Hilfe für die Retter - Eine Rettungskarte verschafft Einsatzkräften bei der Bergung nach einem Autounfall wertvolle Zeit

Ingenieur Dieter Redemann ist seit 20 Jahren als öffentlich bestellter und vereidigter sachverständiger tätig und weiß aus langjähriger Berufspraxis, wie wichtig eine Rettungskarte sein kann.
 
Möglichst in Farbe: So sieht sie aus, die Rettungskarte, hier für einen Mazda 6. Ein einfaches Stück Papier, das im Fall der Fälle für die Retter eine große Hilfe ist.
Stabile Karosseriestrukturen, Airbags, Gurtstraffer und Co machen Autos immer sicherer. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass sich die Zahl der Verkehrstoten in den vergangenen 20 Jahren halbiert hat. Doch der immer bessere Überlebensschutz hat auch seine Schattenseiten, kann er doch die Bergung der Insassen eines Unfallfahrzeuges nicht nur sehr schwierig, sondern sogar gefahrvoll für Unfallopfer und Helfer gestalten.

Eine so genannte Rettungskarte leistet hier wertvolle Dienste leisten, liefert sie doch den Rettungs- und Bergungskräften sofort alle wichtigen Informationen. Der Allgemeine Anzeiger sprach darüber mit Ingenieur Dieter Redemann, öffentlich bestellter und vereidigter Kfz-Sachverständiger aus Worbis.


Was ist eine Rettungskarte?

Eigentlich ist es nur ein einzelnes, bunt bedrucktes Blatt Papier im A4-Format, das allerdings alle wichtigen Informationen enthält, die bei einer Unfallbergung relevant sein können. Alles ist bildlich gemacht, sodass man sich nicht lange mit Lesen aufhalten muss.

Was für Informationen sind das denn?

Wo sind die Airbags, wo sitzen die Batterie und der Kraftstofftank, wo liegen Gurtstraffer, Gasdruckdämpfer und so weiter. Und ganz wichtig - es wird angegeben, wo sich die vom Hersteller vorgesehenen Stellen befinden, an denen man die Fahrgastzelle gefahrlos aufbrechen kann.

Weshalb wird die Rettungskarte jetzt so wichtig?

Die Fahrgastzellen heutiger Autos besitzen hochfeste Stähle. An denen können hydraulische Scheren und Spreizer durchaus scheitern, wenn man nicht genau weiß, wo man ansetzen muss. Hinzu kommt die oftmals sehr komplexe Ausstattung. Die Autos werden immer komplizierter. Da kann es beispielsweise geschehen, dass bei einer Bergung Airbags nachträglich ausgelöst werden und für noch mehr Schaden sorgen.

Wer muss die Rettungskarte haben?

Der Autofahrer in seinem Fahrzeug. Und er sollte sie so aufbewahren, dass die Rettungskräfte nicht erst das ganze Auto durchsuchen müssen, um sie zu finden.

Welcher Platz eignet sich da?

Man steckt sie am besten unter die Sonneblende des Fahrers. Oft sind vom Hersteller hierfür schon Laschen vorgesehen. Wenn nicht, hilft auch Klebeband.

Warum denn gerade an diese Stelle?

Die Rettungskräfte sind dementsprechend geschult und kommen an diese Stelle auch relativ leicht heran, zum Beispiel durch Zerschlagen der Seitenscheibe. Zudem ist es ja grundsätzlich so, dass ein Fahrer immer an Bord eines Autos ist, also bei einem Unfall in jedem Fall gerettet werden muss.

Und woher wissen die Rettungskräfte, dass sich überhaupt eine Rettungskarte an Bord befindet?

Da gibt es einen Aufkleber mit dem Hinweis „Rettungskarte im Fahrzeug“. Den klebt man auf der Fahrerseite an die Windschutzscheibe, entweder links oben oder unten, da bei einem Unfall die Frontscheibe nicht zersplittert. Sie besteht nämlich sie aus Sicherheitsverglasung. Den Hinweisaufkleber kann man sich im Internet bestellen. Man bekommt ihn aber natürlich auch kostenlos bei mir.

Und wo bekomme ich eine Rettungskarte her?

Wenn man genau weiß, was man für ein Fahrzeug hat, kann man sich die entsprechende Rettungskarte im Internet heraussuchen, sie herunterladen und ausdrucken. Voraussetzung ist aber, dass man wirklich den genauen Fahrzeugtyp und die Ausstattung kennt. Wichtig ist zudem, ob das Fahrzeug umgerüstet wurde, zum Beispiel eine Gasanlage besitzt. Man bekommt die Rettungskarte aber auch bei mir als ADAC-Vertrags-Sachverständigen. Das kostet übrigens nichts. Und sicherlich bieten auch viele meiner Kollegen in Thüringen diesen Service an.

Muss man sonst noch etwas beachten?

Die Rettungskarte sollte unbedingt farbig ausgedruckt werden und nicht etwa nur schwarz-weiß, weil das den Helfern eine bessere Übersicht gibt.

Hintergrund


- Bei der Hilfe nach einem Verkehrsunfall zählt jede Minute. Man spricht von der so genannten „Goldenen Stunde der Rettungsdienste“, die sich in 20 Minuten Alarmierung und Anfahrt zum Unfallort, 20 Minuten Bergung und Rettung sowie 20 Minuten Erstversorgung und Abtransport gliedert.
- Die Autos von heute sind nicht nur komplexer als früher sondern sehen sich auch immer ähnlicher. Die Einsatzkräfte vor Ort können oftmals nicht einmal mehr Typ und Baujahr des Fahrzeuges zweifelsfrei bestimmen. - Laut einer ADAC-Erhebung werden 64 Prozent der verunglückten Pkw-Modelle von den Retter gar nicht oder falsch identifiziert.
- Untersuchungen der ADAC-Luftrettung und ADAC-Unfallforschung belegen: Je neuer das Fahrzeug, desto länger dauert die Personenrettung. Bei Unfällen mit Autos der Baujahre 1990 bis 1992 lag die Rettungszeit in 40 Prozent der Fälle unter 50 Minuten. Bei Pkw der Baujahre 2005 bis 2007 dagegen konnten nur noch 20 Prozent der Einsätze unter 50 Minuten abgeschlossen werden.
- In der Zukunft soll das so genannte „eCall“ eingeführt werden, bei dem die Retter durch Kennzeichen-Abfragung von ihrer Leitstelle auf elektronischem Wege alle wichtigen Daten zum Unfallauto erhalten.
- Bis dahin jedoch sollte sich eine Rettungskarte an Bord jedes Autos befinden.
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