhalten und ist für die Zucht ausschlaggebend.

Fakten
Der Begriff „Kaltblut“ kommt nicht von der Körpertemperatur des Pferdes - die liegt immer bei 38 Grad Celsius. Mit Kaltblut bezeichnet man ein Pferd mit schwerem Körperbau und ruhigem Wesen. Kaltblüter sind für schwere Arbeit geeignet, zum Beispiel zum Ziehen von Brauereiwagen oder auch Holzfuhren.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige