Ursprünglich ging es nur ums Rasenmähen - Kirmesverein Niederorschel hat neuen Glanz in die alten Mauern der Klüschenkapelle gebracht

Seit 16 Jahren freiwillige Verpflichtung: Das Rasenmähen rund ums die Klüschenkapelle durch die Kirmesvereinsmitglieder. Auf dem Bild: Thomas Bickler auf seinem Rasentraktor. (Foto: Steffen Schwanstecher)
 
Die Klüschenkapelle Niederorschel in der Außenansicht: In diesem Jahr feiert sie ihren 110. Geburtstag. (Foto: Steffen Schwanstecher)
Seit 16 Jahren gibt es den Kirmesverein Niederorschel schon, und seit 16 Jahren mäht der Verein in jedem Frühjahr rund um die Klüschenkapelle am westlichen Rand des Marktfleckens den Rasen.

So treffen sich auch dieses Mal in der letzten Aprilwoche die Vereinsmitglieder, um der knapp fußballfeldgroßen Fläche mit Handrasenmähern und Rasentraktoren zu Leibe zu rücken. Normalerweise wären damit die Aktivitäten des Vereins an der Klüschenkapelle erledigt. Nicht so aber in diesem Jahr.

Der Grund: Die Kapelle soll zu Pfingsten einen neuen Altar bekommen. Eine schöne Sache. Allerdings... „Dann muss die Kapelle aber zuvor renoviert werden. Lasst uns das doch als Kirmesverein machen“, drängt Karl-Heinz Pfützenreuter in einer Versammlung Anfang Mai.

Neben viel Zustimmung gibt es auch mahnende Stimmen, dass dann aber alles auch fachlich korrekt ausgeführt werden müsse. Man beschließt, sich kompetenten Beistand zu holen und spricht Reinhard Bergner vom örtlichen Malerbetrieb an. Der Malermeister findet sich nicht nur sofort zu fachlichem Rat bereit, sondern stellt dazu auch noch Technik und Material zur Verfügung.

Und er hat auch gleich einen ersten Tipp für die Kirmesburschen: „Ihr dürft nicht nur den Chorraum malern, sondern müsst den gesamten Innenraum der Kapelle neu machen.“

Am 7. Mai sieht man dann 15 Kirmesvereinsmitglieder im straffen Arbeitseinsatz. Um 22.00 Uhr an diesem Tag ist das Tagesziel erreicht, die alte Farbe von den Kapellenwänden herunter gewaschen. Am Folgetag setzen sich die Arbeiten mit Rolle, Deckenbürste und Pinsel fort, es wird grundiert.

Am 9. Mai schließlich geht es ans Anstreichen des Chorraumes sowie der Wände des Kirchenschiffes. Für das notwendige Licht sorgt ein Notstromaggregat, denn die Kapelle selbst verfügt über keinen Stromanschluss. Am Samstag, dem 11. Mai, wird das Baugerüst aus der Kapelle entfernt, und die Kirmesvereinsmitglieder glauben nun aufatmend, dass alles geschafft sei.

Malermeister Reinhard Bergner beraubt sie bei einer Vorortbesichtigung jedoch dieses Glaubens. „Gut gemacht“, lobt er zunächst, um dann jedoch hinzu zu fügen: „Wenn ihr jetzt schon so weit gekommen seid, macht es Sinn, auch noch die Decke sowie die Empore zu renovieren.“

Das schaffe man bis Pfingsten definitiv nicht, ist man sich im Kirmesverein einig, und hatte diese Arbeiten wohlweislich schon auf die Zeit nach der Kirmes Ende September verschoben. „Doch, das schaffen wir. Ich stelle auch Leute und Material zur Verfügung, dann werden wir pünktlich fertig“, beharrt der Niederorschler Malermeister.

Daraufhin wird das Klüschen zwei Tage später erneut eingerüstet, und der Kirmesverein stürzt sich - wieder - in die Arbeit. Am Abend des 15. Mai ist es geschafft, kann nach den letzten Malerarbeiten das Gerüst endgültig entfernt werden. Die beiden Folgetage stehen ganz im Zeichen von Rest- und Reinigungsarbeiten. Am Samstag vor Pfingsten kann Tischler Heinrich Beckmann den neuen Altar aufbauen, den Pfarrer Christian Gellrich am Pfingstmontag einweiht und segnet.

„Wenn wir vorher gewusst hätten, welchen Umfang die Arbeit annehmen würden, hätten wir uns nicht zugetraut, das bis Pfingsten zu schaffen“, sagt Steffen Schwanstecher, stellvertretender Vorsitzender des Kirmesvereins. „Aber alle Helfer haben ihre privaten Belange zurückgestellt und sich voll mit eingebracht. Wir hoffen, dass wir mit unserer Aktion ein klein wenig dazu beigetragen haben, das Klüschen mehr in den Fokus der Gemeinde zu rücken.“

Historisches und Hintergrund


- 2003 feierte die Klüschenkapelle am westlichen Rand Niederorschel ihr 100-jähriges Bestehen.
- Ab 1760 lebte der Überlieferung nach ein Eremitenbruder namens Bernhard Barthel an der Stelle der heutigen Klüschenkapelle in seiner Eremitenklause.
- Er erbaute 1778 auf drei mal zweieinhalb Metern Fläche eine Wendelinuskapelle.
- Der Initiative des Lehrers Christoph Thraen ist es zu verdanken, dass ab 1903 eine größere Kapelle errichtet werden konnte, die am 11. September 1907 feierliche Einweihung feierte.
- 1971/1972 erfuhr die Kapelle eine grundlegende Umgestaltung. Der neugotische Altar wurde entfernt. Die Pieta, die noch aus der alten Kapelle stammt, kam an seine Stelle
- Im Frühjahr 1934 erfuhr das Klüschengelände aufgrund einer Schenkung der Geschwister Hentrich von zwei Morgen eine beträchtliche Erweiterung.
- Im Jahre 2010 stellte der Kirmesverein Niederorschel bei der Kapelle drei neue Kreuze auf.
- Bis heute halten Gläubige aus der Pfarrgemeinde an der Erfüllung eines alten Versprechens fest - das wohl noch aus der Pestzeit stammt - und versammeln sich jedes Jahr am 1. Mai und den darauffolgenden acht Sonn- und Feiertagen in aller Herrgottsfrühe am Klüschen zum gemeinsamen Gebet.
- Am Pfingstmontag, dem 20. Mai 2013 wurde der neue Altar, den Tischler Heinrich Beckmann aus Niederorschel nach historischem Vorbild gebaut hat, in der Kapelle eingeweiht.
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