Großeltern dringend gesucht! - Wunsch-Großelterndienst - Ein Angebot des Leinefelder Frauenzentrums

Mechthild Neumann, Leiterin des Frauenzentrums, sieht die Einrichtung in einer Vermittlerposition beim Wunsch-Großeltern-Dienst.
 
Ein neues Informationsblatt im Eingangsbereich des Leinefelder Frauenzentrums weist noch einmal auf den Wunsch-Großeltern-Dienst hin.
Leinefelde: Frauenzentrum Leinefelde | Das Kind muss aus dem Kindergarten abgeholt werden, doch bei der Mutti auf Arbeit sind Überstunden angesagt. Der Vater ist einige hundert Kilometer weit weg auf Montage, und Großeltern oder andere Verwandte, die kurzfristig einspringen könnten, gibt es nicht. Ein Horrorszenario, das leider nur allzu oft vorkommt.

Zugleich gibt es da die jung gebliebenen Frauen und Männer von 50 an aufwärts, die im vorzeitigen oder regulären Ruhestand viel Zeit haben, sich daher langweilen, Kinder in ihrem Leben vermissen oder auch einfach nur eine ehrenamtliche Betätigung suchen.

Zwischen diesen Generationen kann und der so genannte Wunsch-Großeltern-Dienst eine Brücke schlagen. Was es anderswo, zum Beispiel im benachbarten Unstrut-Hainich-Kreis, schon seit vielen Jahren gibt, will das Leinefelder Frauenzentrum auch im Landkreis Eichsfeld zu einer Selbstverständlichkeit machen.

Wer keine Großeltern hat, verpasst jede Menge - wer keine Enkel hat, auch!"


Mechthild Neumann, Leiterin des Leinefelder Frauenzentrums

„Die Wunsch-Großeltern können vielfältige Alltagsaufgaben übernehmen. Das beginnt beim Abholen aus dem Kindergarten, dem Hort oder der Schule und kann bis zum Aufpassen auf die Kinder reichen, wenn deren Eltern ganz einfach mal ins Kino gehen wollen. Die Wunsch-Großeltern sollten dabei auf keinen Fall als billige Haushaltshilfe gesehen werden, denn das sind sie nicht“, erklärt Mechthild Neumann, die als Leiterin des Leinefelder Frauenzentrums beim ersten großen Treffen der Großelterndienste Deutschlands im Juni vergangenen Jahres in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt dabei war.

„Eine hoch-interessante Veranstaltung“, erinnert sie sich. „Zum einen, weil man erfahren hat, wie andere Vereine und Institutionen das Ganze aufgezogen haben, zum anderen wegen der Erkenntnis, dass man für solch ein Projekt einen langen Atem braucht. Der Knackpunkt ist, die richtigen Wunsch-Großeltern zur richtigen Familie zu finden. Beides muss zusammen passen. Wir führen daher persönliche Gespräche mit den Interessierten auf beiden Seiten, die zudem bei uns einen Bewerbungs- und Fragebogen ausfüllen. Auf diese Weise klopfen wir die Wünsche, Vorstellungen und Voraussetzungen ab. So geben zum Beispiel beide Seiten im Fragebogen an, welche Dienste und Betreuungszeiten erwünscht sind, und ob es gesundheitliche Einschränkungen gibt.“

Das Frauenzentrum sieht sich dabei lediglich in einer Mittler-Rolle, in der die jungen Eltern und Wunsch-Großeltern zusammen gebracht werden. „Das erste Schnuppertreffen wird ebenfalls durch uns organisiert und findet in der Regel hier im Frauenzentrum - sozusagen auf neutralem Boden - statt. Hier werden dann auch gleich alle administrativen Fragen geklärt“, erläutert Mechthild Neumann weiter.

Wenn es danach immer noch grünes Licht gäbe, fände das nächste Treffen dann bei der jungen Familie Zuhause statt. Bei Bedarf könne auch eine gewisse Probezeit vereinbart werden. Besiegelt werde das Ganz am Ende durch eine schriftliche Vereinbarung.

„Wunsch-Großeltern, die zwar grundsätzlich bereit sind, solche Dienste zu übernehmen, sich dafür aber noch nicht so richtig fit fühlen, lassen wir natürlich nicht allein, sondern unterstützen sie. Zum Beispiel indem wir ihnen Erste-Hilfe-Kurse, Vorträge oder Fortbildungen vermitteln“, betont die Frauenzentrums-Leiterin. „Langfristig würden wir als Frauenzentrum auch monatlich stattfindende Gesprächskreise für die Wunsch-Großeltern organisieren. Da muss man aber einfach mal sehen, wie es läuft.“

Am Dienstag, dem 16. Juli, um 14.00 Uhr lädt das Frauenzentrum Leinefelde zu einer Informations-Veranstaltung zu sich in die Jahnstraße 12 ein. Um Voranmeldungen wird unter Telefon (03605) 51 87 88 gebeten.

Fakten


- Die Betreuungszeit beim Wunsch-Großeltern-Dienst sollte zwischen zwei und maximal sechs Stunden pro Woche liegen und 20 Stunden im Monat nicht übersteigen. Diese Zeiten können mit den Eltern flexibel vereinbart werden.
- Wunsch-Großeltern sind weder Tagesmütter noch Haushaltshilfen und auch keine Erzieher.
- Zur Absicherung der Familien ist für die Wunsch-Großeltern ein erweitertes Führungszeugnis zwingend erforderlich. Die Kosten (zirka 13 Euro) für diese Bescheinigung können über die Thüringer Ehrenamtsstiftung erstattet werden.
- Auch die Kosten für eine Haftpflicht- und Unfallversicherung für die ehrenamtliche Tätigkeit werden über die Thüringer Ehrenamtsstiftung abgedeckt.
Der Wunschgroßelterndienst ist nicht auf finanziellen Gewinn ausgerichtet. Da es sich um eine familien-ähnliche Betreuung handelt, ist es wünschenswert, dies auch - wie in Familien üblich - durch kleine Aufmerksamkeiten, Hilfeleistungen oder Gefälligkeiten zu entgelten.
- Alle Kosten und Auslagen im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung (zum Beispiel Fahrtkosten und Eintrittsgelder) werden von den Eltern in Absprache erstattet.

Hintergrund


- In ganz Deutschland gibt es inzwischen mehr als 250 Initiativen, die Großelterndienste organisieren - Tendenz steigend.
- Allein in Hamburg gibt es rund 200 Wunsch-Großeltern-Dienste, in Berlin, wo dieses Projekt schon seit mehr als 20 Jahren läuft, sind es sogar mehr als doppelt so viele.


Großelterndienste sind gut für Kinder, weil:
- sie durch ihre Leihgroßeltern eine andere Sicht auf die Welt kennenlernen
- sie zusätzlich Zeit, Zuwendung und Aufmerksamkeit erfahren


Großelterndienste sind gut für Eltern, weil:
- auch sie von der Lebenerfahrung der älteren Generation profitieren
- sie zeitliche Entlastung erfahren


Großelterndienste sind gut für ältere Menschen, weil:
- Kinder jung und lebendig halten
- sie ihre Zeit mit sinnvoller Beschäftigung verbringen
- sie Kontakte mit Gleichgesinnten aufbauen und sich somit die Gefahr einer Vereinsamung im Alter verringert
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