Selten, aber lebensbedrohlich! - Der Fuchsbandwurm ist auf dem Vormarsch - Wie man vorbeugt und sich schützt

Die toten Füchse werden in der Regel in solch einer Transportbox nach Bad Langensalza gebracht, um dort im Labor des Thüringer Landesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (TLLV) untersucht zu werden.
 
Die Amtstierärzin beim Gang in den Probenraum des Veterinäramtes, der für die Jäger des Landkreises bei der Ablieferung toter Tiere der Anlaufpunkt ist.
Leinefelde-Worbis: Veterinäramt | Im grünen Laborkittel, dicke rote Gummihandschuhe tragend, steht Inga Mänz im Probenraum des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes in Worbis. An der Wand über der Spüle und dem Arbeitstisch hängen Desinfektionsmittelspender, während nahe der Tür zum Kühlraum ein Computer steht.

Die Amtstierärztin des Landkreises Eichsfeld öffnet eine mittelgroße Aluminium-Transportbox. In diesem Behältnis werden meist die von Förstern und Jägern zur Untersuchung angelieferten toten Tiere nach Bad Langensalza zum Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (TLLV) gebracht.

72 tote Füchse waren das im vergangenen Jahr, die vor allem auf Tollwut untersucht wurden. In diesem Jahr müssen es nur 34 sein, was damit zu tun hat, dass Deutschland inzwischen als frei von Tollwut gilt.

Allerdings gibt es nun ein neues Problem - den Fuchsbandwurm (Echinokokkus). Dieser Parasit kommt zumeist im Darm von Rotfüchsen vor, kann sich aber auch bei Marderhunden, Haushunden und Katzen einnisten. Die infizierten Tiere sind so genannte Endwirte und scheiden mit dem Kot reife Bandwurmeier aus.

Letztere können bei günstigen Bedingungen mehrere Monate in der Umwelt überdauern und werden von Nagetieren, wie Feld- oder Rötelmaus, aufgenommen, in denen sie sich weiter entwickeln. Da Mäuse dem Fuchs als Beutetier dienen, schließt sich auf diese Weise der Wirts-Kreislauf.

Der Mensch kann zum falschen Zwischenwirt werden, wenn er durch Tierkontakt, bei Gartenarbeiten oder über kontaminiertes Gemüse, Waldfrüchte oder Pilze Bandwurmeier aufnimmt.

Eine Erkrankung an der Echinokokkose ist zwar sehr selten, aber dafür lebensbedrohlich. Die aufgenommenen Bandwurmeier entwickeln sich zu Zwischenstadien, den so genannten Finnen, die sich vornehmlich in der Leber aber auch in anderen Organen vermehren. Dabei entstehen zunächst Finnenbläschen, später Zysten, die das Organgewebe zerstören. Zu Beginn einer Echinokkose treten meist keine Beschwerden auf, sodass die Erkrankung oft erst im Spätstadium diagnostiziert wird.

Der Fuchsbandwurm ist in den letzten Jahren thüringenweit auf dem Vormarsch. Im Landkreis Eichsfeld wies rund die Hälfte aller untersuchten Füchse positive Echinokokkenbefunde auf.

Vorbeugend sollten alle bodennahen Lebensmittel, wie zum Beispiel Beeren, Pilze, Gemüse, Salat, Fallobst vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Noch sicherer ist ein fünfminütiges Erhitzen auf über 60 Grad Celsius. Einfrieren bietet dagegen keinen Schutz, da die Bandwurmeier nicht zerstört werden. Nach Gartenarbeiten und Waldspaziergängen ist Händewaschen mit warmen Wasser und Seife wichtig.

Bandwurmeier können übrigens auch am Fell der Wirtstiere haften. Hunde- und Katzenbesitzer sollten ihre Tiere regelmäßig entwurmen lassen. Bei Jagdhunden und „passionierten Mäusejägern“ sowie bei Hunden und Katzen in der Nähe von Kleinkindern sollte die Entwurmung in kürzeren Intervallen erfolgen.

Speziell für Jäger gilt: Zum eigenen Schutz potentiell infektiöse Tiere nur mit Handschuhen berühren und tote Tiere nur in Säcken oder ähnlichem transportieren.

Weitere Informationen und Auskünfte geben die Tierärzte im Landkreis, das Gesundheitsamt und das Veterinäramt des Landkreises Eichsfeld.
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6 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 11.05.2012 | 18:44  
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Renate Jung aus Erfurt | 11.05.2012 | 19:43  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 11.05.2012 | 19:50  
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Renate Jung aus Erfurt | 11.05.2012 | 23:22  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 12.05.2012 | 10:09  
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Renate Jung aus Erfurt | 12.05.2012 | 14:51  
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