Wie man es richtig macht - Baumschulgärtner Gerhard Schlie gibt Tipps zum richtigen Obstbaumschnitt

Gerhard Schlie auf der Streuobstwiese des Guts Herbigshagen an einem rund 15 Jahre alten Apfelbaum, der auf den Rückschnitt wartet.
DUDERSTADT.

Es ist Herbst, und da geht es auch an den Obstbaumschnitt. Bei diesem kann man allerdings ein Menge falsch machen. Damit dies nicht geschieht, gibt es an dieser Stelle Tipps vom Fachmann - von Baumschulgärtner Gerhard Schlie.

Grundsätzliches:

- Ein Baumschnitt erfolgt nicht, um einen Baum auf eine gewünschte Größe zurück zu schneiden. Über die Größe des Baumes entscheidet man nämlich bereits beim Kauf. Alle Obstbäume bestehen aus einer Kombination von Wurzelpflanze, der so genannten Unterlage, und der darauf veredelten Obstsorte. Diese Kombination entscheidet letztendlich über die Größe beziehungsweise Höhe des Baumes. Möchte man also einen Baum in einer gewissen Höhe haben, erwirbt man ihn bei einer fachkundigen Baumschule des Vertrauens.
- Ziel eines Baumschnittes ist es, Früchte mit einer optimalen Größe, guten Ausfärbung sowie einem typischen Zucker- und Säuregehalt zu erhalten. Eine Frucht kann aber eben nur gut wachsen, wenn in die Baumkrone Licht und Luft gut einfallen können.
- Der richtige Baumschnitt schützt vor Krankheiten, vor allem vor Pilzbefall.
- Gesundes Obst wächst immer nur an jungen Ästen. Mit dem richtigen Schnitt kann man also die Neubildung von Fruchtholz anregen und eine ständige Verjüngung desselben Erreichen.

Tipp 1: Ein Baumschnitt erfolgt immer von außen nach innen und von oben nach unten, sodass der Aufbau aus Spitze und Seitenästen erhalten bleibt.
Tipp 2: Von den Seitenästen nach innen zum Stamm hin wachsende Äste werden grundsätzlich entfernt.
Tipp 3: Beim Wegschneiden eines Astes sollte die Wundfläche möglichst klein ausfallen und kein Stummel, ein so genannter „Kleiderhaken“, gelassen werden.
Tipp 4: Bei sich kreuzenden oder aneinander scheuernden Ästen ist derjenige zu entfernen, der weniger dem Kronenaufbau dient.
Tipp 5: Es folgt im nächsten Schritt der Ausschnitt der einjährigen Triebe, die in der Wachstumszeit neu hinzu gekommen sind. Sie werden um mindestens ein Drittel (ist es weniger, kann man den Schnitt auch lassen) sowie um maximal zwei Drittel ihrer Länge gekürzt.
Tipp 6: Den Abschluss bildet das Einkürzen der Spitze, die man aber in Anschluss noch deutlich als solche erkennen muss.
Tipp 7: Es gilt die Regel: Auf einen starken Rückschnitt im Winter erfolgt ein starker Neuaustrieb im Folgejahr.

Zur Person Dipl.-Ing. Gerhard Schlie:

- Gerhard Schlie hat im Eichsfeld eine Ausbildung zum Baumschulgärtner gemacht und ist seit 17 Jahren schon als solcher tätig.
- Der Silkeröder pflegt unter anderem seit 2003 für die Heinz-Sielmann-Stiftung die Bäume auf dem Gut Herbigshagen, wo er zudem Obstbaum-Schnittkurse sowie Obstbaum-Veredelungs-Kurse anbietet.
- Die nächsten Seminare im Obstbaumschnitt auf Gut Herbigshagen in Duderstadt finden am Samstag, dem 16. November, und am 8. Februar 2014 statt. Der Veredlungskurs findet am 5. April 2014 statt. Eine Anmeldung ist bei der Heinz Sielmann Stiftung unter Telefon (05527) 91 42 14 und Telefon (05527) 91 42 15 erforderlich.
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