Zusammenarbeit und neue Ideen - Marko Godau, Sprecher der Initiative „Pro Wipperwelle“, im Interview zum drohenden Hallenbad-Aus

Die Initiative gibt sich auf gar keinen Fall mit einer Schließung zufrieden und wird alle Geschütze auffahren, die sie kriegen kann, so Marko Godau, Sprecher der Initiative "Pro Wipperwelle".
 
Das Thema Wipperwelle ist erst einmal von der Tagesordnung der Stadtratssitzung am 19. März genommen worden, bis genauere Zahlen vorliegen. Gerettet ist das Hallenbad deshalb aber noch lange nicht.
 
Frühschwimmen, Frauenschwimmen, Seniorenschwimmen, Kleinkindschwimmen, Schulschwimmen und vieles mehr - die Schließung der Wipperwelle würde vielen Hallenbad-Nutzen Probleme oder zumindest Erschwernisse bescheren.
Worbis: Hallenbad Wipperwelle | Von Peter Schindler

WORBIS. In einem Leserbrief, der uns vor einiger Zeit unter der Überschrift „Worbis schrumpft!“ erreichte, heißt es: „Der Stadtrat der Einheitsstadt lässt sich immer wieder etwas einfallen um Kosten zu sparen auf Kosten von Worbis... Jetzt geht um das Hallenbad, die Wipperwelle, in Worbis. Es ist unverständlich, dass man den Bürgern von Worbis diese Einrichtung nehmen will, obwohl es die Zusicherung gab, wenn das Freibad aus Kostengründen geschlossen werden muss, dann steht das Hallenbad zur Verfügung. Aber das ist längst Geschichte...“

Inzwischen hat sich eine Initiative für Worbis gegründet, die als Initiativgruppe „Pro Wipperwelle“ für den Erhalt des Hallenbades kämpft. Der Allgemeine Anzeiger sprach mit dem Sprecher der Initiative, Marko Godau.

Allgemeiner Anzeiger: Herr Godau, die Zukunft ihres Ortsteiles ist den Worbisern offensichtlich keineswegs gleichgültig...

Marko Godau: Das kann man wohl sagen. Als wir die Bürger Mitte Februar im Zuge der Gründung der Initiative ins katholische Pfarrhaus einluden, war der Saal komplett belegt. Ich habe nicht durchgezählt, doch es waren mehr als einhundert Leute anwesend.

Allgemeiner Anzeiger: Derzeit wird ja vor allem über die Planungen zum Hallenbad heiß diskutiert.

Marko Godau: Natürlich. Vor allem für die älteren Bürger aus Worbis ist das geplante Aus der „Wipperwelle“ ein sehr emotionales Thema.

Allgemeiner Anzeiger: Warum?

Marko Godau: Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt halfen 1957-1963 mit eigenen Händen beim Bau des Hallenbades mit. Im Rahmen vom NRW (Nationales Aufbauwerk) wurden Postkarten verkauft, um immer wieder Geld für den Weiterbau aufzutreiben.

Allgemeiner Anzeiger: Doch nun ist das Bad in die Jahre gekommen.

Marko Godau: Die Wipperwelle wurde 1999 unter Aufgabe des Freibades, saniert. Das Problem ist, dass das Geld in das Bad als solches gesteckt wurde, die Technik aber außen vor blieb. Seit 2007, mit Übernahme durch die Stadteigene Sport & Freizeit GmbH ist der Stadt der Zustand der Technik bekannt.

Allgemeiner Anzeiger: Wieviel würde der Einbau einer neuen Badtechnik denn kosten?

Marko Godau: Die Stadt veranschlagt inzwischen 1.000.000 Euro für die Erneuerung der Technik im Keller. Die Initiative zweifelt diese Zahlen an. Wir vermuten, dass sie bewusst hoch gehalten werden, um einen Grund für die Badschließung zu haben. Wir wollen eine Offenlegung der tatsächlichen Zahlen und behalten uns die Option auf ein eigenes Gutachten dazu vor.

Allgemeiner Anzeiger: Wie stehen sie zu den Plänen der Stadt, die Wipperwelle nach ihrer Schließung in eine Mehrzweckhalle um zu bauen.

Marko Godau: Für den Umbau der Wipperwelle in eine Mehrzweckhalle sind Kosten von rund 4 Millionen Euro im Gespräch. Das wäre weit mehr als die Erneuerung der Badtechnik kosten würde. Wir sprechen uns für den Erhalt der Wipperwelle und der Schaffung einer Mehrzweckhalle aus. Aber nicht als überstürzte Maßnahme der Stadt, weil sich der Umbau des Klosters zur neuen Grundschule in die Ferne geschoben hat.

Allgemeiner Anzeiger: Wie sieht es mit der Auslastung der Wipperwelle aus?

Marko Godau: Das Bad wird gut in Anspruch genommen. Die Sauna wird sogar überdurchschnittlich gut besucht, hier hat sich eine große Nutzergemeinde gefunden. Im Bereich des Schulschwimmens ist die Wipperwelle sehr gut genutzt, auch von Orten außerhalb der Einheitsstadt. Hier sehen wir gerade auch den Landkreis in der Pflicht, tiefer in die Tasche zu greifen, denn laut Aussage der Stadt Leinefelde-Worbis reichen die Kreis-Zuschüsse an die Stadt fürs Schulschwimmen in Höhe von zirka 60.000 Euro nicht aus. Hier müsste dringend aufgestockt werden. 60 Schulkinder allein aus Worbis, zirka 20 aus Kirchworbis, 28 aus Großbodungen sowie Schulklassen aus acht weiteren Orten nutzen übrigens die Wipperwelle regelmäßig.

Allgemeiner Anzeiger: Sie müssten im Schließungsfall alle nach Leinefelde fahren.

Marko Godau: Leinefelde wäre unserer Meinung nach gar nicht in der Lage, im jetzigen Zustand alle Schulschwimmer aufzunehmen. Und hier zähle ich auch die dazu, die von außerhalb der Einheitsstadt schwimmen möchten.

Allgemeiner Anzeiger: Weshalb?

Marko Godau: Leinefelde hat ein großes Wettkampfbecken und ein kleines Becken mit einer Spaßrutsche. Das Wettkampfbecken ist kalt und durchgängig tief. In Worbis gehen die Kinder Klassenweise allein schwimmen, in Leinefelde würde das so nicht gehen. Wir sehen auch Probleme für unsere älteren und behinderten Mitbürger im Leinebad.

Allgemeiner Anzeiger: Wie sehen die weiteren Pläne der Initiativgruppe aus?

Marko Godau: Der Worbiser Ortsrat hat sich am Montag (5. März, d. Red.) im Rahmen einer fünfstündigen Sitzung die Wipperwelle angesehen.

Allgemeiner Anzeiger: Mit dem Ergebnis?

Marko Godau: Nach Aussage von Ortsbürgermeister Franz Jaworski und Ortsrat Olaf Eberhardt wurde einstimmig beschlossen, das Thema Wipperwelle möglichst von der Tagesordnung der Stadtratssitzung am Montag, dem 19. März, zu nehmen, bis genauere Zahlen vorliegen. Dieser Empfehlung hat der Hauptausschuss in seiner Sitzung am vergangenen Freitag zugestimmt.

Allgemeiner Anzeiger: Die Initiative hatte ja auch eine Unterschriftensammlung durchgeführt...

Marko Godau: Ganz genau. Die Liste mit über 1.340 Unterschriften für den Erhalt des Hallenbades konnte ich am Freitag Bürgermeister Gerd Reinhardt überreichen. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, im Hauptausschuss zu sprechen und erläuterte den Anwesenden, unsere Beweggründe.

Allgemeiner Anzeiger: Wie geht es nun weiter?

Marko Godau: Wir haben der Stadt eine Zusammenarbeit angeboten. Nun liegt der Ball bei der Stadt sowie dem Worbiser Ortsrat, sich auch mit uns zusammen zu setzen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Wir als Initiative haben auch schon Ideen, wie man die Sanierung der technischen Anlage des Bades und den eigentlichen Badbetrieb günstig gestalten kann und werden diese einbringen.

Allgemeiner Anzeiger: Das hört sich positiv an.

Marko Godau: Ja. Zumindest vorerst. Wir als Initiative rufen die Worbiser Bürger auf, die „Wipperwelle“ noch intensiver zu nutzen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb des Hallenbades müssen natürlich vorzeigbare Eintrittszahlen erreicht werden. Es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger erkennen, dass die Einrichtung ohne den Zuspruch der Worbiser trotz aller Bemühungen sonst nicht gehalten werden kann.

Hintergrund

- In einer Bekanntmachung vom8. Juni 1849 weist der Chirurg und Geburtshelfer F. H. Dröder darauf hin, dass er bei der Bockmühle eine Sturz-, Brause- und Spritzbad hat einrichten lassen, das am 10. Juni 1849 eröffnen wird.

- Der Abonnementpreise zur Nutzung des Bades für eine Person betrug zur Eröffnung 1 Reichstaler und 20 Groschen für das ganze Jahr, 20 Groschen für eine Monatskarte, 15 Groschen für ein Dutzend Tickets sowie 2 Groschen und 6 Pfennig für eine einmalige Badbenutzung.

- Die Badbenutzung war 1849 nur mit Abonnementticket oder Erwerb eines Billets möglich.

- 1848 - Einrichtung einer Kaltwasseranstalt an der Wipper

- 25. April 1905 - Gründung eines Volksbadevereins

- 1925 Bau eines Freibades in Worbis, Nähe Büschlebsmühle

- Schließung Freibad 1993

- Ehemaliges Freibad wird zwischen 2003 und 2007 zugefüllt

- Das Worbiser Hallenbad wurde in den 50er/60er Jahren abschnittsweise errichtet

- 16. April 1963 - Übergabe und Einweihung des neu erbauten Hallenbades als Ernst-Thälmann-Lehrschwimmhalle

- Baukosten für das Bauwerk: 1,5 Mio. Mark

- Davon wurden 0,6 Mio. Mark an Eigenleistung erbracht

- 1992/1993 - erster Umbau nach der Wende, 1,5 Mio. DM werden investiert

- 7. November 1998: Sanierungs- und Umbaumaßnahmen (1. Abschnitt) in Höhe von rund 1,7 Mio. DM

- 21. Juni - 10. September 1999: Sanierungs- und Umbaumaßnahmen (2. Bauabschnitt) in Höhe von 1,7 Mio. DM

- 12. September 1999: Wiedereröffnung des Hallenbades nach Sanierung und Umbau
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