Eindrucksvoll und einzigartig - Die größte deutsche Palmsonntagsprozession setzt sich am 24. März wieder in Bewegung

Mitglieder des Ordens der Ritter zum heiligen Grab. (Foto: Harald Stitz)
 
Bild 1 des Leidensweges: "Jesus beim Abendmahl" (Foto: Harald Stitz)
Der Palmsonntag 2012 war ein eher kühler Tag. Die Sonne lugte nur hin und wieder einmal zwischen den Wolken durch - wirklich wärmen konnte sie nicht.

Der Leidensprozession in der Eichsfeldkreisstadt tat dies allerdings keinen Abbruch. Genau gezählt hat sie zwar keiner, doch es müssen wieder so etwa 8.000 Gläubige aus ganz Deutschland und vermutlich sogar darüber hinaus, gewesen sein, die in die Kurstadt kamen, um an der Prozession teilzunehmen.

In etwa genauso viele Zuschauer säumten dann noch einmal die Straßenränder, um den ungewöhnlichen Glaubenszug durch die Innenstadt zu bestaunen.

Die Leidensprozession ist die größte ihrer Art im gesamten deutschsprachigen Raum. Das allein macht sie schon zu etwas Besonderem, aber es gibt da noch einige Dinge mehr.

Wie etwa das beinahe inbrünstige Glaubensbekenntnis, das die Prozessionsteilnehmer an den Tag legen. Nachdem sie bereits am Vormittag in den Gottesdiensten des Einzuges Jesu in Jerusalem gedenken und im Wortgottesdienst die Leidensgeschichte (Passion) Jesu Christi hören, gehen sie den traditionellen Prozessionsweg durch die Heiligenstädter Innentstadt mit.

Dabei wird gesungen. Wenn dies so viele Menschen gemeinsam tun, ist das nicht nur beeindruckend, sondern wirft auch schon mal kleine Komplikationen auf. Der Prozessionszug mit seinen zwei begleitenden Blaskapellen ist sehr lang gezogen, sodass die Synchronisation des Gesangs sehr schwierig ausfällt. Verschiebungen bis zu einer ganzen Strophe können da durchaus auftreten. Sie tun der Atmosphäre aber keinen Abbruch, da sie ja den Zugteilnehmern vermutlich gar nicht und den Zuschauern kaum auffallen.

Eine weitere Besonderheit bilden die überlebensgroßen Figuren, die Jesus in den einzelnen Stationen seines Leidensweges zeigen. Mit Ausnahme der „Schmerzhaften Mutter“ stammen sie noch ganz aus den mittelalterlichen Anfängen und werden bis heute auf Gestellen beziehungsweise durch Sicherung mit Stangen (Jesus am Kreuz) durch kräftige Männer getragen.

Eine öffentliche Selbst-Geißelung einzelner Teilnehmer, wie im Mittelalter durchaus üblich, gibt es heute verständlicherweise nicht mehr.

Die Ursprünge der Leidensprozession als Ausdruck einer besonderen Passionsfrömmigkeit gehen wohl auf die Jesuiten zurück. Die älteste bekannte Erwähnung eines Umzuges stammt aus dem Jahre 1581. Lange Zeit erfolgte die Prozession am Karfreitag. 1734 wurde sie jedoch auf den Palmsonntag verlegt.

Der Ablauf hat sich seit damals nicht geändert: Um 14.00 Uhr startet der Prozessionszug in der Lindenallee und bewegt sich über die obere Altstadt – Heimenstein – Klausgasse – Wilhelmstraße – Göttinger Straße wieder zurück zur Lindenallee, wo es auf der Höhe des Pfarramtes von St. Marien eine abschließende Andacht gibt.

Die Bildnisse:


1. Szene: Jesus beim Abendmahl - Die aufrecht stehende Christusfigur, bekleidet mit weiten, farbigen Gewändern, hält in der linken Hand einen Kelch, den sie mit der rechten Hand segnet. Auf zwei kleinen Tischen davor liegen einige Weintrauben sowie drei Brötchen.

2. Szene: Christus am Ölberg - Christus betet, auf den Knien liegend, während vor ihm ein Engel schwebt.

3. Szene: Die Verspottung - Christus trägt ein weißes Gewand. Seine Augen sind mit einem Tuch verbunden und seine Hände auf dem Rücken gefesselt. Er ist von Folterwerkzeugen umgeben.

4. Szene: Die Kreuzigung - Das etwa 4 Meter hohe Kreuz mit dem Corpus Christi wird traditionell von sechs Westhäuser Männern getragen.

5. Szene: Die schmerzhafte Mutter - Maria hält den Leichnam ihres Sohnes.

6. Szene: Das heilige Grab - Das reich ausgestattete und geschmückte Grab des Erlösers bildet den Höhepunkt der Prozession. Unter einem von vier Säulen getragenen Baldachin ruht der Leichnam auf weißen Tüchern und Kissen, umgeben von Trauerflor, Blumen und Kerzen.

Hinweise:


- Für die Zeit der Palmsonntagsprozession am Sonntag, dem 24. März, wird der Innenstadt-Bereich der Stadt Heilbad Heiligenstadt von 12:00 bis 17:00 Uhr gesperrt.
- Der Durchgangsverkehr in Richtung Dingelstädt und Nordhausen kann, von Göttingen kommend, über den Leineberg und die L3080 abfließen; der Verkehr aus Richtung Witzenhausen – Uder über die L3080 – Liesebühl und Petristraße.
- Die Göttinger Straße als Teil der Prozessionsstrecke ist ebenfalls für den Gesamtverkehr gesperrt.
- Die Fahrzeugführer und Besucher werden gebeten, die Sperrmaßnahmen unbedingt zu beachten und einzuhalten. Fahrzeuge, die in den Haltverbotsbereichen stehen, werden kostenpflichtig abgeschleppt.
- Auf der gesamten Prozessionstrecke ist Halteverbot angeordnet.
- Die Prozession führt über: Felgentor, Heimenstein, Klausgasse, Wilhelmstraße,
Göttinger Straße zur Lindenallee und endet Höhe der Propstei mit der Abschlussandacht.
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