In der Schwäche Mut und Stärke gezeigt - Über Papst-Rücktritt und persönliche Eindrücke - Im Gespräch mit Pfarrer Günter Christoph Haase

Pfarrer Günter Christoph Haase: "Im Namen vieler sage ich an dieser Stelle Danke, dafür, dass er zu seiner Wahl zum Papst ja gesagt hat, für das, was er als Papst geleistet hat, und für seinen Besuch, hier bei uns im Eichsfeld!"
 
Eindrücke zum Papstbesuch im Eichsfeld aus der Sicht und durch das Objektiv der Kamera von Pfarrer Günter Christoph Haase. (Foto: privat Günter Christoph Haase)
Papst Benedikt XVI. wird zwei Monate vor seinem 86. Geburtstag zurücktreten, er gibt sein Pontifikat am 28. Februar aus Altersgründen ab. Ein Ereignis, das die ganze Welt erschüttert und auch im Katholischen Eichsfeld sehr viele Menschen bewegt. Als das Kirchenoberhaupt am 23. September 2011 Thüringen besuchte und dabei auch eine Marienvesper in Etzelsbach im Eichsfeld abhielt, saß Pfarrer Günter Christoph Haase - er betreut die Katholischen Pfarrgemeinden Geisleden, Heuthen und Flinsberg - in einer der ersten Stuhlreihen vor der großen Altarbühne. Der Allgemeine Anzeiger befragte ihn zu seinen Gedanken über den Papst-Rücktritt.

Wie bewerten sie den Rücktritt des Papstes?

Vom Menschlichen her, denke ich, können wir alle diese Entscheidung nachvollziehen. Er sieht nun seine Grenzen erreicht und sagt: Ich kann‘s nicht mehr! Er hat in seiner Schwäche Mut und Stärke gezeigt. Aber es ist schon schade, denn er ist einer der größten Theologen unserer Zeit, und gerade wir Deutschen können dankbar sein, dass nach 500-jähriger Pause und nur 60 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wieder ein Deutscher auf den Stuhl Petri kam.

Was haben Sie empfunden, als 2005 mit Kardinal Joseph Ratzinger ein Deutscher zum Papst gewählt wurde?

Dass dies etwas ganz Besonders ist. Weltweit gesehen haben immer noch viele mit uns Deutschen Probleme, weil die Wunden, die durch den Zweiten Weltkrieg geschlagen wurden, immer noch nicht verheilt sind. Es ist so gesehen auch schade, dass selbst bei uns Deutschen lange nicht anerkannt wurde, dass ein Deutscher zum Papst gewählt wurde.

Dafür um so mehr durch sie...

Ich bin ja nun ein großer Papstverehrer und habe dafür gesorgt, dass in Heuthen die vermutlich ersten Deutschen Papstfenster geschaffen wurden. Die Papstglocke in Geisleden habe ich mit dem Erlös aus den Geldgeschenken zu meinem 50. Geburtstag bezahlt. Die Glocke selbst konnte leider nicht vom Papst geweiht werden, weil sie während seines Besuches noch in der Erde ruhte. Dafür aber der Klöppel der Glocke. Benedikt XVI. hat ihn bei seinem Besuch in Etzelsbach gesegnet, als er einen kurzen Halt mit seinem Papamobil einlegte.

Gibt es vielleicht bald ein neues Papstfenster oder eine neue Papstglocke?

Das wird sich ergeben. In Heuthen haben wir drei Papstfenster und keinen Platz mehr für ein weiteres. Wenn jedoch in Flinsberg das Geläut erneuert wird, dann kann man ja mal schauen.

Gab es persönliche Begegnungen zwischen Joseph Ratzinger und ihnen?

Ich hatte 1999 die Gelegenheit, Kardinal Ratzinger als Chef der Glaubenskongretation persönlich zu begegnen. Ich durfte mit ihm und seinem Sekretär gemeinsam Mittag essen und hatte dabei Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Durch dieses Erlebnis ermutigt, bat ich um eine weitere Begegnung, der entsprochen wurde und reiste 2000 mit einer Pilgergruppe nach Rom, wo uns der Kardinal empfing und mit uns sprach.

Was hatten sie für einen persönlichen Eindruck von Joseph Ratzinger?

Dass er sehr charmant und sehr zurückhaltend, ja fast schon scheu, ist. Und auch sehr bescheiden. Als die Haushälterin damals erfuhr, dass der Kardinal mit uns zu Mittag essen würde, fiel sie aus allen Wolken und meinte, dass sie nur Suppe hätte. Der Kardinal beruhigte sie aber und sagte: „Das reicht.“ Also haben wir Schnippelbohnensuppe gegessen. Ich erlebte ihn zudem sehr interessiert. Er zeigte sich sehr offen für das, was ich ihm von der Situation vor Ort erzählte.

Was wünschen Sie Joseph Ratzinger für die Zukunft?

Ich wünsche ihm, dass er mit der durch ihn getroffenen Entscheidung gut leben kann. Ich denke, auf der einen Seite wird ihm ein Stein vom Herzen gefallen sein. Aber sein Rücktritt hat andererseits ja auch sehr weitreiche Folgen.

Was glauben Sie, wer wird der nächste Papst?

Die Spekulationen darüber sind natürlich sofort angelaufen. Ich denke aber, das ist noch ganz offen. Ob der nächste Papst nun wirklich - zum Beispiel aus Ghana - kommt (Pfarrer Haase wiegt den Kopf). Ich vermute mal, dass es ein italienischer Papst sein wird. Wichtig ist aber nicht so sehr, woher der nächste Papst kommt, sondern wofür er steht, und ob er den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist.
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1 Kommentar
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Günter Christoph Haase aus Heiligenstadt | 20.02.2013 | 20:03  
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