Das große Halali - Der Wettstreit um den Fuchsschwanz: Der Reitverein Büttstedt und seine traditionsreiche Hubertusjagd

Wann? 22.10.2011 09:00 Uhr

Wo? Reitplatz, Reitplatz, 37359 Büttstedt DE
Zum Abschluss der Hubertusjagd beim Fuchausreiten wird im gestreckten Gallopp der Fuchsschwanz von einem Seil abgerissen. (Foto: Reitverein Büttstedt)
 
Stefan Eisenhardt vom Reitverein Büttstedt mit seinem Schimmel zu Beginn der Jagd. (Foto: Reitverein Büttstedt)
Büttstedt: Reitplatz | Jetzt im Oktober steht sie wieder an, die traditionelle Hubertusjagd des Reitvereins Büttstedt. Neben den Vereinsmitgliedern werden in diesem Jahr auch wieder einige Gäste von außerhalb erwartet. Schließlich ist die Jagd nach dem Fuchs schon ein ganz besonderes Ereignis.

Die Büttstedter Reitfreunde sind zwar nicht die einzigen im Eichsfeld, die Hubertusjagden veranstalten, doch sie haben ihre ganz eigenen Traditionen. Bereits acht Tage vor der eigentlichen Jagd sucht der „Master“, Hartwig Fischer, die Strecke aus und präpariert sie.

Die Witterungsbedingungen sind ebenso zu berücksichtigen, wie die örtlichen Gegebenheiten. So stehen beispielsweise Gespräche mit Bauern an, deren Felder bei der Jagd überquert werden müssen. Auch etwaige Hindernisse sind zuvor auszumachen.

Am Tag vor der Hubertusjagd steht der große Pferdeputz an. Die Tiere werden gestriegelt, das Sattelzeug auf Hochglanz gebracht. Die Frauen des Büttstedter Vereins bereiten zeitgleich einen großen Eintopf für das Mittagessen im Wald vor. Am Tag der Jagd selbst beginnen die Vorbereitungen sehr früh. Noch einmal werden die Pferde herausgeputzt, und auch die Reiter möchten sich natürlich von ihrer besten Seite präsentieren. Glänzende Stiefel zum Beispiel sind Pflicht! Schließlich gibt es da ja auch noch das Jagdgericht, das Pferd und Reiter während der Jagd äußerst kritisch unter die Lupe nimmt.

Bevor es jedoch in Feld und Flur geht, gibt es zunächst ein deftiges Reiterfrühstück auf dem Reitplatz. Im Oktober ist es am Morgen doch schon recht kalt, und da sind Tee und Kaffee genau das Richtige. Dabei zeigte sich der Veranstaltungstag im vergangenen Jahr mit viel Sonne durchaus von seiner besten Seite. So viel Glück haben die Büttstedter Reitfreunde und ihre Gäste jedoch nicht immer. Dauerregen, dichter Nebel, ja sogar Schnee, gab es zur Hubertusjagd schon. Abgeblasen wird die Veranstaltung deshalb aber nicht.

Eine Ausnahme bildet Glatteis, bei dem die Pferde keinen Halt finden, und die Verletzungsgefahr somit zu hoch ist. Nicht zuletzt aus diesem Grund führt der Reitverein seine Hubertusjagd inzwischen nicht mehr im November sondern bereits im Oktober durch.

Gegen 10.00 Uhr heißt es: „Aufsitzen!“ Die Jagdhornbläser aus Bickenriede geben lautstark das Signal dazu. Der Tross, in der Regel aus zirka 30 Reitern und fünf bis sechs Kremserwagen bestehend, bricht auf und beginnt die Jagd zunächst mit einem obligatorischen Umzug durch Büttstedt.

Dann geht es weiter über Küllstedt zur Hollau, einem Waldgebiet. In der Wanderhütte an den „Dicken Eichen“ wird das Mittagessen am Lagerfeuer eingenommen. Danach geht es Zu Pferd und zu Wagen über Anrode zurück nach Büttstedt. Meister Reinecke wird auf der zirka 15 Kilometer langen Strecke übrigens nicht wirklich gejagt, der Tierschutz verbietet dies. Vielmehr steht das gemeinschaftliche Reiterlebnis in der Natur im Vordergrund.

Spannend wird es dann aber am Nachmittag beim Ausreiten des Fuchses doch noch. Letzterer - besser gesagt sein Schwanz - hängt an einem Seil in etwa drei Metern Höhe und muss von den Reitern mit Schnelligkeit und viel Geschick ergattert werden. Die rund 20 Wettkampfteilnehmer starten dabei unterhalb des Platzes und sprengen in gestrecktem Galopp zum Turnierfeld hinauf - was schon ziemlich beeindruckend ist.

Nach dem Wettkampf stellen sich alle Reiter mit ihren Pferden um Halbkreis auf und erhalten einen „Tannenbruch“ (Tannenzweig) sowie ein Gläschen zum Anstoßen.
Dem Sieger wird der Fuchsschwanz als Trophäe übergeben. Am Abend findet die Hubertusjagd in der Büttstedter Festhalle dann mit einem Reiterball ihren würdigen Abschluss. Das Jagdgericht nutzt den Abend, um die tagsüber festgestellten „Vergehen“ zu bestrafen. Die Strafen sind übrigens ziemlich heftig, denn die Delinquenten müssen vor den Versammelten singen oder tanzen. Immerhin aber gibt es für sie nach der „Bestrafung“ einen Schnaps.

Aber Vorsicht, auch bei diesem kann man doch wieder etwas falsch machen, denn ein echter Reiter trinkt mit der linken Hand, weil er in der Rechten schließlich immer die Zügel halten muss.

Fakten
• Zur Hubertusjagd in Büttstedt konnte sogar schon eine Reiterin aus der Schweiz begrüßt werden
• Bisher jüngster Teilnehmer der Hubertusjagd war der zum Zeitpunkt der Veranstaltung erst fünf Jahre alte Angelo Kaufhold aus Büttstedt, der älteste Teilnehmer heißt Reinhold Staufenbiel und ist Jahrgang 38.
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