Trinkbar? Brauchbar? Nutzbar? - Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie führt Wasser- und Bodenanalysen für die Eichsfelder durch

Marion Ziprian nimmt mit der Pipette aus der Flasche mit dem Brunnenwasser eine Probe, um gleich vor Ort den Nitratgehalt und ph-Wert zu messen.
 
Die Brunnenwasserprobe wird mit der Pipette ins Messglas gegeben.
Leinefelde-Worbis: Rathaus Wasserturm | „Wasser- und Bodenanalysen - geradeaus“ verkündet ein Schild im Eingangsbereich des Rathauses „Wasserturm“ in Leinefelde. Marion Ziprian von der Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie e.V. (AfU) hat sich im Erdgeschoss des Hauses in einem Warteraum an einem Tisch „häuslich eingerichtet“.

Wer da erwartet, die gelernte Fachkraft für Umweltschutz habe ein halbes Labor mitgebracht, wird enttäuscht. Die Messgeräte, Reagenzgläser, Messbecher, Pipetten und Flaschen mit Reagenzien, die sie nebst Informationsmaterial und Schreibutensilien dabei hat, finden bequem auf dem Tisch Platz.

Eine junge Frau erscheint, in der Hand eine 0,5-Liter-Flasche, in der sich allerdings kein Saft, sondern eine Probe Brunnenwasser befindet. Sie hätten im Garten ein Brunnen, mit dem sie bisher die Pflanzen gössen. Nun wolle sie aber wissen, ob man das Brunnenwasser vielleicht auch trinken könne.

Marion Ziprian notiert den Namen, die Adresse sowie die Telefonnummer der Eichsfelderin und vergisst auch nicht, die Flasche mit der Probe zu beschriften. „In etwa 14 Tagen erhalten sie mit der Post die Untersuchungsergebnisse“, verspricht sie der Frau.

Um zu testen, ob sich das Trinkwasser tatsächlich zum Trinken eignet, ist die so genannte Wasseranalyse 1 erforderlich, bei der Nitrat- und Nitrit-Gehalt, Leitfähigkeit, pH-Wert, Eisen, Gesamthärte, Carbonathärte, Chlorid, KMnO4-Verbrauch, Kupfer und Ammonium gemessen werden.

Den Nitratgehalt sowie den pH-Wert kann Marion Ziprian allerdings mit ihren mitgebrachten Gerätschaften sofort überprüfen. Sie füllt mit dem Brunnenwasser einfach zwei Bechergläser und führt Mess-Elektroden ein. Das Ergebnis liest sie schon nach wenigen Sekunden von digitalen Anzeigen ab.

Bei einer Probe - ebenfalls aus einem Brunnen - wird ein pH-Wert von 6,04 angezeigt. „Ziemlich niedrig“, stellt Marion Ziprian fest. „Das Wasser ist sehr sauer und damit zu aggressiv für Metallrohrleitungen“ . Auch der Nitratwert erweist sich mit 68,5 Milligramm pro Liter als sehr hoch. Als Trinkwasser kommt die Probe damit schon mal nicht mehr in Frage, und wegen des sauren ph-Wertes wohl auch nicht als Brauchwasser.

Die nächste Besucherin wünscht eine vollständige Analyse ihrer Probe. Allerdings hat sie gerade einmal so viel Wasser mitgebracht, wie in ein kleines Konfitürenglas passt. Zu wenig, um wirklich alle Test durchführen zu können.

Marion Ziprian nimmt die Probe trotzdem an und verspricht, so viele Messdaten wie möglich, für ihre „Klientin“ zu gewinnen. Nächster Gast ist ein älterer Eichsfelder. Durch die AfU-Mitarbeiterin nach Name, Adresse und Telefonnummer befragt, zögert er sichtlich und beäugt argwöhnisch die Liste, die Marion Ziprian führt.

Letztere ahnt sein Problem und kann ihn beruhigen: „Ihre Daten notieren wir nur, um ihnen hinterher auch die Ergebnisse der Analyse zuschicken zu können. Sie werden von uns ansonsten nicht weiter gegeben, weder an Ämter, noch an sonst jemanden anders. Unsere Arbeit besteht ausschließlich darin, für die Leute Analysen ihrer Wasser- und Bodenproben vor zu nehmen. Das ist alles!“

0,5 Liter Wasser sollten für eine umfangreiche Wasseruntersuchung als Probe zur Verfügung gestellt werden.

500 Gramm (zirka) Erdreich sollten für eine Bodenanalyse mitgebracht werden.

50 mg/l beträgt nach der Trinkwasserverordnung der obere Grenzwert für Nitrat. Diese Stickstoffverbindung ist vor allem für Kleinkinder giftig

0,5 mg/l darf der Nitritwert am Zapfhahn für Trinkwasser maximal betragen.

6,5 bis 9,5 sind nach oben und nach unten die Grenzen für den pH-Wert im Trinkwasser. Darunter ist das Wasser zu sauer, darüber alkalisch (basisch). Ein pH-Wert von 7 gilt als neutral

2 mg/l Kupfer sind als Wochenmittelwert im Trinkwasser maximal erlaubt. Alles darüber kann zu Schädigungen von Niere und Leber führen.

0,025 mg/l Blei dürfen sich maximal im Trinkwasser finden lassen. Als Schwermetall ist es potentiell giftig.

0,2 mg/l Eisen sind als oberer Grenzwort erlaubt. Ansonsten wird das Wasser braun und führt zu Flecken in der Wäsche.

0,05 mg/l Mangan dürfen bei einer Wasseranalyse maximal aufgespürt werden, wenn das Wasser trinkbar sein soll.

2500 µS/cm ist der erlaubte Wert für die Leitfähigkeit, welche Aufschluss über die Anzahl der gelösten Feststoffe im Wasser gibt.

20 mg/l Kaliumpermanganat sind im Trinkwasser maximal erlaubt. Liegt der Wert darüber, ist das Wasser mit organischen Komponenten belastet.

250 mg/l ist der Grenzwert für Chlorid, das vorwiegend über Salze (zum Beispiel Streusalz) ins Grundwasser gelangt.

240 mg/l ist die erlaubte Höchstgrenze beim Sulfatanteil. Sulfat kann im Körper abführend wirken.

100 ml Trinkwasser sind nur dann einwandfrei, wenn die Gesamtkeimzahl unter 100 liegt.

0 also absolut keine Coliformen Bakterien, die auf ein mögliches Vorhandensein krankheitserregender Bakterien hindeuten, dürfen in 100 ml Trinkwasser vorhanden sein.

Hintergrund

- Studenten der Universität in Bielefeld haben 1991 die Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie (AfU) gegründet.

- Ziel war und ist es auch heute noch, Umweltanalytik und umwelt-relevante Themen der Öffentlichkeit verständlich zu machen.

- Die Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie e.V. Mittweida ist in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen tätig.

- In den Landkreis Eichsfeld kommt die AfU zweimal im Jahr, um Proben für Wasser- und Bodenanalysen entgegen zu nehmen.

- Anlaufpunkt ist dabei immer das Rathaus „Wasserturm“ in Leinefelde.

- Durchgeführt werden Wasseranalysen von Trink-, Brauch-, Aquarien- und Oberflächenwasser sowie mikrobiologische Wasseranalysen.

- Angeboten werden zudem Bodenanalysen zur Nährstoffbedarfsermittlung und Untersuchung auf Schwermetalle.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige