„Wohnungsnot“ der Schwalben lindern - Brutzählung und kostenlose Nisthilfen - Schwalbenprojekt des NABU Obereichsfeld

Wann? 26.05.2012 10:00 Uhr bis 26.05.2012 11:00 Uhr

Wo? Fußgängerzone Wilhelmstraße, Wilhelmstraße, 37308 Heiligenstadt Heilbad DE
Sind für die Schwalbenzählung und Erfassung der Brutplätze modern ausgerüstet: Lea und Marie vom Heiligenstädter Lingemann-Gymnasium im Einsatz. (Foto: NABU Obereichsfeld)
 
NABU-Mitarbeiter Andreas Steinert mit zwei Nisthilfen für Mehl-Schwalben, die ihre Nester immer an der Außenseite von Gebäuden haben.
Heiligenstadt Heilbad: Fußgängerzone Wilhelmstraße | „Sehen sie eigentlich noch Oberleitungen, auf denen Schwalben sitzen?“, fragt Andreas Steinert. Nach kurzem Nachdenken muss ich die Frage verneinen. Genau genommen sieht man in den Eichsfelddörfern kaum noch Oberleitungen, da ja heute fast alles in die Erde verlegt wird. Und demzufolge auch keine Schwalben.

Bedeutet das aber, dass deren Bestand im Eichsfeld schwindet? „Konkrete Zahlen oder Erhebungen gibt es nicht, und so beschlossen wir vor etwa anderthalb Jahren, eine Zählung im Eichsfeld durch zu führen“, so Andreas Steinert weiter.

Mit „wir“ meint er den Naturschutzbund (NABU) Obereichsfeld e.V., der Initiator des von Thüringen und der EU geförderten Schwalbenschutzprojektes im Landkreis Eichsfeld ist.

Für die Bestandsaufnahme haben sich die Naturschützer Unterstützung durch fünf Eichsfelder Schulen geholt. NABU-Mitarbeiter Dr. Manuel Gebauer bereitet die Schüler auf ihre Aufgabe vor. Im Frühjahr 2011 erfolgte die erste Zählung, jetzt - von Juni bis etwa September - werden sie das wieder tun.

Die Erfassung erfolgt nicht flächendeckend sondern repräsentativ in ausgewählten Dörfern und städtischen Randgebieten im gesamten Landkreis. Da eine Zählung der Schwalben selbst unmöglich zu bewerkstelligen ist, wird die Anzahl der bebrüteten Nester der Vögel festgehalten.

In Gruppen von fünf bis zehn Schülern, ausgerüstet mit Ferngläsern, Laptop, Kartenmaterial und GPS-Geräten zur genauen Positionsbestimmung, ziehen die Mädchen und Jungen los, suchen an den zuvor ausgewählten Orten nach Schwalbennestern, befragen dabei auch Einwohner und dokumentieren ihre Ergebnisse. Die erfassten Daten finden weitere Verwendung, unter anderem durch die Untere Naturschutzbehörde.

Wie die Bestandsaufnahme auch immer ausfallen wird, schon jetzt wollen die Eichsfelder Naturschützer Schutzmaßnahmen für die Schwalben umsetzen. Ein wesentlicher Faktor sind dabei geeignete Nistplätze. Rauch- und Mehlschwalbe sind Gebäudebrüter und daher eng an den Menschen gebunden.

Die Rauchschwalbe bevorzugt die Decke von Ställen, vereinzelt aber auch von Garagen oder Gewerbehallen. Die Mehlschwalbe wiederum baut ihr Nest außen an Gebäuden, zumeist direkt unter den Dachfirst. Beiden Schwalbenarten fehlen inzwischen aber oft geeignete Nistplätze und/oder das Material zum Nestbau.

Mit der kostenlosen Verteilung von Kunstnestern oder so genannten Nisthilfen will der NABU die „Wohnungsnot“ der Vögel lindern. Mit der Aufhängung der Kunstnester kann ein Gebäudeeigentümer durchaus beeinflussen, an welcher Stelle des Gebäudes die Schwalben brüten.

Verschmutzungen durch Kot an solch sensiblen Stellen, wie dem Hauseingang, den Fenstern oder an der Garagendecke direkt über dem eigenen Auto lassen sich so vermeiden. Die Eichsfelder Naturschützer stellen außerdem Kotschutzbretter zur Verfügung.

Die Nisthilfen besitzen natürlich nicht nur für den Menschen viele Vorteile, sondern auch für die Schwalben, denn die Kunstnester sind sehr haltbar fallen bei Erschütterungen auch nicht gleich von der Wand ab.

Hintergrund

- Im Bärenpark in Worbis, in der Familienferienstätte in Uder, auf dem Johannitergut in Beinrode und im Schaugarten in Schönhagen hat der Naturschutzbund dieser Tage Schwalben-Informationstafeln aufgestellt.

- Am Samstag, dem 26.Mai, bietet der NABU Obereichsfeld von 10.00 bis 11.00 Uhr in der Fußgängerzone der Wilhelmstraße in Heiligenstadt an einem Stand Beratung und kostenlose Schwalben-Nisthilfen an.

- Interessierte erhalten die Nisthilfen und Kotschutzbretter aber auch auf Anfrage beim NABU Obereichsfeld.

- Ansprechpartner für die Schwalbenschutzmaßnahmen ist im Altkreis Heiligenstadt Andreas Steinert, Telefon (036083) 500 22, E-Mail: steinert_andreas@yahoo.de

- Im Altkreis Worbis kann man sich an Dr. Manuel Gebauer wenden, Telefon (036072) 88 982, Handy (0151) 58 822 65, E-Mail: manuel.gebauer@myops.de

- Bei der Anbringung von Kunstnestern bittet NABU um Mitteilung, wo die Kunstnester aufgehängt wurden - am besten mit Foto - und eine Information, ob die Nisthilfen von den Schwalben zur Brut genutzt wurden.

- Die Naturschützer sind gerne bei der Auswahl des Standortes an Haus oder Nebengebäuden sowie der Dokumentation behilflich.

- Wünschenswert sind auch weitergehende Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel die Anlage von Lehmpützen. Wer hierfür mögliche Standorte kennt oder bereitstellen möchte, meldet sich bei den oben genannten beiden Ansprechpartnern.
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