Damals und heute ein Treffpunkt für Menschen - Bahnhöfe im Eichsfeld: Vom Fürstenhäger Kopfbahnhof zum Naturparkzentrum Eichsfeld-Hainich-Werratal

Das ehemalige Bahnhofsgebäude, hier mit dem Wasserturm in Hintergrund - beherbergt heute die Verwaltung des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal.
 
Willkommensgruß für alle Naturparkbesucher: Im Hintergrund ist der alte Wasserturm zu sehen, mit dem die Dampflokomotiven auf dem ehemaligen Bahnhof ihre Wassertanks auffüllen konnten.
Lutter: Naturparkverwaltung Fürstenhagen | „Herzlich willkommen - Naturparkzentrum Fürstenhagen“ begrüßt ein Schild den Besucher, dessen Blick im Anschluss unweigerlich zu dem markanten Turm an der Südseite des Naturpark-Verwaltungsgebäudes hinüber schweift.

Gerade dieser rund 19 Meter hohe Turm, in dem heute ein Besucher-Informationszentrum untergebracht ist, lässt erahnen, dass hier nicht immer das Verwaltungsteam des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal residierte.

Tatsächlich befand sich hier ein Bahnhof der ehemaligen Eisenbahnstrecke Heiligenstadt - Schwebda, der einige Besonderheiten aufwies. Wie eben jenen kantigen Wasserturm, der zum Auffüllen des Kesselwassers der Dampflokomotiven diente.

Der Bahnhof Fürstenhagen bildete mit 491 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt der Eisenbahnlinie. Die Lokomotiven mussten im wahrsten Sinne des Wortes richtig Dampf machen, um ihn zu erreichen und benötigten nach der Ankunft Wasser-Nachschub.

Doch selbst der größte Druck im Kessel hätte die Dampfrösser von damals nicht die starken Steigungen hinauf nach Fürstenhagen überwinden lassen, sie benötigten auch noch Zahnstangen-Unterstützung. Das heißt, die Lokomotiven fuhren auf den betreffenden Abschnitten zusätzlich wie eine Zahnradbahn.

Weil die Lok dabei aus technischen Gründen am Ende des Zuges angekoppelt war und die Waggons sozusagen bergauf schob, mussten im Bahnhof in Fürstenhagen Möglichkeiten zum Umsetzen (Rangieren) des Triebfahrzeugs geschaffen werden. Dies geschah durch das Anlegen einer so genannten Spitzkehre, welche die Bahnstation Fürstenhagen zu einem Kopf- oder auch Sackbahnhof machte.

Von den Gleisanlagen ist heute nichts mehr zu sehen, die Natur und nicht zuletzt die neuen Herren auf dem Gelände - die Naturparkverwaltung - hat sich diese Flächen längst zu eigen gemacht. So tollen hier heute Kinder auf einem Spielplatz mit Holzgeräten namens „Daudidamm“ herum.

Und man muss schon ziemlich genau hinschauen, um noch etwas vom ehemaligen Bahnsteig zu erkennen. Heute wachsen hier auf eigens angelegten Beeten Gewürzkräuter sowie verschiedene Nutz- und Zierpflanzen, die dazu einladen, die Natur mit verschiedenen Sinnen zu erleben. Das alte Wasserbecken auf dem Bahnhofsgelände ist heute ein Teich und Heimat von zahlreichen Pflanzen- und Tierarten.

Das ehemalige Empfangsgebäude am Bahnhof kann eine sehr wechselvolle Geschichte erzählen. Erbaut von 1913 bis 1914, geriet es am 8. April 1945 unter amerikanischen Beschuss und trug schwere Schäden davon. Als die Bahnstrecke 1947 stillgelegt wurde, diente das Bahnhofsgebäude viele Jahrzehnte als Wohnung und von 1972 bis 1990 schließlich als landwirtschaftliches Schulungszentrum.

1991 kaufte das Land Thüringen den Fürstenhäger Bahnhof, im Jahr darauf hielt die Naturparkverwaltung hier Einzug. Weil er vom Verfall bedroht war, wurde 1995 zunächst der Wasserturm umgebaut und saniert. Er ist heute ein Geschützes technisches Denkmal.

Dann kam das Bahnhofsgebäude an die Reihe. In der ehemaligen Bahnhofshalle finden sich heute Seminarräume, in den oberen Etagen Büros der Naturpark-Mitarbeiter. Vor dem Gebäude entstand ein kleiner Bauerngarten, der Anregungen zu einer ökologischen Gartengestaltung gibt.

Im kommenden Jahr feiert der ehemalige Fürstenhäger Bahnhof und heutiger Sitz der Naturparkverwaltung seinen 100. Geburtstag. Trotz seiner wechselvollen Geschichte und seiner zwischenzeitlich neuen Aufgabe hat sich eine Sache nicht geändert: Er ist ein Treffpunkt für Menschen, damals und heute.

Fakten


- Die Einwohner von Fürstenhagen nutzten in früheren Zeiten vorrangig die Bahn für die Fahrt zur Arbeit.
- Der Bahnhof war von 1947 bis 1970 Eigentum der Reichsbahn und von 1970 bis 1990 dann im Besitz des Agro-Chemischen Zentrums Heiligenstadt.
- 1992 zog Dr. Johannes Hager, Leiter der Naturparkverwaltung, in das Bahnhofsgebäude ein.
- 1994 war das Verwaltungsteam dann komplett.
- Am 18. September 1996 erfolgte die feierliche Eröffnung des Informationszentrums im alten Wasserturm.
- 1997 und 1998 erfolgte der Umbau des Hauptgebäude, das am 24. Mai 1999 feierlich eingeweiht wurde.
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