Tollkühne Männer in ihrer fahrenden Kiste - Der „Silberpfeil“ aus Wüstheuterode startet beim großen Red-Bull-Seifenkistenrennen

Das Volksfürsorge-Racing-Team mit seinem ersten Fahrzeug (links) und dem jetzigen "Silberpfeil" (rechts), mit dem es beim Red-Bull- Seifenkistenrennen auf die Strecke gehen soll: v.l.n.r. Daniel Kaufhold, Reinhard Häßler, Tobias Wehling und Frank Preiß. (Foto: privat, Racing Team)
 
Eine erste Skizze vom "Silberpfeil". Einige Änderungen sind hier aber noch notwendig, vor allem an der Vorderachse. (Foto: privat, Racing Team)
WÜSTHEUTERODE. Frank Preiß, Reinhard Häßler, Daniel Kaufhold, Patrick Fuchs und Tobias Wehling - sie alle sind gestandene Männer, die da mit Rieseneifer in einer Werkstatt in Wüstheuterode an ihrem „Silberpfeil“ basteln.

Das Gefährt erinnert in seiner Form an die gleichnamigen Grand-Prix-Rennwagen von Mercedes-Benz und Auto Union, wie sie in den 30er Jahren auf die Rennpiste gingen. Der „Silberpfeil“ in Wüstheuterode bäckt da etwas kleine Brötchen, er wird mit dem Volksfürsorge-Racing-Team beim Red-Bull-Seifenkistenrennen am 14. Juli im Landschaftspark Hoheward in Herten starten.

Die fünf Männer aus Wüstheuterode, Lenterode und Röhrig sind keine Neulinge im Renngeschehen in dieser Klasse. Ihren ersten Start hatten sie 2010 beim Seifenkistenrennen der Freiwilligen Feuerwehr in Röhrig.

„Damals redete jeder über diese Veranstaltung, und da haben wir als Clique gesagt, wir machen da einfach mit“, erzählt Tobias Wehling. Also bastelten sie sich mit viel Fantasie eine Seifenkiste zusammen. Das Gefährt erinnerte optisch stark an einen Formel-1-Rennwagen - aber eben wirklich nur optisch. „Das Ding war leider nicht sehr schnell, unter anderem wegen der völlig ungeeigneten breiten Reifen. So landeten wir in Röhrig auf dem vorletzten Platz.“

Einen Lichtblick gab es aber doch, denn Frank Preiß bekam mit damals 48 Jahren trotzdem einen Pokal als ältester Fahrer. Und sie gewannen einen Sponsor. Otto Winter aus Bad Sooden-Allendorf war bei der Veranstaltung in Röhrig so von der Kreativität des Teams angetan, dass er es nach dem Rennen ansprach und Unterstützung anbot. Seine Spende und die erworbenen Rennerfahrungen nutzten die fünf Eichsfelder zum Entwurf und Bau einer neuen Seifenkiste, eben des „Silberpfeiles“.

Dieser besitzt eine auf einem Rahmen aufgesetzte Aluminiumkarosse, wesentlich schmalere Reifen, ein richtiges Lenkgetriebe und sogar Trommelbremsen.

Mit diesem Flitzer wagten die Eichsfelder eine Teilnahme an weiteren Seifenkistenrennen. So zum Beispiel im Sommer vergangenen Jahres in Grebeck bei Duderstadt, wo sie in der „Fun-Klasse“ auf die Piste gingen. Da erreichte der „Silberpfeil“ immerhin eine Spitzengeschwindigkeit von 74 km/h. Leider gab es aufgrund des kurzen Auslaufes hinter der Ziellinie einen Rennunfall, bei dem das Fahrzeug Schäden davon trug.

Seinen bisher größten Erfolg feierte das Renn-Quintett im März diesen Jahres in Mühlhausen, wo es von der Jury und dem Publikum einstimmig zum kreativsten Seifenkisten-Team gekürt wurde. Vor etwas mehr als zwei Monaten wurden die Eichsfelder im Internet auf das große Red-Bull-Seifenkistenrennen aufmerksam.

Ihre Bewerbung via Video kam gut an, sodass sie sich für das Web-Voting qualifizierten, bei dem wiederum sie unter einhundert Teams einen stolzen zehnten Platz erreichten. Nun werden die Eichsfelder mit ihrem „Silberpfeil“ am 14. Juli als Volksfürsorge-Racing-Team vor beinahe 40.000 Zuschauern gegen 69 andere Seifenkisten antreten. Derzeit wird jede freie Minute getüftelt, gebastelt und auf einem geteerten Feldweg mit Gefälle und Kurven bei Wüstheuterode getestet.

Eine besonders harte Nuss ist dabei noch zu knacken: „Der Silberpfeil ist zu schwer. Er wiegt derzeit 110 Kilogramm und muss auf 80 Kilo abgespeckt werden. Das heißt, wir werden die Vorderachse komplett neu konzipieren müssen“, erklärt Tobias Wehling, der bei der Red-Bull-Veranstaltung auch als Pilot hinterm Steuer sitzen wird. Der Wüstheuteröder hat allerdings keinen Zweifel, dass man auch dieses Problem löst.

Trotz allen Ehrgeizes, mit Blick auf das große Rennen am 14. Juli setzt sich das Team nicht selbst unter Druck. „Wir wollen einfach einen guten Platz erreichen, das ist alles!“, Meint Tobias Wehling.

Fakten


- Insgesamt zirka 600 Bewerbungen gab es bundesweit für das Red Bull Seifenkistenrennen 2013.
- 100 Teams qualifizierten sich für die Teilnahme am Web-Voting, die 70 überzeugensten Crews nehmen nun am Rennen in Herten teil.
- Aus dem Eichsfeld wird neben „Silberpfeil – Die Legende aus Wüstheuterode auch das Heiligenstädter Team „Franziskus und sein Donnerstuhl“ mit dabei sein.
- Das Renn-Event wird live auf ServusTV und auf www.redbullseifenkistenrennen.de übertragen.
- Die selbst gebastelten Boliden der Teams müssen auf Motoren, Maschinen und externe Energiequellen verzichten, für rasante Geschwindigkeiten sorgen allein die Hangabtriebskraft und natürlich die Anschieber.
- Neben der schnellsten Zeit werden auch die Kreativität der Seifenkisten und die Team-Performance bewertet.
- Die Rennstrecke ist 500 Meter lang und besitzt bis zu 15 Prozent Gefälle sowie verschiedene Hindernisse und Schikanen.
- Die Seifenkisten dürfen maximal 2 Meter breit, 5 Meter lang, 2,50 Meter hoch, (ohne Fahrer) 80 Kilogramm schwer und mit maximal zwei Insassen besetzt sein.

Hintergrund


Zum Ursprung des Namens „Seifenkiste“ gibt es die kuriosesten Theorien. Manche
Quellen beharren darauf, dass der Name auf der Werbeidee einer Seifenkistenfirma
beruht, die auf ihren Verpackungskisten (Soap Boxes) Grundrisse für Einfachkarosserien drucken ließ. Andere munkeln, dass aus der Seifenkiste um ein Haar eine Käsekiste geworden wäre: Der Name Seifenkiste soll dem amerikanischen Zeitungsfotografen Myron E. Scott eingefallen sein, als er 1933 Fotos von Jugendlichen machte, die aus hölzernen Verpackungskisten Kinderautomobile bastelten. In diesen Kisten wurden normalerweise Seifen und Käse transportiert.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige