Der Asphalt wird brennen - Zuerst verboten, später belächelt und heute mit Kultstatus - das Ibergrennen in Heiligenstadt

Trotz ihrer Kürze weist die Strecke am "Holzweg" einen großen Höhenunterschied auf. (Foto: Stefanie Gille)
 
Nicht jeder Fahrer erreicht das Ziel, manchmal muss das geliebte Fahrzeug auch ein Stück geschoben werden. (Foto: Stefanie Gille)
HEILIGENSTADT. Sie hatten immer zum Iberg hinauf geblickt, im Geist die Motoren brummen gehört und schon förmlich den typischen Duft von Rennbenzin gerochen, Friedhelm Ferner und einige Gleichgesinnte des Heiligenstädter Motorsportclubs.

Immerhin reicht die Motorsportgeschichte in der Stadt bis ins Jahr 1923 zurück, in eine Zeit, in der sowohl das Automobil als auch das Motorrad, technisch gesehen noch recht „jung“ waren.

Und tatsächlich veranstalteten die Motorsport-Enthusiasten zwischen 1925 und 1929 bereits vier Rennen am Iberg. Allerdings schossen damals nur Rennmaschinen auf zwei Rädern - also Motorräder - über die kurvenreiche Strecke oberhalb der Kurstadt.

Die Idee einer Neuauflage dieser Bergrennen schlief nie wirklich ein. Tatsächlich fand 1976 das erste Ibergrennen in Heiligenstadt unter Teilnahme von Autos statt. Neben serien- und seriennahen Tourenwagen der Marken Trabant, Wartburg und Lada gingen hier auch Rennsportfahrzeuge, deren Besitzer über nationale und sogar internationale Lizenzen verfügten, an den Start.

Beim zweiten Ibergrennen im Folgejahr nahm dann schon die vollzählige DDR-Rennelite teil. Die Behörden des Arbeiter- und Bauernstaates zeigten sich allerdings nicht besonders glücklich darüber, dass die Veranstaltung so viele Menschen in einen grenznahen Kreis lockte. Man ließ aus reinem politischen Kalkül alle weiteren Bergrennen sterben.

Was vor der Wende praktisch unmöglich geworden war, rückte 1991 mit den veränderten politischen Verhältnissen plötzlich wieder in greifbare Nähe. Die Heiligenstädter Rennsportfreunde liefen bei der Obersten Nationalen Sportbehörde (ONS) und dem ADAC die Türen ein.

Zunächst allerdings wurden sie für ihr Vorhaben vor allem belächelt. Dass ein kleiner Club aus dem Osten gleich ein Bergrennen mit Lauf zur Deutschen Meisterschaft ausrichten wollte, erschien so manchem doch etwas vermessen.

Aber die MSC-ler aus Heiligenstadt ließen sich davon nicht entmutigen und brachten es tatsächlich fertig, die Iberg-Strecke 1995 als potentieller Meisterschaftslauf-Kandidat abnehmen zu lassen, wenn zunächst auch nur für Tourenwagen. Zwei Jahre später wurde der Traum der Club-Mitglieder dann schließlich wahr: 78 Tourenwagen, darunter einige mit Bergsport-Rennfahrer-Größen hinterm Lenkrad, gingen bei der Feuertaufe des ersten Ibergrennens der „Neuzeit“ an den Start.

Einer zufälligen Begegnung zwischen dem damaligen Vorsitzendes MSC Heiligenstadt, Friedhelm Ferner, und Dieter Althaus, zu jener Zeit Thüringer Kultusminister, beim Friseur, ist es zu verdanken, dass die Veranstaltung auch gleich einen prominenten Schirmherren bekam.

„Bergrennen, Drift und Trial - mehr Motorsport geht am Iberg nicht!"

Hermann Ludolph, Vorsitzender des MSC Heiligenstadt im ADAC und Orga-Leiter des Ibergrennens

In wenigen Tagen findet nun das 18. ADAC-Ibergrennen statt, und über die Rennsport-Enthusiasten des Motorsportclubs Heilbad Heiligenstadt e.V. im ADAC lächelt schon lange niemand mehr. Ganz im Gegenteil, das Rennen genießt inzwischen einen gewissen Kult-Status in der Bergrennsport-Szene, weshalb wieder hochkarätige Rennfahrer aus ganz Europa antreten werden.

„So viele Rennsportfahrzeuge wie noch nie - das wird ein Fest!", bringt es Hermann Ludolph, Vorsitzender des MSC Heiligenstadt im ADAC und Orga-Leiter des Bergrennens, auf den Punkt.

Hintergrund


Am 29. und 30. Juni geht das Ibergrennen in Heilbad Heiligenstadt in seine nunmehr 18. Auflage.
- Das Rennwochenende im Eichsfeld zählt zur Deutschen Bergmeisterschaft für Tourenwagen und Rennsportfahrzeuge.
- Das Training beginnt am Samstag, dem 29. Juni, um 8.45 Uhr.
- Nach dem Abschluss der Trainigsläufe gegen 18.00 Uhr wird es eine spektakuläre Trial-Show vom Team Immrsptz im Fahrerlager geben.
- Der Sonntag, 30. Juni, gehört ab 09.00 Uhr den Wertungsläufen.
- Driftfahrer Oliver Harsch – selbst früher Bergrennfahrer – zu verpflichten wird mit drei Autos und seinem Team am Berg sein und bei den Rückführungen zeigen, was es heißt, eine Kurve quer zu nehmen. Mutige Besucher des Bergrennens dürfen dabei gern gegen ein kleines Entgelt mit im Wagen sitzen.
- Eintrittkarten für das 18. ADAC-Ibergrennen gibt es an den Tageskassen.
- Durch das Fahrerlager darf kostenlos geschlendert werden.
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