Die kleinste Thüringer Schule zeigt Gesicht - Entspannt, angstfrei und sehr familiär - Alternatives Lernen in der IGEL-Schule Silkerode

Mathe-Unterricht: Lehrerin Constanze Tilch (links) hilft Louis bei der Subtraktion.
 
Die IGEL-Schule in Silkerode zeigt im wahrsten Sinne des Wortes ihr Gesicht. (Foto: IGEL-Schule)
Silkerode: IGEL-Schule | Von Peter Schindler

SILKERODE. Die IGEL-Schule in der kleinen Eichsfeldgemeinde Silkerode ist momentan die wohl kleinste Grundschule in ganz Thüringen. IGEL, das steht für Integrative Grundschule im Ellertal.

„Der Name steht aber auch für das Stacheltier, den Igel“, sagt Schulleiterin Constanze Tilch und erklärt, warum: „Der Igel ist sehr neugierig, zeigt aber auch schon mal seine Stacheln, wenn es sein muss. Und er ist ein heimisches Tier.“

Die IGEL-Schule besitzt in vielerlei Hinsicht ein ganz eigenes Gesicht. So wird der Besucher schon vor dem Betreten der Einrichtung von einem freundlichen Gesicht auf der Außenfassade begrüßt.

In den beiden Unterrichtsräumen machen sich die Kinder gerade noch „warm“ für den Unterricht. Während sich Selina, Maie und Jannes gemeinsam mit einer Praktikantin an einem Puzzle versuchen, dreht sich bei Lotta, Jannik, Nino und Louis im Nachbarraum alles um Karnevalssüßigkeiten, deren Verkauferlös Kindern in Afrika zu Gute kommen soll.

Es geht - nicht zuletzt aufgrund der „sehr übersichtlichen“ Schülerzahl - sehr entspannt und familiär zu. Und vor allem „angstfrei“ - in der „Zwergschule“ können die derzeit elf Kinder ohne Leistungsdruck ihren eigenen Lernweg finden und gestalten. Die Ganztagsgrundschule setzt auf alternative Lernwege, zu denen ausgiebige Spielphasen in den Pausen und spielerische Lernerfahrungen gehören.

Aber natürlich gibt es auch richtigen Unterricht mit Büchern, Arbeitsheften und Lernmaterialien nach Montessori. So ist jetzt Mathe an der Reihe - es geht um schriftliche Subtraktion. Obwohl die Mädchen und Jungen zum Teil aus unterschiedlichen Klassenstufen sind, werden sie gemeinsam unterrichtet.

„Das fördert die gegenseitige Unterstützung und soll gerade den Kleinsten den Übergang ins Schulleben erleichtern, können sie doch viel von den Erfahrungen und dem Können der älteren Schüler profitieren“, erläutert Constanze Tilch, die neben ihrer Leitungsfunktion auch als Lehrerin tätig ist. Ihr zur Seite stehen zwei Honorarlehrer (für Englisch und Ethik) sowie eine unterstützende pädagogische Kraft. Derzeit verstärkt zudem Praktikantin Nadine Blenke das kleine Team.

Seit fast zehn Jahren gibt es die IGEL-Schule nun schon in Silkerode. Als genehmigte Grundschule kann sie alle schulfähigen Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren aufnehmen. Derzeit besuchen nicht nur Jungen und Mädchen aus Silkerode die Einrichtung, sondern auch aus den benachbarten Ortschaften, aufgrund der nahen Landesgrenze sogar aus Niedersachsen.

Hintergrund zur Schule:


Als Pläne zur Schließung der damaligen Grundschule in Silkerode bekannt wurden, Gründfete sich eine Elterninitiative. Die zirka 20 Mitglieder kamen nicht nur aus Silkerode selbst, sondern unter anderem auch aus Bockelnhagen, Brochthausen, ja sogar aus Bad Lauterberg.

Die Schließung der Staatlichen Grundschule konnte nicht verhindert werden, das „Aus“ kam im Sommer 2002 . Die Initiativ-Mitglieder entschlossen sich schließlich, eine eigene neue Grundschule aufzubauen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wurde die Elterninitiative in den gemeinnützigen „Förderverein Unabhängige Schule Südharz-Ellertal“ (kurz FUSSEL e.V. genannt) umgewandelt, der zukünftig auch der freie Träger der neuen Grundschule sein sollte.

Um eine funktionierende Schule zu schaffen, musste der Verein drei grundsätzliche Probleme klären:
1. Nach welchem pädagogischen Konzept soll unterrichtet werden?
2. Wie wird sich die Einrichtung finanzieren?
3. Wo finden sich entsprechende Räumlichkeiten?

Die Vereinsmitglieder besuchten freie Grundschulen in verschiedenen Bundesländern, um ein pädagogisches Konzept zu finden, das den Vorstellungen des Vereins entspricht.

Die Antwort auf das zweite Problem fand sich in Form eines Bürgschaftskredites, der notwendig war, um die ersten drei Jahre zu überbrücken (in Thüringen gibt es erst ab dem 4. Schuljahr eine staatliche Unterstützung für freie Schulen).

Die entsprechenden Räumlichkeiten fanden sich zunächst im so genannten „Hohen Haus“ in Bockelnhagen.

Mit dem neuen Schuljahr 2003/2004 startete die IGEL-Schule mit 14 Schulkindern der ersten bis dritten Klassenstufe und einer Lehrerin. 2007 entschied sich der Förderverein FUSSEL e.V., den Schulstandort von Bockelnhagen nach Silkerode zu verlegen um dort in Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten Verein Lebens(t)räume e.V. ein neu erworbenes Gelände zu gestalten. Nach umfassenden Umbauarbeiten konnten die neuen Räumlichkeiten zu Beginn des Schuljahres 2008 bezogen werden.

Termine


- Am 26. Februar um 19.30 Uhr öffnet die IGEL-Schule in Silkerode, Dorfstraße 50, ihre Tore und ihr Gesicht.
- In einem Informationsabend, der um 20.00 Uhr beginnt, werden das pädagogische Team und der Trägerverein der freien Grundschule, das Schulkonzept der Ganztagsschule vorstellen.
- Weitere Informationen findet man im Internet unter www.igel-schule.de oder direkt Bei einem Besuch in der Schule. Auch Hospitationen sind möglich.
- Am Samstag, dem 9. März, lädt die IGEL-Schule außerdem von 10.00 bis 12.00 Uhr ganz herzlich zu einem Tag der offenen Tür ein.
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1 Kommentar
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Johannes Hanel aus Eisenach | 05.09.2014 | 21:42  
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