Neue Zielgruppen erschließen - Zu den Ergebnissen einer Besucherbefragung im Grenzlandmuseum Eichsfeld

64 Prozent der Befragten wollen das Grenzlandmuseum eventuell noch einmal besuchen, über 80 Prozent werden es weiter empfehlen.
 
Die Besucher des Grenzlandmuseums möchten vor allem etwas über die Grenzgeschichte erfahren, interessieren sich aber auch für das Alltagsleben in der DDR und das Grüne Band.
Teistungen: Grenzlandmuseum Teistungen | Dass sich das Grenzlandmuseum Eichsfeld Teistungen ein Feedback bei seinen Besuchern einholt, ist nicht neu, gab es doch 1998 schon einmal eine Besucherbefragung.

Mit Blick auf die 2010 abgeschlossene Museumsneukonzeption hatte die Einrichtung nun zwei Regionalmanagement- und Wirtschaftsförderungs-Studenten der Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst (HAWK) mit der Durchführung einer erneuten Befragung beauftragt.

Jan Lierse und Justus Schünemann übernahmen die Aufgabe im Rahmen einer Projektarbeit im Masterstudiengang von Professor Harteisen und befragten im Mai und Juni dieses Jahres insgesamt 485 Besucher.

Es wurde schnell deutlich, dass ein Viertel der Befragten schon mehrmals das Grenzlandmuseum aufgesucht hatten, wobei das Auto eine wesentliche Rolle spielte, um das Museum zu erreichen. Die beiden Studenten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, das der Öffentliche Personen Nahverkehr (ÖPNV) verbesserungswürdig sei.

Die Motivation zu einem Besuch des Grenzlandmuseums ergab sich im Wesentlichen aus dem Wunsch, mehr über die Grenzgeschichte zu erfahren. Immerhin ein Viertel der Besucher interessierten sich für das Alltagsleben der DDR und das Grüne Band.

Bei der Untersuchung konnten die Studierenden außerdem evaluieren, dass viele Besucher ihren Museumsbesuch mit anderen Aktivitäten im Eichsfeld kombinierten, beispielsweise Ausflügen nach Duderstadt oder Worbis. Es sei daher wichtig, so Jan Lierse und Justus Schünemann, die wesentlichen Punkte von Interesse in Zukunft noch wesentlich besser zu vernetzen, um Synergieeffekte zu nutzen.

Um noch stärker auf sich aufmerksam zu machen, besitzt das Grenzlandmuseum nun eine neue Internetseite und einen Facebook-Auftritt, die von jungen Mitarbeitern im Museum ständig gepflegt werden. In der Gesamtbewertung schneidet das Grenzlandmuseum sehr gut ab. Sowohl die Sonderausstellungen, das Multimediaangebot als auch die Ausstellungsexponate werden von den Besuchern als sehr gut bewertet. Allerdings müssen in Zukunft Museum und Bildungsstätte noch enger miteinander verzahnt werden, denn nicht jeder Museumsbesucher kennt die Bildungsstätte und besucht dort auch ein Seminar.

Immerhin aber wird das neue Tourismus-Informations-Zentrum Nordthüringen, das im Museum beheimatet ist, gut angenommen und verzeichnete im Befragungszeitraum erhöhte Anfragen.

Die Projektgruppe fand zusätzlich heraus, dass sich die Aufenthaltsdauer der Museumsbesucher wesentlich erhöht hat. Während bei der Umfrage 1998 die Besuchszeit noch bei etwa einer Stunde lag, stieg sie inzwischen - wohl vor allem durch die neue Ausstellung - auf mehr als anderthalb Stunden. 16,2 Prozent der Befragten blieben immerhin länger als zwei Stunden im Museum.

Überraschend für die Museumsmacher ist die einhellige Meinung der Besucher, dass die Eintrittspreise ausgesprochen moderat seien. Im Ergebnis hat der Vorstand des Museums nun eine angepasste Erhöhung von drei auf vier Euro für Erwachsene (ermäßigt von zwei auf drei Euro) beschlossen.

Im Bereich des Grünen Bandes machen Jan Lierse und Justus Schünemann ein erhöhtes Entwicklungspotential aus. Hier projektiert das Museum einen neuen Pavillon, der die Belange der Natur an der ehemaligen innerdeutschen Grenze ergänzend interdisziplinär vernetzt.

Die Befragung zeigt auch, dass das Grenzlandmuseum auch in Zukunft Impuls- und Innovationsgeber für die Weiterentwicklung der Museumsregion Nordthüringen/Südniedersachsen sein muss. Aus diesem Grund ging die Einrichtung bereits eine Kooperation zwischen dem Grenzdurchgangslager Friedland, der Gedenkstätte Mittelbau-Dora und dem KZ-Jugendlager Moringen ein.

Zudem wird sich das Museum in Zukunft verstärkt mit der Generation der 20- bis 49-Jährigen auseinander setzten müssen, da gerade sie die mahn- und Erinnerungsstätte bei Teistungen eher selten besuchen. Die Untersuchung der Studierenden der HAWK zeigt unterm Strich, dass das Grenzlandmuseum Eichsfeld bei tiefer Verankerung in der Region ein Museum zur deutsch-deutschen Geschichte mit überregionaler Bedeutung ist.

In Zukunft werde sich das Museum noch stärker auf neue Zielgruppen einrichten und neue Formen in der Museumspädagogik suchen, so Paul Schneegans, Geschäftsführer des Grenzlandmuseums.
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