Mit Früherkennung Leben retten - Im Interview: Dr. med. Jörg Buse, Programmverantwortlicher Arzt des Mammographie-Screening

Wann? 09.03.2012

Wo? Mammobil, Zentraler Platz, 37327 Leinefelde-Worbis DE
Während der Untersuchung im Mammobil: Dr. med. Jörg Buse kontrolliert am Bildschirm den Befund.
 
Dr. med. Jörg Buse (53 Jahre alt) ist Facharzt für Diagnostische Radiologie und seit 2009 verantwortlicher Arzt für das Mammographie-Screening-Programm in Thüringen Nord-West.
Leinefelde-Worbis: Mammobil | Es steht derzeit noch in Heiligenstadt auf dem Parktplatz in der Robert-Koch-Straße und wird am 9. März seinen Standort nach Leinefelde wechseln - das Mammobil. Mit dem Mammographie-Screening soll ein möglicher Brustkrebs möglichst früh erkannt werden, denn früh erkannt ist Brustkrebs heilbar. Mindestens jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran, die meisten nach dem 50. Lebensjahr. Doch es gibt auch Vorbehalte und viele Fragen.

Der Allgemeine Anzeiger sprach mit Dr. med. Jörg Buse, Facharzt für Diagnostische Radiologie und seit 2009 programm-verantwortlicher Arzt für die Region Thüringen Nord-West mit rund 140.000 teilnahmeberechtigten Frauen.

Allgemeiner Anzeiger: Herr Dr. Buse, das Mammobil ist zum zweiten Mal im Eichsfeld...

Dr. med. Buse: Ganz genau. Wir kommen alle zwei Jahre und waren im Jahr 2010 zum ersten Mal im Januar und Februar in Heiligenstadt sowie ab März 2010 in Leinefelde.

Allgemeiner Anzeiger: Wie steht es mit der technischen Ausrüstung des Mammobils?

Dr. med. Buse: Die Technik des Mammobils bildet die allerneueste Gerätegeneration und ist voll digitalisiert. Eine Besonderheit des Mammographie-Screening-Programms ist die hohe Qualitätssicherung. So werden die Geräte unter anderem jeden Morgen auf exakte Konstanz überprüft und nur dann freigegeben.

Allgemeiner Anzeiger: Gibt es beim Mammographie-Screening eine ernstzunehmende Strahlenbelastung?

Dr. med. Buse: Nein. Man kann sagen, dass das Risiko-Nutzen-Verhältnis des Mammographie-Screenings eindeutig positiv ausfällt. Das soll heißen, im Vergleich zum Gesamtnutzen des Screenings gilt die Strahlenbelastung in dieser Altersgruppe ab 50 Jahren als gut vertretbar, zumal sie in den zurückliegenden Jahren auch noch auf weniger als die Hälfte gesenkt werden konnte.

Allgemeiner Anzeiger: Wie wird das Programm im Landkreis Eichsfeld angenommen?

Dr. med. Buse: Schon ganz gut. 2010 hatten wir in Heiligenstadt eine Teilnahmequote von rund 52 Prozent und streben in der jetzigen zweiten Einladungsrunde 2012 60 Prozent an. In Leinefelde lag die Teilnahmequote allerdings schon im Jahr 2010 bei 66 Prozent.

Allgemeiner Anzeiger: Hatten Sie 2010 denn auch schon positive Befunde im Landkreis Eichsfeld?

Dr. med. Buse: Selbstverständlich. Generell kann man sagen, dass wir die Brustkrebs-Entdeckung durch das Programm zeitlich deutlich vorverlagern können, teilweise um Jahre. In ungefähr neun von zehn Fällen entdecken wir den Brustkrebs bereits, bevor er tastbar ist. In fast 80 Prozent aller entdeckten Fälle gab es auch noch keinen Lymphknotenbefall in der Achselhöhle.

Bis zu einer Größe des Tumors unter 20 Millimeter zeigt sich die Metastasierungs-Quote noch deutlich vermindert. Dann ist der Tumor häufig noch nicht tastbar, aber wir können ihn bereits per Mammographie-Screening aufspüren. Durch das frühe Aufspüren sind dann oft der Verzicht auf eine Chemotherapie und fast immer brusterhaltende Therapien möglich.

Mit dem Programm gelingt es uns insgesamt, die Sterblichkeit an Brustkrebs um bis zu 35 Prozent zu reduzieren.

Allgemeiner Anzeiger: Was geschieht nach dem Mammographie-Screening mit den Befunden?

Dr. med. Buse: Die Bilder werden durch bis zu drei besonders erfahrene Ärzte unabhängig voneinander beurteilt. Die Frauen erhalten das Ergebnis innerhalb einer Woche per Brief nach Hause mitgeteilt.

Allgemeiner Anzeiger: Und wenn der Befund positiv ist?

Dr. med. Buse: Bei weniger als fünf Prozent der Frauen gibt es einen auffälligen Befund. Sie werden, ebenfalls persönlich per Post, zur weiteren Abklärungsdiagnostik nach Bad Langensalza eingeladen. Im Falle einer Brustkrebs-Entdeckung werden gemeinsam mit den Haus- und FrauenärztInnen Therapie und Nachsorge eingeleitet, die meist einen sehr großen Erfolg versprechen, weil wir ja den Brustkrebs in einem relativ frühen Stadium entdecken.

Allgemeiner Anzeiger: Ersetzt das Mammographie-Screening-Programm den Weg zum Frauenarzt?

Dr. med. Buse: Auf keinen Fall. Besonders wenn die Frau neben der regelmäßigen Krebsvorsorge bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt unserer Einladung zum Mammographie-Screening folgt ist eine optimale Brustkrebsfrüherkennung gewährleistet, kann der Brustkrebs wirklich rechtzeitig entdeckt werden.

Allgemeiner Anzeiger: Warum erhalten nur Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eine Einladung?

Dr. med. Buse: Bei Frauen unter 50 Jahren ist das Brustgewebe meistens noch so dicht, dass man mittels Mammographie nur schlecht in die Brust hinein schauen kann. In dieser Altersgruppe sind das Abtasten und gegebenenfalls Ultraschall wichtiger. Bei Frauen ab dem 70. Lebensjahr wächst der Brustkrebs deutlich verlangsamt, so dass er normalerweise nicht mehr gefährlich werden kann.

Allgemeiner Anzeiger: Herr Dr. Buse, vielen Dank für das Gespräch.

Fakten

- Teilnehmen können alle Frauen zwischen 50 und 69.

- Die Kosten der Untersuchung werden von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen und es fällt keine Praxisgebühr an.

- Derzeit noch in Heiligenstadt stehend ist das Mammobil ab dem 09. März und bis Mitte Juni 2012 in Leinefelde auf dem Zentralen Platz zu finden.

- Einladungen gehen derzeit an alle teilnahmeberechtigten Frauen der Postleitzahlen 37327 (Leinefelde), 37339 (Worbis), 37345, 37351 (Dingelstädt), 37355 und 37359 verschickt.

- Das Mammobil-Team, aus einer Anmeldekraft sowie zwei Medizinisch-Technischen Radiologie-Assistentinnen (MTRA) bestehend, arbeitet in zwei Schichten von 8.00 bis 19.00 Uhr.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige