An ein paar Stellschrauben drehen - DLRG Eichsfeld will die Zahl der Nichtschwimmer-Kinder drastisch senken

Marcus Pötzl mit dem DLRG-Adler, der momentan aber wohl weniger fliegen möchte, als vielmehr Aussschau nach ausbildungsgerechten Wasserflächen hält.
 
Wir von der DLRG tummeln uns immer da, wo es ausbildungsgerechtes Wasser gibt. Aber genau das ist das Problem", meint Dieter Arend, Vorsitzender der DLRG Eichsfeld (Foto).
Duderstadt: DLRG Geschäftsstelle | „Wir von der DLRG Eichsfeld tummeln uns immer dort, wo es Wasser gibt“, meint Dieter Arend, seines Zeichens Vorsitzender des Eichsfelder Ortsverbandes der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Letztere ist Deutschlands größter Anbieter von Schwimmkursen, und die Lebensretter im Eichsfeld leisten hier mit aller Kraft ihren Anteil. Schließlich haben sie sich das hehre Ziel auf ihre Fahne geschrieben, die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, drastisch zu senken. Und es gibt gar nicht so wenige Kinder, die das betrifft.

Laut einer bundesweiten Befragung der Grundschulen kann etwa die Hälfte aller Kinder nach der Grundschulzeit immer noch nicht sicher schwimmen. In Thüringen sind es rund 55 Prozent.

Eine Erhebung zur Region gibt es derzeit zwar noch nicht, aber die DLRG Eichsfeld startet Ende dieses Monats ein Projekt, in dessen Rahmen die Grundschulen der Region kontaktiert wurden, um zu erfahren, wie viele Kinder in den vierten Klassen das Deutsche Jugendschwimmabzeichen (DJSA) in Bronze oder höher besitzen. Das DJSA wird von den Lebensrettern nämlich als Mindesanforderung für einen sicheren Schwimmen angesehen.

„Wir wollen zumindest im Eichsfeld an ein paar Stellschrauben drehen“, versinnbildlicht Dieter Arend das Anliegen seiner Ortsgruppe. „Aber genau da liegt das Problem. Wir haben hier in der Region zwar viele Spaßbäder, aber nur wenige, die wir für die Schwimmausbildung unserer Kinder nutzen können.“

So gäbe es beispielsweise um das Duderstädter Hallenbad „Auf der Klappe“ derzeit große Spardiskussionen und die Sorge, wie lange die Einrichtung noch Bestand haben werde. Ähnlich sieht es mit der „Wipperwelle“ in Worbis aus. Das Hallenbad, um das sich eine Bürgerinitiative und ein neu gegründeter Förderverein bemühen, hat zwar erst einmal bis Ende 2014 Schonfrist, doch dann entscheiden wohl die Betriebszahlen über das weitere Schicksal. Auch die Bäderwelt Teistungenburg kämpft mit Wirtschaftlichkeitsproblemen.

Dem gegenüber stehen das Leinebad in Leinefelde sowie der Vitalpark in Heiligenstadt, die zwar sehr gute Bedingungen bieten, aber aufgrund der Auslastung kaum noch Luft für zusätzliche Ausbildungs-Wasserzeiten haben.

„Für die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung jeglicher Art sind Bäder und Wasserzeiten aber nun mal unabdingbar“, stellt Dieter Arend klar. Im Eichsfeld sieht er dies trotz der aufgezählten Probleme vorerst noch gewährleistet.

Bei den besagten „Stellschrauben“ haben die Eichsfelder Rettungsschwimmer momentan gleich mehrere Schraubenschlüssel angesetzt. So geht der Wettbewerb der Grundschulklassen um die meisten Jugendschwimmabzeichen in die nächste Runde. Zu gewinnen gibt es hier neben einem Pokal und Geld für die Klassenkasse als Wanderpreis eine Delfin-Skulptur.

Ganz neu ist der „Grundschüler-Cup“, bei dem alle Schulen mit Schwimmausbildung zu einem kindgerechten Wettkampf in die Schwimmhalle Duderstadt eingeladen werden. Zudem gestaltet die DLRG Eichsfeld im Rahmen von Kooperationen mit verschiedenen Schulen, zum Beispiel der Johann-Carl-Fuhlrott-Schule in Leinefelde sowie der Staatlichen Grundschule „Am Ohmgebirge“, einen Nachmittagsunterricht zum Thema Schwimmen.

„Doch wir wollen eigentlich schon viel früher ansetzen, nämlich bei den Kindergärten“, erklärt Dieter Arend. „Unser DLRG-Kindergartentag ist ein Riesenhit. Allein im vergangenen Jahr waren wir in 18 Kindertagesstätten unterwegs und haben mehr als 200 Kinder spielerisch mit den Baderegeln vertraut gemacht. Bedauerlich: Wir konzipierten den bundesweit ersten ‚nassen Kindergartentag‘ auf Teistungenburg, wo wir die verkehrsschwache Vormittagsstunde kostenfrei nutzen durften.

Das Projekt stoppt nun jäh! Die neue Leitung stellt das Haus zwar weiter gern zur Verfügung, allerdings gegen marktübliches Entgelt. Angesicht der Kosten verzichteten daraufhin die Eltern der Kids auf einen ‚nassen‘ Abschluss unserer Trockenübungen.“

Zur DLRG im Eichsfeld:


- Die DLRG Ortsgruppe Eichsfeld gibt es seit 1977.
- Nach ersten Gesprächen mit der DDR-Wasserwacht im November 1989 wurde die DLRG Ortsgruppe ab Mai 1990 offiziell auch im Thüringer Teil des Eichsfeldes aktiv.
- Die Ortsgruppe zählt heute knapp tausend Mitglieder.

Zur DLRG in Deutschland:


- In den 100 Jahren ihres Bestehens ist es der DLRG gelungen, die Zahl der Wasserunfälle in Deutschland um mehr als 90 Prozent zu reduzieren.
- Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ertranken deutschlandweit alljährlich mehr als 5.000 Menschen.
- 2011 ertranken bundesweit 410 Menschen, in Thüringen sogar nur ganze sieben.
- Ende 1913 zählte die DLRG ganze 432 Mitglieder.
- Heute engagieren sich 560.000 Menschen aktiv in der DLRG.
- Weitere 600.000 Menschen unterstützen die Idee der Lebensrettung mit Spenden, Zuwendungen und Stiftungen.
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