Christiäner in Feierlaune: 135 Jahre Karneval in Großbodungen

Hilfe, die Hexen sind los! Auch das gehört zur Tradition in Christianshausen. Seit 1992 ziehen die Frauen des Ortes am „fetten Donnerstag“ (Weiberfastnacht) von Haus zu Haus. Sie singen und sammeln für den Carneval-Verein. Foto: Marleen Müller (Foto: Marleen Müller)
  Am Ohmberg: GCC |

Kuhritt, Kuddelpost und Narrenpolizei: Großbodunger feiern seit 135 Jahren Karneval. Elf erstaunliche Fakten aus der Geschichte des Großbodunger Carneval Clubs

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Dass in Großbodungen am Ohmberg einer der ältesten Karneval­vereine Thüringens für gute Laune sorgt, ist Christian August Nicolai zu verdanken. Der Tischlergeselle erlebte während seiner Wanderschaft die Feierlaune im Rheinland und nahm die Idee mit nach Hause ins Eichsfeld. Ihm zu Ehren verwandelt sich der Ort zur 5. Jahreszeit noch heute in ­Christianshausen.

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Auf einer Kuh reitend führte „Prinz Carneval“ am 11. Februar 1880 den ersten Karnevalsumzug an. Ihm folgten ein Musikcorps und 15 mit Kühen bespannte Wagen, auf denen Schleifer, Schneider, Buchdrucker und andere mehr ihr Gewerk vorführten.

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Das Wort Mummenschanz kommt nicht von ungefähr. Jahrzehnte lang trugen alle Beteiligten des hiesigen Straßenkarnevals Masken. Erst um Mitternacht wurden diese abgenommen.

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Das bunte Treiben im Ort lockte so viele Schau­lustige an, dass 1937 sogar Sonderzüge von Nordhausen und Herzberg ins Eichsfeld fuhren. Es sollte der vorerst letzte Umzug werden.

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Nach dem 2. Weltkrieg belebten die Christiäner 1952 ihre Karnevals­tradition neu, formierten sich 1953 wieder zu einem Festzug. Mit einer Premiere: Erstmals übernahm neben dem Prinzen auch eine Prinzessin die närrische Regentschaft. Ein Hoch der Eman­zipation.

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Christianschlitten, Teepavillon, riesiges Bierfass – die Christiäner wussten bei der Wagengestaltung immer durch ihre Fantasie und Baukunst zu begeistern. Die imposanteste Konstruktion war wohl der Zeppelin von 1955. Das „selbstfahrende“ Luftschiff wurde auf eine Bandkreissäge montiert. Damals gab es noch viele große Scheunen, in denen solche Wagen gebaut werden konnten.

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Man(n) muss nicht ­kriminell sein, um von der Narrenpolizei abgeführt zu werden. Vor dem Umzug streifen die Gendarmen – damals wie heute – durch den Ort und fangen gern auch harmlose Passanten ein. Im Schützenhaus kommen die Delinquenten dann vor ein närrisches Gericht und können sich gegen einen kleinen Obulus zu Gunsten des Vereins freikaufen.

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Hoch zu Ross gratulierten im Jahr 1980 Reiter vom damaligen Volksgut auf der Nordhäuser Darre zum 100-jährigen Jubiläum des Carnevalclubs. Sie bereicherten den Zug mit 25 Pferden.

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Ein echter Christiäner wird man nur durch das „Privileg der Geburt“ oder durch die Taufe mit ein paar Tropfen aus dem „Fließwasser“, wie die Einheimischen ihren Bach nennen. Für die Taufzeremonie wurde eine der sieben Brücken im Ort zur Prinzenbrücke gekürt.

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Alle fünf Jahre stellen die Christiäner heutzutage einen Karne­valsumzug auf die Beine. Am 15.  Februar ist es wieder soweit. Angemeldet haben sich 30 Wagen und Fußgruppen. Das älteste Gefährt ist die Kuddel­post aus dem Jahr 1936: Ein sich drehendes Holzbrett symbolisiert, wie langsam die Post angeholpert (angekuddelt) kommt. Gezogen wird die Kuddelpost aber nicht mehr von Kühen oder Pferden, sondern vom Traktor.

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Fünf Jahre – so lange regiert auch das Prinzen­paar. Zur ­Prinzenproklamation am 7.  Februar werden die ­neuen Hoheiten gekürt, die ihr ­närrisches Volk zum Umzug aus einer historischen ­Kutsche grüßen.

Karnevalsumzug 2015:

15. Februar, Start 13 Uhr im Gewerbegebiet, ­Moderation des Zuges auf der großen ­Brücke (Wallröder Straße)
» Mehr Infos und Termine unter www.grossbodunger-carneval-club.de
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