„Wir wollen die Scheu nehmen“ - Über ein Projekt, das Schülern den Alltag von blinden oder schwer sehbehinderten Menschen näher bringt

Für die Projekt-Arbeit an den Schülern stehen Ralf Lindemann verschiedene Simulationsbrillen zur Verfügung, die den Schülern vermitteln, wie es ist, kaum noch etwas oder gar nichts mehr zu sehen.
 
Darf auch gestreichelt werden: Silke Senge mit dem Modell eines "Blindenführhundes", der zugegebenermaßen zwar nicht "echt" ist, aber dafür um so knuddeliger.
Heiligenstadt Heilbad: BSVT-Geschäftsstelle Eichsfeld | „Können sie uns nicht einfach mal etwas über das Leben von Blinden und Sehbehinderten erzählen“, wurde Ralf Lindemann, Vorsitzender der Kreisorganisation Eichsfeld des Blinden- und Sehbehinderternverbandes Thüringen e.V. (BSVT), vor 20 Jahren von einer Lehrerin aus einer Dingelstädter Schule gefragt. Und er, der selbst schwer sehbehindert ist, trat damals vor die Schüler und erzählte ihnen etwas über seinen Alltag, wie er ihn als Betroffener erlebt. Und es erwies sich nicht nur als richtig und wichtig, sondern es bereitete Ralf Lindemann aufgrund der großen Wissbegier seiner Zuhörer auch Spaß.

Das große Interesse der Mädchen und Jungen von damals gab den Anstoß für ein großes BSVT-Schulprojekt, in dessen Rahmen Schülern der ersten bis elften Klasse der Alltag von Leuten, die entweder blind sind oder eine schwere Sehbehinderung haben, näher gebracht wird. „Wir wollen mit diesem Projekt den Schülern die Scheu im Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen nehmen“, erläutert Ralf Lindemann, der die Veranstaltungen gemeinsam mit Silke Senge, Leiterin der überregionalen Beratungsstelle des BSVT Thüringen, durchführt. „Seht her, wir wollen genau so leben, wie ihr, und wir können es mit den entsprechenden Hilfsmitteln auch - das vermitteln wir.“

Neben der Schilderung des Alltages und des eigenen Lebensweges werden dabei auch Hilfsmittel präsentiert, wie beispielsweise sprechende Funkwecker oder auch ein ertastbarer Plan des Heiligenstädter Kurparks. Simulationsbrillen geben den Schülern gar die Möglichkeit des eigenen Erlebens von Blindheit oder verschiedenen Arten schwerer Sehbeschädigung. Seit zwei Jahren kommt bei den Vorträgen auch das lebensgroße Modell eines Blindenführhundes zum Einsatz.

„Wie viele spielerische Elemente in die Veranstaltungen einfließen, hängt immer vom Klassenalter ab“, meint der BSVT-Kreisvorsitzende, der in diesem Jahr erstmalig auch in einer Krankenpflegeschule zu Gast war. Und der nächste Veranstaltungstermin ist mit einem Vortrag in der Montessori-Schule „Kleeblatt“ in Beuren auch schon geplant.

In den zurückliegenden 20 Jahren wurden 1.690 Schülerinnen und Schüler im gesamten Landkreis Eichsfeld im Rahmen des Projektes "Alltag von Behinderten - Vortragsreihe vor Schülern und Pädagogen" unterrichtet.

Die Vorträge umfassen folgende Punkte:

- Darstellung des Alltags von Blinden und Sehbehinderten
Einbeziehung Schule, Beruf, Freizeit (Hobbys, Sport)
Schilderung des eigenen Lebensweges

- Erläuterungen zur Mobilität
Taststock, Punktschrift, Alphabet, Info's zum Blindenführhund Einsatz der Simulationsbrillen - Übungen mit der Punktschriftmaschine

- Hilfsmittelpräsentation
große Auswahl von Hilfsmitteln, wie Uhren, Punktschriftschreibmaschine, Haushaltshilfen, Spielsammlung oder auch Fieberthermometer

- Präsentation vom Stadtführer in Blindenschrift
Relief für Blinde, Speisekarte, Kalender sowie Plan des Kurparkes für Blinde, Sehbehinderte und Sehende, Präsentation von Spielen Möglichkeit zum Tasten in (Euro-Cash-Tester, Punktschrift und Würfelspiel) Übungen mit tastbarem Dominospiel

- Übergabe von Punktschriftalphabeten an jeden Schüler sowie Infomaterial an die Pädagogen

Und es gibt natürlich auch eine Fragerunde.
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