Wohnprobleme durch Altersarmut - Mietwohnungen im Landkreis Eichsfeld: Zu hohe Heizkosten – zu wenig seniorengerecht

e dünner das Portemonnaie, desto schwieriger: die Wohnungssuche. Gerade für Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner wird es mehr und mehr zum Problem, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Experten fordern deshalb mehr Sozialwohnungen für den heimischen Wohnungsmarkt. (Foto: Christine Zeides)
Für Eichsfelder mit schmalem Geldbeutel wird das Wohnen im Landkreis mehr und mehr zu einem Problem. „Besonders betroffen sind Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Das Institut hat in einer aktuellen Studie die sozialen Kriterien des Mietwohnungsmarktes in der Region untersucht. Dabei kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass rund 6.620 Haushalte im Eichsfeld-Kreis Anspruch auf eine Sozialwohnung haben.

Zu diesen Haushalten mit niedrigem Einkommen gehören Hartz-IV-Empfänger und Wohngeldbezieher, aber auch Erwerbsunfähige und ältere Menschen, die von der staatlichen Grundsicherung leben. Landesweit haben nach Angaben des Pestel-Instituts gerade einmal 59 Prozent dieser Haushalte überhaupt die Chance, eine Sozialmietwohnung zu bekommen.

Der Grund: Seit Jahren schrumpft der soziale Wohnungsbau – ein bundesweiter Trend. „Das Problem der Haushalte mit geringem Budget im Kreis Eichsfeld ist in erster Linie allerdings nicht die Kaltmiete. Was wesentlich stärker aufs Portemonnaie drückt, sind die Nebenkosten – als ‚zweite Miete’. Hier insbesondere die steigenden Heizkosten“, so Günther. Längst nicht alle Mietwohnungen seien energetisch saniert. Es habe sich hier zwar viel getan, doch trotzdem gebe es immer noch Miethäuser mit Energielöchern – Wohnungen als Wärmeschleudern. Fehlende Isolierungen und veraltete Heizungsanlagen machen das Wohnen immer teurer.

Darüber hinaus ist nur ein Bruchteil der Mietwohnungen im Kreis Eichsfeld altersgerecht saniert. Ob nun enge Türen, durch die weder Rollator noch Rollstuhl passen, fehlende Aufzüge oder Schwellen auf Fluren und Zugängen – viele ältere Menschen müssen früher oder später ihre Wohnungen verlassen, weil sie nicht seniorengerecht umgebaut wurden.

„Betroffen sind insbesondere die Menschen, die vor der Rente stehen, aber heute bereits von Hartz IV leben müssen. Ihnen droht Altersarmut“, so Matthias Günther. Im Landkreis Eichsfeld beziehen nach Angaben des Pestel-Instituts derzeit rund 870 Menschen Hartz IV, die in den kommenden zehn Jahren das Rentenalter erreichen werden. Der aktuelle Trend setzt sich damit fort: Es wird auch künftig immer mehr Menschen mit Altersarmut geben.

Gerade für sie müssten dringend energetisch und altersgerecht sanierte Wohnungen geschaffen werden. Dies wiederum werde ohne eine effektive staatliche Förderung allerdings nicht gelingen, macht die Wohnungsbau-Initiative deutlich, die das Pestel-Institut mit der Studie beauftragt hatte.

Der Initiative gehören neben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) auch der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) an.

Forderungen der Initiative:

- Die Wohnungsbau-Initiative fordert für das energieeffiziente Bauen und Sanieren bessere steuerliche Anreize und mehr KfW-Fördermittel. Bereits für das kommende Jahr müsse der Bund hierfür mindestens 3 Milliarden Euro bereitstellen.
- Mittelfristig seien sogar 5 Milliarden Euro als feste Position im Bundeshalt notwendig. - Zudem müsse das KfW-Programm für das altersgerechte Bauen und Sanieren wieder reaktiviert werden – mit jährlich mindestens 100 Millionen Euro für die kommenden Jahre.
- Hier dürfe der Bund nicht nur zinsgünstige Kredite fördern. Auch ein direkter Zuschuss sei für das altersgerechte Umbauen notwendig. Denn kaum ein 65- oder 70-jähriger Wohnungseigentümer ist bereit, sich in dem Alter noch an einen Kredit mit längerer Laufzeit zu binden. Viele würden diesen nicht einmal bekommen, so die Wohnungsbau-Initiative.
- An die heimischen Bundestagsabgeordneten appelliert die Initiative, sich in Berlin bei den laufenden Haushaltsberatungen für das kommende Jahr für eine deutliche Aufstockung der Gelder für das energetische und altersgerechte Bauen und Sanieren stark zu machen.
- In einem Schreiben an die Parlamentarier aller Fraktionen macht die Wohnungsbau-Initiative deutlich, dass es „eine der drängendsten sozialen Herausforderungen“ sei, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
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