Mit fertigem Konzept geht es sofort los - Bahnhöfe im Eichsfeld: Dingelstädter Bahnhof mit neuem Besitzer und einer Zukunft

Der äußere noch recht traurige Eindruck trügt: Die Zukunftspläne für das Bahnhofsgebäude nehmen schon Gestalt an.
 
Das verschieferte Obergeschoss des Bahnhofes. Derzeit bildet es nur das Zuhause für einige Vögel.
Dingelstädt: Bahnhof | 20 lange Jahre sah der Dingelstädter durch zunehmenden Verfall so betrüblich aus, wie es auch um seine Zukunft bestellt zu sein schien. Seit seiner Stilllegung am 31. Dezember 1992 hinterließ der Zahn der Zeit sichtliche Spuren am Gebäude, verwandelte es zunehmend in eine Ruine.

Wer jedoch jetzt am Bahnhofsgebäude vorbei fährt, dem fällt zumindest der Bauzaun auf, der nun das Objekt abschirmt und sichert. Und wer noch genauer hinschaut, wird auch die Bautüren und Rohre entdecken, die verraten, dass sich da doch etwas tut. Tatsächlich hat das Gebäude nun wieder Telefon-, Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss und wird derzeit trockengelegt.

Mehr als nur seine Finger im Spiel hat da der Dingelstädter Falk Wedekind, der das Gebäude samt Grundstück erwarb. Für den Bahnhof wohl die Rettung vor dem drohenden Abriss. „Das Objekt hat mich schon immer begeistert“, gesteht der Jung-Unternehmer.

Als er schließlich die Gelegenheit hatte, das Innenleben des Bahnhofes zu erkunden, tat das der Euphorie keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil! „Ich stand ganz oben und sah aus den Fenstern. Man hat von ihnen aus einen tollen Blick auf die Stadt und über sie hinaus. Das wäre ideal für eine Wohnung, dachte ich. Wie auch das ganze Drumherum. Auf den rund 3.500 Quadratmetern Grundstück kann man viel machen.“

Im Obergeschoss des Gebäudes könnte Wohnraum entstehen, während der Kanonenbahnverein im Erdgeschoss einen Ticketschalter, einen Warteraum und ein kleines Museum einrichtet. Sogar das alte Stellwerk soll wieder funktionstüchtig gemacht werden.

Der Verein zeigt sich ohnehin sehr rührig, was die Gleisstrecke und eben auch den Dingelstädter Bahnhof angeht. Im Rahmen mehrerer Arbeitseinsätze legten seine Mitglieder nicht nur die unter Gestrüpp, Unrat und Schlamm liegenden Gleise frei. Vielmehr verlegten sie im Bereich des ehemaligen Bahnübergangs Bahnhofstraße auch wieder Schienen, um die Bahnhofs-Gleisanlagen mit der Südeichsfelder Kanonenbahnstrecke zu verbinden.

„Es gibt zwei Vorentwürfe, sozusagen eine großes und ein kleines Konzept“, erklärt Falk Wedekind den Planungsstand zum Bahnhofsareal. „Es sind gute Ideen dabei, aber es ist alles noch nicht ausgereift.“

Ein Leinefelder Architekturbüro wurde durch ihn damit beauftragt, aus beiden Konzepten einen schlüssigen Entwurf zu erarbeiten. Wichtig für Falk Wedekind ist, dass man auch nach der Neugestaltung in dem Objekt noch den „alten Bahnhof“ erkennen kann.

Bis 2014 möchte der Kanonenbahnverein die Strecke bis Dingelstädt soweit hergerichtet haben.

„Vielleicht ist bis dahin auch der Bahnhof fertig, vielleicht aber auch nicht“, meint der neue Bahnhofsbesitzer, nicht zuletzt in Erinnerung an den Umstand, dass allein das Auftreiben der alten Bestandspläne bei der Deutschen Bahn ein ganzes Jahr in Anspruch genommen hat.

Und noch drei weitere Fragen sind für Falk Wedekind wichtig: „Wie viel Sinn macht das Ganze, was kostet es und trägt es sich überhaupt? Wenn das klar ist, geht es sofort los!“

Historisches:


- Der Bahnhof Dingelstädt liegt 375,11 m über dem Meerespiegel und wurde am 15. Mai 1880 eröffnet. Er war zu dieser Zeit mit fünf Gleisen ausgestattet.
- Rückentwicklung: Im Jahre 1922 wurde die elektrische Beleuchtung am Dingelstädter Bahnhof ausgebaut und wieder auf Petroleum umgestellt.
- Im Jahre 1942 gab es einen Unfall im Bahnhofsbereich, als durch eine falsche Weichenstellung bei der Ausfahrt in Richtung Leinefelde der Frühzug aus Eschwege auf ein Nebengleis geriet und auf einen dort stehenden Bauzug auffuhr. Der Frühzug schob die stehenden Waggons ineinander und über den Prellbock hinaus. Es gab einige Leichtverletzte.
- Ab 29. September 1969 war Dingelstädt durch das „Aus“ der Güterabfertigung in Küllstedt noch der einzige Güterbahnhof zwischen Leinefelde und Geismar.
- Am 31. Dezember 1995 wurde die Güterverkehrsstelle Dingelstädt geschlossen.
- Ab 1. März 1996 wurde die Besetzung durch einen Fahrdienstleiter in Dingelstädt aufgehoben.
- Ab 2. Juni 1996 blieb der Bahnhof gänzlich unbesetzt.
- Am 4. August 1996 fuhr der letzte Triebwagen zwischen Leinefelde und Dingelstädt, dann wurde der Personenverkehr eingestellt.
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