Perfektes Zusammenspiel - Schauhüten Altdeutscher Hütehunde im Heinz-Sielmann-Erlebniszentrum Duderstadt am 28. Juli

Am Wettbewerb teilnehmende Schäfer mit ihren Hütehunden. Trotz 7-Tage-Woche, einem täglichen 14-Stunden-Job und vergleichweise wenig Lohn gibt es für viele von ihnen keinen schöneren Beruf. (Foto: Susanne Zander)
 
Zusammenarbeit von Hund und Schäfer – Schafe versuchen immer, sich eigensinnig ihren eigenen Weg zu suchen und werden von den Hunden auf Kurs gehalten. (Foto: Susanne Zander)
Duderstadt: Gut Herbigshagen | DUDERSTADT. Der Mann im traditionellen Schäferwams muss nicht einmal ein lautes Kommando geben. Er hebt lediglich seinen Schäferstock und weist in eine bestimmte Richtung.

Der Hütehund, ein langstockhaariger Gelbbacke, den die meisten Zuschauer wohl einfach nur als Schäferhund deklarieren würden, reagiert sofort und treibt die Herde in die angezeigte Richtung. Ein besonders eigensinniges Schaf packt der Hund kurz am Hinterlauf - an der „Keule“, so als wolle er es beißen. Das Tier wird durch diese kleine „erzieherische Maßnahme“ nicht verletzt, hat nun aber Respekt vor dem Hund und trollt sich zu den anderen.

Was die Zuschauer hier erleben, ist nicht irgendeine Dressurvorführung sondern ein Schauhüten Altdeutscher Hütehunde. „Hütewettbewerbe sind mehr als nur Veranstaltungen von Schäfern für Schäfer“, sagt Susanne Zander, Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen der Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde e.V. (AAH). „Sie dienen dem Erhalt einer Jahrhunderte alten Tradition und lassen den Zuschauer teilhaben am harten und von unvorhergesehenen Überraschungen geprägten Alltag von Schaf, Hund und Mensch.“

Das nächste Schauhüten findet am 28. Juli von 09:00 bis 18:00 Uhr auf einer Wiese beim Heinz-Sielmann-Natur-Erlebniszentrum Gut Herbigshagen bei Duderstadt statt.

Beim Wettkampf kann jeder Interessierte zuschauen. Es gibt sogar einen Parcourssprecher, der das Geschehen erläutert, so dass solche Prüfungsaufgaben, wie „Auspferchen“, „Engweg“, „Wehren am Verkehr“, „Kippen“ oder „Griff“ keine Fremdworte bleiben. Was die Schäfer und ihre Hütehunde hier im Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund zeigen, lässt die Zuschauer staunen.

Als Hüteschäfer muss man schon eine gewisse Hingabe für seinen Beruf entwickeln. Bei Wind und Wetter sind sie unterwegs, immer auf der Suche nach der fettesten Weide. Denn nur ein gesundes und sattes Schaf verspricht einen guten Ertrag. Daher gilt des Schäfers Augenmerk an jedem Tag und zu jeder Stunde jedem einzelnen seiner bis zu 800 Tiere. Das bedeutet einen 14- bis 18-Stunden-Arbeitstag an sieben Tagen in der Woche.

Der harte Alltag prägt aber nicht nur die Menschen, sondern auch ihre vierbeinigen Helfer. Die Hütehunde sorgen dafür, dass die Schafherde nicht von den teilweise engen Weideflächen auf angrenzende Nutzflächen ausbricht, sie leiten die Herde sicher durch den Straßenverkehr und helfen beim Ein- und Auspferchen am Morgen und Abend.

Hierfür benötigen sie eine robuste Gesundheit, große Anpassungsfähigkeit, Wesensfestigkeit bei der Arbeit und einen ausgeprägten Arbeitswillen. Die Schäfer schätzen an ihren Hunden zudem das ehrliche Wesen. Wenn ein Hund bei einem widerspenstigen Schaf einen „druckvollen und sauberen Griff“ im Nacken, an den Rippen oder an der Keule anbringt, um sich seinen Respekt zu sichern, darf er es nicht verletzten.

Ohne Hütehunde wäre es einem Schäfer heute nicht mehr möglich, eine größere Schafherde durch die teils schon stark „zersiedelte“ Kulturlandschaft zu bringen. Wie perfekt dabei der Mensch und sein vierbeiniger Helfen dabei zusammen spielen, kann man am 28. Juli hautnah beim Gut Herbigshagen miterleben.

Der Hütehund-Wettbewerb:


- Der Hütehundwettbewerb findet am 28. Juli von 09:00 bis 18:00 Uhr beim Gut Herbigshagen in Duderstadt statt.
- Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde e.V. (AAH) und der Seeburger Schäferei Bodmann.
- Die Heinz Sielmann Stiftung, die im Eichsfeld den Aufbau eines Hüteschäfer-Projektes unterstützt, war schon mehrfach Austragungsort eines Hütehundwettbewerbs.
- Ab 11.00 Uhr werden auf dem Hof an verschiedenen Verkaufsständen handgearbeitete rustikale Produkte angeboten.
- Es gibt Schafskäse sowie Eis aus Schafsmilch, deftige Grillwaren sowie eine herzhafte Suppe.

Die Arbeitsgemeinschaft:


- Die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde e.V. (AAH) ist ein Zusammenschluss von Schäfern, Schafhaltern und Privatleuten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Zucht und Haltung der zum Teil vom Aussterben bedrohten Hütehundschläge zu fördern.
- Die AAH wurde 1988 von Schäfern gegründet.
- Im Jahr 1989 schlossen sich die Arbeitsgemeinschaften von Ost und West zusammen.
- Im Laufe der Jahre gründeten sich 11 Landesverbände, darunter ist auch der Landesverband Thüringen
- Die Landesgruppen der AAH veranstalten jährliche Leistungshüten, auf denen die Altdeutschen ihre Arbeitseigenschaften unter Beweis stellen können.
- Regelmäßig im September (in diesem jahr am 8. und 9. September) findet das Bundeshüten der AAH statt, auf dem die besten Hüter jeder Landesgruppe ihr Können und ihre Hunde vorstellen.

Die Hütehunde:


- Die Wurzeln der Altdeutschen Hütehunde liegen vermutlich im frühen Mittelalter.
- Mit der Entwicklung des Wanderhirtentums und des Hütewesens einher ging die Zucht entsprechender Hütehunde zum Treiben von Schafen, Schweinen und Kühen sowie zum Wehren und Schützen der Herden.
- Die Bezeichnung “Altdeutscher Hütehund” ist ein Oberbegriff, unter dem die Schläge „Mitteldeutsche Füchse, Schwarze und Gelbbacken” (früher Ostdeutsche), „Tiger”, „Süddeutsche Schwarze”, „Strobel” und „Schafpudel” zusammengefasst werden. Die einzelnen Schläge der Altdeutschen kommen damit der Bezeichnung Rasse am nächsten
- Die Schläge der Altdeutschen Hütehunde haben keine FCI- oder VDH-Anerkennung als eigenständige Rassen.
- Dies wird von der AAH auch nicht angestrebt. Vielmehr will sie die Altdeutschen in ihrer Vielfalt zu erhalten, was sich sowohl auf das Aussehen als auch die Hüteeigenschaften bezieht.
- Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. wählte den Altdeutschen Hütehund zur bedrohten Haustierrasse des Jahres 2000.
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