Der irre Duft von Gras: Warum Gärtnern das Glückspotenzial stärkt

Rasenmähen beruhigt. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Der Geruch von frisch geschnittenem Gras wirkt Stress entgegen. Foto: rudolf ortner / pixelio.de (Foto: Foto: rudolf ortner / pixelio.de)
 
Medizinerin Heike Gerlach aus Buhla im Eichsfeld leitet die Präventionsakademie Thüringen für Gesundheitsförderung, Entspannung und Stressbewältigung.
Buhla: Traumzaubergarten |

Rasenmähen beruhigt und das Wühlen in der Erde entspannt. Fachärztin Heike Gerlach aus dem Eichsfeld erklärt, warum es immer mehr Leute in die Beete zieht.

Es ist noch nicht lange her, da galt Gärtnern als spießig. Jetzt ist die Arbeit im Beet salonfähig. Wie kommt‘s?
Mehrere Genera­tionen haben gespürt, wie es sie anstrengt, wider die Natur zu leben. Das Bewusstsein hat sich geändert. Man sucht einen Ausgleich. Wir alle sehnen uns in dieser schnellen Zeit nach etwas, das bleibt. Der Rhythmus der Natur ist so etwas, darauf kann man sich verlassen.

Warum tut es so gut, mit den Händen in der Erde zu buddeln?
Weil wir dabei an nichts denken, über nichts grübeln müssen. Unser Gehirn ist einfach gestrickt. Es konzen­triert sich auf das ­Wesentliche. In dem Moment, in dem wir mit den Händen graben, säen oder jäten, haben trübe Gedanken keine Chance. Riechen Sie mal an einer Rose und denken dabei etwas Böses. Das geht nicht.

Als Ärztin sprechen Sie sogar von der Gartentherapie. Was kann sie bewirken?
Es geht um die Stärkung des Glücks­potenzials – der Fähigkeit, Glück zu empfinden. Das gilt für kranke und gesunde Menschen gleichermaßen. Die einfachsten Dinge, die man sich für die Lebenslust holen kann, sind die, die die Natur uns schenkt. Der Garten bietet Erlebnisse für alle fünf Sinne. Dieses Komplexe ist das Geniale. Aus diesen Glücksmomenten schöpfen wir Zuversicht, Kraft und Hoffnung.

Sind es nicht vor allem die Düfte, die betören?
Ja, Aromen spielen eine große Rolle im Glückspotenzial. Und wenn wir durch den Garten gehen, sind die Düfte ein Knaller. Sie sind der heiße Draht zum Gehirn. 1:1 treffen sie auf unsere Festplatte im Kopf, schließen sie auf und schaffen den Zugang zu unseren tiefsten Erinnerungen. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Männer das Rasenmähen lieben, stundenlang? Auch das liegt am Duft.

Inwiefern?
Es gibt tatsächlich ein „Eau de Grass“. Ein Biomediziner der Universität Queensland hat herausgefunden: Der Geruch von frisch geschnittenem Gras und auch Heu wirkt Stress entgegen und verhindert eine „Gehirnschrumpfung durch Überlastung“. Es sind die Duftmole­küle, die chemisch etwas mit uns machen. Sie wirken potenziell antidepressiv wie ein Medikament. Dabei hat Gartenarbeit – außer vielleicht einem Muskelkater – keine Nebenwirkungen.

Wie steht es um die anderen vier Sinne?
Jeder einzelne wird im Garten angeregt. Wir fühlen, hören, sehen, schmecken. Wer nicht mehr weiß, wie sich das Leben anfühlt, sollte barfuß durchs Gras gehen oder durch den Morgentau. Füße übertragen so vieles: Schwingungen, Kälte, Wärme, Vibrationen. Auch die Geräusche im Garten bringen uns zur Ruhe. Wasser plätschert, Vögel zwitschern, Wind bläst sanft. Diese naturnahen Dinge verursachen - im Gegensatz zu Geräuschen von Maschinen, Autos und Menschengewirr - keinen Stress. Unsere Augen sehen sich satt an Blüten und am Grün, das ja als Farbe des Herzens gilt. Und alles, was wir selbst ernten, schmeckt authentisch. Es ist unglaublich, wie viel wir aus der Natur verwerten können.

Vorausgesetzt, wir hegen und pflegen die Pflanzen ein wenig...
Sicher, dieses Genießen ist nicht nur passiv. Das Tolle ist das Tun. Was man selber schöpft, nährt die Seele. Das gilt auch im Garten. Ich vergrabe eine Knolle, weiß nicht genau, was daraus wird. Wenn die Planze dann aus der Erde kriecht, das ist fantastisch.

Was kann uns der Garten lehren?
Vor allem Gelassenheit. Hier gibt es keinen Termindruck, keine Zwänge. Sie können im Dreieck springen, Sie können am Gras ziehen, es wächst nicht schneller. Echte Grünfinger zeichnet Geduld aus – und ein verblüffendes Vertrauen in die Abläufe der Natur.

Zu denen leider auch das Welken gehört.
Ein gelbes Blatt ist wie ein graues Haar. Es ist Teil eines natürlichen Kreislaufs und es ist sinnlos, sich gegen diesen zu stemmen.

Termine und Kontakt:

- Entspannungstage im Traumzaubergarten im Eichsfeld (zur Erholung, zum Genießen und zur Stärkung des Glückspotentials des Menschen), geleitet von Heike Gerlach am 13.6., 11.7., 8.8. und 12.9.2015, Anmeldung erforderlich
- Diplom-Medizinerin Heike Gerlach, Buhla (Eichsfeld), Am Klingelteiche 6,
Telefon 03 63 38 /  48141, E-Mail: info@pa-thueringen.de
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