Das Große im Kleinen bewahren - Originalgetreu und detailverliebt: TT-Modelleisenbahnanlage des Eisenbahnclubs Leinefelde e.V.

Dem Vorbild in der realen Welt detailgetreu nachempfunden: Das Lengenfelder Viadukt mit den unterhalb liegenden Häusern.
 
40 bis 50 Lokomotiven plus ein Vielfaches an dazu passenden Waggons nennt Frank Jachmann sein eigen. Andere Mitglieder des Leinefelder Eisenbahnclubs kommen da auf noch weitaus imposantere Zahlen.
LEINEFELDE. Mit Klebstoff und einem kleinen Pinsel „bepflanzt“ Frank Jachmann einen Berghang oberhalb der Eisenbahnschienen mit Gras. Das sieht nach echter Filigranarbeit aus, denn der Berg existiert nur im Maßstab 1:120 und ist genauso wenig echt, wie es der Rasen ist.

Wobei das modellierte idyllische Stückchen Natur doch schon sehr realistisch aussieht. Wie auch alles andere auf der riesigen TT-Modelleisenbahnanlage des Eisenbahnclubs Leinefelde e.V.

Kein Wunder, die Mitglieder bauen seit vielen Jahren schon an der Anlage, und die Detailverliebtheit so manches Mitwirkenden scheint kaum Grenzen zu kennen. Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt und genauer hinsieht, entdeckt man auf der Anlage eine komplette Miniwelt.

Da ist jemand zu sehen, der seinen Trabant repariert, während an anderer Stelle Kohlen ins Haus geschleppt werden. Und in den Ställen einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft tummeln sich tatsächlich Kühe. Nun gut, es ist längst noch nicht alles fertig, denn an den Wäschegerüsten hinter den Wohnblöcken fehlen noch die Wäscheleinen nebst trocknender Wäsche.

„Aber das kommt noch“, sagt Frank Jachmann gelassen. Und dann gesteht der Vorsitzende des Leinefelder Eisenbahnclubs lächelnd: „Wir wollen schließlich immer noch ein bisschen basteln. Und wenn wir wirklich einmal fertig sein sollten, können wir schon wieder anfangen, dies und jenes zu erneuern.“

Als sich der Leinefelder Eisenbahnclub 1993 aus einer Gemeinschaft interessierter Eisenbahnfreunde gründete, ging es ihm eigentlich mehr um die Rettung beziehungsweise Erhaltung von Dingen in der echten großen Welt. Dazu zählten die druckluftbetriebene Drehscheibe auf dem Bahnhofsgelände des Leinefelder Bahnhofes, das Stellwerk Leinefelde-LW sowie der Einsatz für den Neubau der Eichenberger Kurve. Letztere ist heute für Züge direkt nach Göttingen Realität.

„Was wir hier tun können, tun wir auch. Allerdings mussten wir feststellen, dass dies sehr aufwändig ist“, meint Frank Jachmann. Im Laufe der Zeit blieben von den ursprünglichen Mitgliedern nur die Anhänger der Modellbahn-Sparte übrig, welche die Erinnerung an verschiedene Eichsfelder Bahnhöfe und Eisenbahn-Anlagen auf ihre Weise wach halten.

Was im Großen aus vielerlei Gründen nur bedingt funktionieren kann, kennt im Miniaturformat nur wenige Grenzen. 2000 begann der Verein mit dem Aufbau einer zwölf mal vier Meter großen TT-Anlage, auf der sich neben rund 400 Metern Gleisstrecke und viele Vorbilder aus der realen Welt wiederfinden.

Wie etwa die originalgetreu nachgebildeten Bahnhöfe von Dingelstädt, Worbis und Lengenfeld unterm Stein. Prunkstück der Anlage ist jedoch das Lengenfelder Viadukt, das anhand alter Unterlagen des Kanonenbahnvereins zunächst am Computer geplant und dann in mühevoller Handarbeit aus Messing-Ätz-Teilen von Vereinsmitglied Tobias Mrosk zusammen gelötet wurde.

In der Miniaturwelt der TT-Anlage stecken auch Kindheitserinnerungen der Modelleisenbahner. Man entdeckt hier Gebäude, die heute nicht mehr existieren. Wie zum Beispiel das alte Kornhaus nahe dem Worbiser Bahnhof, das in der realen Welt längst abgerissen wurde. So mancher Eichsfelder dürfte daher beim Betrachten der Anlage sicher wehmütig an zurückliegende Zeiten erinnert werden.

Regelmäßig samstags treffen sich die Mitglieder des Leinefelder Eisenbahnclubs für drei bis vier Stunden. „Manchmal wird nur geschwatzt, manchmal an der Anlage gebaut und manchmal eben gefahren“, meint Frank Jachmann, der mit knapp 50 eigenen Lokomotiven plus eines Vielfachen an entsprechenden Wagen eher zu den Club-Mitgliedern mit relativ wenig Fahrzeugen gehört.

Über die Samstags-Treffen hinaus reisen die Eichsfelder Eisenbahnfreunde zu großen Modelleisenbahn-Messen und -Ausstellungen in Leipzig, Köln, Meiningen, Dresden und Kopenhagen, um sich einerseits zu informieren und sich andererseits mit ihrer Anlage selbst zu präsentieren. Dabei durften sie bereits in Leipzig, Köln, Meiningen, Dresden und Kopenhagen mit ihrer TT-Anlage zu Gast sein.

„Im Februar 2014 wird es wieder zur Modellbau Dresden gehen, die in diesem Jahr immerhin 17.000 Besucher hatte. Und natürlich zeigen wir uns in diesem Jahr auch auf heimischem Territorium“, verspricht Frank Jachmann mit Blick auf die am 16. und 17. November geplante Ausstellung, unter anderem mit der großen TT-Anlage in der Obereichsfeldhalle in Leinefelde.

Hintergrund und Fakten


- Die Mitglieder des Eisenbahnclubs Leinefelde e.V. stellen ihre TT-Modellbahnanlage auch immer wieder mal der Öffentlichkeit vor.
- Die Anlage lässt sich für den Transport in einem Lkw in zwölf Segmente zerlegen und sich in drei verschiedenen Versionen wieder zusammen setzen.
- In der größten Version hat die Anlage eine gleichschenklige U-Form mit zwölf Metern Länge und vier Metern Breite.
- Der Aufbau dauert etwa vier bis fünf Stunden. Dagegen nimmt der Abbau der gesamten Anlage maximal anderthalb Stunden in Anspruch.
- Momentan arbeiten die Clubmitglieder an der Fertigstellung der letzten drei Segmente.
- Am 16. und 17. November, jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr, zeigt der Eisenbahnclub Leinefelde e.V. unter anderem seine TT-Modellbahnanlage in Leinefelde in der Obereichsfeldhalle in einer eigenen Ausstellung mit Modellbau-Börse.
- Eichsfelder, die hier ihre eigene Anlage präsentieren wollen, können dies gerne tun.
- Neue Mitglieder sind im Club immer herzlich willkommen.
Kontakt und weitere Informationen: www.eisenbahnclub-leinefelde.de
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