Aktuelle Steueränderungen ab 2013 - Was Arbeitnehmer, Rentner und junge Leute wissen sollten

Elektronische Lohnsteuerkarte


Die Arbeitgeber können im Laufe des Jahres 2013 selbst bestimmen, wann sie von dem bisherigen papiergebundenen Verfahren mit Lohnsteuerkarte 2010 auf das neue elektronische ELStAM-Verfahren wechseln. Der Umstellungszeitpunkt muss dem Arbeitnehmer rechtzeitig bekannt gegeben werden. Solange das alte Papierverfahren noch fortgeführt wird, gelten auch in 2013 immer noch die Eintragungen auf der Lohnsteuerkarte 2010 – einschließlich der Lohnsteuerfreibeträge. Erst mit der arbeitgeberseitigen Umstellung auf die „Elektronischen Steuerabzugsmerkmale“ (ELStAM) verlieren die Eintragungen auf der Lohnsteuerkarte 2010 ihre Gültigkeit. Mit Ausnahme der Behindertenpauschbeträge fallen alle Steuerfreibeträge weg. Gegebenenfalls müssen Freibeträge beim Finanzamt neu beantragt werden. Bei über 40 Mio. Arbeitnehmern ist zu erwarten, dass nach der Umstellung etwa 10 bis 15 % der bereit gestellten elektronischen Lohnsteuerabzugsdaten fehlerhaft sind. Daher sollten die Arbeitnehmer ihre erste ELStAM-Abrechnung genau prüfen. Bei Fehlern handelt es sich in den meisten Fällen um unzutreffende Meldedaten oder um unrichtige Steuerklassen(-kombinationen). In diesen Fällen ist es nötig, dass der Arbeitnehmer sein Finanzamt aufsucht.

Änderungen bei Minijobs


Seit 01. Januar 2013 dürfen geringfügig Beschäftigte nun insgesamt 450 Euro und damit 50 Euro mehr als bisher steuerfrei verdienen. Bei vor 2013 begründeten Minijobs bleibt alles beim Alten, wenn der monatliche Aushilfslohn auch in 2013 den bisherigen Höchstbetrag von 400 Euro nicht übersteigt. Falls der Aushilfslohn jedoch auf einen Betrag zwischen 400,01 Euro bis 450,00 Euro angehoben wird, wird der Minijobber ab 2013 nun grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Da der Arbeitgeber ja schon eine Pauschalabgabe zur Rentenversicherung von 15% für Beschäftigte im gewerblichen Bereich beziehungsweise 5 % bei der Beschäftigung in Privathaushalten abführt, hat der Minijobber nur noch die Differenz zum vollen Rentenversicherungsbeitrag 2013 von 18,9 % zu tragen. Er muss von seinem Aushilfslohn also 3,9 % beziehungsweise 3,9 % in die Rentenkasse einzahlen. Dieser anteilige Beitrag wird vom Aushilfslohn einbehalten. Eine entsprechende Rentenversicherungspflicht trifft auch alle ab 2013 neu aufgenommenen Minijobs. In diesen Neufällen ab 2013 besteht eine grundsätzliche Versicherungspflicht sogar auch bei Aushilfslöhnen unter 400 Euro. Allerdings können sich Minijobber – sowohl in den Alt- als auch in den Neufällen – von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Dazu genügt eine schriftliche Mitteilung an den Arbeitgeber.

Veranlagung von Ehegatten


Seit 01. Januar 2013 sind die möglichen Veranlagungsformen bei Ehegatten neu geordnet. Die besondere Veranlagung im Jahr der Heirat fällt gänzlich weg. Die bisherige getrennte Veranlagung wird durch eine Einzelveranlagung ersetzt. Bei Wahl der Einzelveranlagungen werden Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und haushaltsnahe Dienstleistungen konkret dem Ehegatten zugerechnet, der die Aufwendungen wirtschaftlich getragen hat.

Grundfreibetrag


Der Grundfreibetrag, für den keine Einkommensteuer anfällt, wurde bei Alleinstehenden zum 01.01.2013 von bisher 8.004 Euro auf 8.130 Euro angehoben. Für gemeinsam veranlagte Ehegatten gilt nun der verdoppelte Grundfreibetrag von 16.260 Euro.

Rentner


Für Personen, die ab 2013 die gesetzliche Rente erhalten, beträgt der steuerfreie Anteil 34%. Damit steigt der steuerpflichtige Teil auf 66% der Jahresrente.

Pensionäre


Für Steuerpflichtige, die ab 2013 erstmals Versorgungsbezüge oder Betriebsrente aufgrund einer Direktzusage oder Unterstützungskasse erhalten, sinkt der Versorgungsfreibetrag auf 27,2%, maximal 2.040 Euro. Auch der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag sinkt von bisher 648 Euro auf jetzt 612 Euro. Damit bleibt nur ein geringer Teil der Bezüge steuerfrei.

Freiwilliger Wehrdienst: Neue Steuerpflicht für den Großteil der Bezüge


Für freiwillig Wehrdienst Leistende, die ab 2013 ihren Dienst antreten, gibt es eine deutliche Verschlechterung. Steuerfrei bleibt nunmehr nur noch der Wehrsold (280 bis 350 Euro pro Monat). Alle weiteren Bezüge, wie Wehrdienstzuschlag (500 bis 800 Euro pro Monat), Weihnachtsgeld, Entlassungsgeld sowie unentgeltliche Unterkunft und Verpflegung sind hingegen steuerpflichtig.

Abziehbarkeit von Kosten der Erstausbildung


Mit zwei Urteilen vom 17. August 2011 hatte der Bundesfinanzhof entschieden, dass auch Kosten für die berufliche Erstausbildung außerhalb eines Ausbildungsdienstverhältnisses steuerlich als Werbungskosten abzugsfähig sein können. Voraussetzung ist aber, dass ein hinreichend konkreter Veranlassungszusammenhang mit späteren Einnahmen besteht. Erfreulich sind diese Urteile vor allem für Studenten, die Ihre Ausbildungskosten bisher nicht in zukünftige Jahre vortragen konnten. Das Bundesfinanzministerium will diese für die Auszubildenden günstige Regelung jedoch nicht über die entschiedenen Fälle hinaus anwenden. Vielmehr hat der Gesetzgeber die steuerliche Abzugsfähigkeit der Erstausbildungskosten rückwirkend ab 2004 abgelehnt. Dies ist aus Sicht der VLH rechtlich fragwürdig. Die VLH empfiehlt allen Betroffenen, die Studien- und Ausbildungskosten als vorweg genommene Werbungskosten geltend zu machen. Im Zuge einer zweiten Ausbildung (z.B. Fachhochschulstudium nach abgeschlossener Lehre oder Masterstudium nach einem Bachelor-Abschluss) werden die entsprechenden Aufwendungen auch von der Finanzverwaltung anerkannt.

Senkung der Rentenversicherungsbeiträge - Anstieg der Pflegeversicherungsbeiträge


Mit dem 01. Januar 2013 sank der Rentenversicherungssatz von bisher 19,6 % auf 18,9 %. Damit tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils nur noch 9,45 % der Beiträge. Gleichzeitig steigt jedoch der Pflegeversicherungssatz von 1,95 % auf 2,05 %. Arbeitgeber und Arbeitnehmern zahlen somit jeweils 1,025 %. Für kinderlose, über 23-jährige Arbeitnehmer steigt der Beitragsanteil auf 1,275 %.

Höhere Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung


Die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigt 2013 um 1.350 Euro auf 47.250 Euro. Die Grenzen für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung steigen auf 58.800 Euro für Beschäftigte in den neuen Bundesländern beziehungsweise auf 69.600 Euro in den alten Bundesländern. Bis zu diesen Jahresbruttolöhnen werden Sozialabgaben berechnet.
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