„Waschitag“ - Rund um den Waschbär - Beim Bärin-Maika-(Gedenk)-Tag im Alternativen Bärenpark sind die putzigen Kleinbären Schwerpunktthema

Der Alternative Bärenpark in Worbis besitzt ein Waschbärengehege, in dem zur Zeit 14 Waschbären beheimatet sind.
 
Ah, der erste Waschbär traut sich aus dem Erdbau heraus, um zu erkunden, was Tierpflegerin Ulrike Richter im Eimer hat.
Leinefelde-Worbis: Alternativer Bärenpark | „Seit dem Frühjahr hatten wir schon hunderte von Anfragen zum Thema Waschbären, und auch bei fast jeder Führung hier im Bärenpark spielen die Tiere ganz oft eine Rolle“, erzählt Bärenpark-Leiter Ralf Wettengel. „Für uns ist das ein Zeichen, dass sich die Kleinbären auch hier im Eichsfeld sehr verbreitet haben, sodass die Leute privat immer öfter mit ihnen in Kontakt kommen.“

Schwerpunktfragen sind dabei: Was mache ich, wenn ich eine kleine Waschbären-Waise finde? Gibt es Unterbringungsmöglichkeiten für Waschbären? Wie kann ich Haus und Haustiere vor diesen Tieren schützen? Was muss ich tun, damit sie nicht auf meinen Dachboden gehen oder die Mülltonnen ausräumen? Und wie wirkt sich der Waschbär auf die heimische Flora und Fauna aus?

„Wir merken, dass hier ganz großer Informationsbedarf bei den Leuten besteht“, resümiert Ralf Wettengel. Aus diesem Grund bildet der Waschbär auch beim Bärin-Maika-(Gedenk)-Tag am 7. Oktober das Schwerpunktthema. „Der Bärenpark gestaltet schon seit Jahren immer am ersten Sonntag nach dem Welttierschutztag am 4. Oktober ein eigenes Tierschutz-Event, und weil eben der Waschbär derzeit so aktuell diskutiert wird, machen wir ihn zum Schwerpunktthema“, so Wettengel weiter.

So können die Besucher am 7. Oktober nicht nur Demonstrationstafeln und -anlagen besichtigen, die unter anderem erläutern, wie man sein Haus effektiv gegen Waschbären schützen kann. Vielmehr wird mit Frank Becker aus Kasel ein inzwischen weltweit gefragter Waschbär-Experte vor Ort sein, der zu dem Thema ebenfalls Rede und Antwort steht. Außerdem kann man Vorträgen über die Biologie und Verhaltensweisen von Waschbären sowie zu Schutzsystemen gegen diese Tiere lauschen.

Nicht zuletzt verfügen auch die Bärenpark-Mitarbeiter selbst inzwischen über einiges Wissen bezüglich der Waschbären, denn seit 2001 haben inzwischen 14 dieser putzigen „eingebürgerten Amerikaner“ in einem Gehege ein neues Zuhause gefunden. „Es handelt sich sämtlich um Waschbären-Findlinge, also Fundtiere, die man bei uns abgegeben hat. Wir haben ihnen ein eigenes Gehege mit viel Fläche, einem Teich und großen Bäumen geschaffen“, so Bärenpark-Leiter Ralf Wettengel.

Tierpflegerin Heike Lindemann ist speziell für die putzigen Kleinbären zuständig und hat im Laufe der Jahre zwangsläufig einen gewissen Erfahrungsschatz erworben. „Wir werden am Bärin-Maika-Tag zwei kommentierte Waschbären-Fütterungen durchführen, was sonst so nicht üblich ist“, verrät sie.

Für die kleinen Besucher gibt es am kommenden Sonntag einen Waschbär-Tastkasten und eine Waschbär-Rallye mit vielen tollen Preisen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

„Die Waschbären aus dem Alternativen Bärenpark Worbis haben das Bärsonal auch davon überzeugt, dass der Eintritt an diesem „Waschitag“ nur zwei Euro pro Person kosten wird“, verspricht Park-Leiter Ralf Wettengel schmunzelnd.

Historisches

- 1934 wurden zwei Waschbär-Pärchen am Edersee ausgesetzt. Aus diesen beiden Paaren hat sich bis heute eine Waschbärenpopulation von schätzungsweise einer halben Million Tiere entwickelt.
- Im Frühjahr 1945 sind nach einem Bombenangriff zirka zwei Dutzend Waschbären aus dem Zoo Wolfshagen in Brandenburg bei Berlin entkommen, die in Deutschland eine zweite „Waschbärenlinie“ gebildet haben.
- Außerdem geht man davon aus, dass auch einige Waschbären aus Pelztierfarmen entkommen sind.
- Die beiden „Hauptlinien“ kann man bis heute sehr gut unterscheiden, da bei den Edersee-Tieren der Waschbärspulwurm im Kot zu finden ist, bei den „Wolfshagenern“ dagegen nicht.


Hintergrund

Waschbären sind die Prügelknaben bei Deutschlands Wildtieren. Dabei gelten sie nach § 20 A Bundesnaturschutzgesetz seit langem als heimische Tierart und nicht als fremde Art nach § 28 BJAGDG.

Keinem Wildtier in Deutschland wird so zugesetzt wie dem Waschbären, dem Schäden am Niederwild nachgesagt werden, die letztlich aber Greifvögel und Füchse verursacht haben. Magen-, Darm- und Kot-Untersuchungen haben ergeben, dass der Waschbär sich zu 33 Prozent pflanzlich, zu 40 Prozent von wirbellosen Tiere und zu 27 Prozent von Wirbeltiere ernährt, wobei Fisch und Aas die Hauptnahrung sind.

Jedes Jahr kommen in Wildtierauffangstationen hunderte von Waschbären-Waisenkindern an, oftmals nicht älter als acht Tage, weil die Jäger die Schon- und Setzzeiten nicht einhalten und Waschbärenmütter gnadenlos erschießen. Oftmals werden Waschbärenmütter auch von streuenden Hunden tot gebissen oder von Autos überfahren.

Auch kommt es vor, dass Menschen auf ihrem Grundstück die Welpen einsammeln, und so der Mutter einfach die Kinder wegnehmen. In aller Regel kommt in der Abenddämmerung die Mutter, um ihre Kinder abzuholen. Wenn dies allerdings bis zum nächsten Morgen nicht geschehen ist, brauchen die Jungtiere dann tatsächlich dringend Hilfe.
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