Wir werden gehört - Die Landfrauen: Erhalten alte Traditionen vertreten die Interessen der Frauen im ländlichen Raum

In einem Zimmer im Obergeschoss des Gülden Creutz gibt es auch einen fuktionstüchtigen historischen Webstuhl, an dem die Landfrauen ihren Gästen das alte Handwerk zeigen können. Auf dem Foto v.l.n.r. Elfriede Grimm, Rosalinde Klaus und Margit Bierbach.
 
Landfrau Margit Bierbach aus Stöckey, hier am Garnreifen, ist nicht nur Mitglied in der Ortsgruppe Worbis, sondern gehört auch zum Vorstand des Thüringer Landfrauenverbandes.
Leinefelde-Worbis: Gülden Creutz | WORBIS. „Es gibt viele gute Gründe, eine LandFrau zu sein“, sagt Margit Bierbach aus Stöckey, Mitglied in der Ortsgruppe Worbis des LandFrauenverbandes Thüringen.

Und sie erklärt auch gleich, warum: „Unser Image mit Kopftuch, Gummistiefeln sowie vielen Back- und Kochrezepten in der Tasche - das sind wir nicht. Oder besser gesagt, nicht nur. Viel wichtiger ist unser eigentlicher Vorteil: Wir werden noch gehört. Ich sitze beispielsweise im Vorstand des Thüringer Landesverbandes, der in zahlreichen Fachausschüssen in Berlin vertreten ist. Was die Landfrauen hier zu sagen haben, hört man sich auch im Bundestag an.“

Die LandFrauen setzen sich in vielfältiger Weise für die Belange der Frauen im ländlichen Raum ein. Wie etwa durch Beteiligung an einer Unterschriftensammlung für die Anerkennung der Erziehungszeiten von Müttern vor 1992. Aber es geht natürlich auch um die Wahrung und Pflege von Brauchtum und Traditionen. Hiervon hat das Eichsfeld schließlich eine Menge zu bieten.

„Beinahe jede Woche kommen Schulklassen und Hortgruppen zu uns, denen wir die alten Handwerkskünste näher bringen. Allein in der vergangenen Woche hatten wir hier 60 Kinder aus der Grundschule Gieboldehausen zu Gast, denen wir die gesamte Wollverarbeitung zeigten“, erzählt Elfriede Grimm, Vorsitzende der Ortsgruppe, und streicht über ihre hellrote Schütze, die zusammen mit einer weißen Bluse und einem blauen Rock die LandFrauen-Tracht bildet.

Vom ersten Waschen der Rohwolle über das Spinnen, Zwirnen, Haspeln und Kardieren bis zur strickfertigen Wolle ist etwa ein halber Tag Arbeit notwendig. Das Spinnen von Wolle für ein einziges Paar Strümpfe nimmt beispielsweise rund acht Stunden in Anspruch. „So viel Geduld haben die Kinder allerdings nicht“, schmunzelt die Ortsgruppen-Vorsitzende.

Zusammen mit den anderen LandFrauen legt sie darauf Wert, dass die kleinen und größeren Besucher auch in ganz normale Alltagsdinge eingewiesen werden, wie zum Beispiel das Annähen eines Knopfes.

Der LandFrauen-Bundesverband stellt jedes Tätigkeits-Jahr unter ein anderes Motto. 2013 lautet es: „Landfrauen bitten zu Tisch“. Vor diesem Hintergrund hat die Ortsgruppe Worbis schon Pläne, ein „Kochen mit Kindern“ zu gestalten.

Seit 2006 schon kommt Margit Bierbach im Rahmen eines Landfrauen-Projektes an verschiedene Schulen, um Grundschüler über eine sechswöchige praktische Ernährungslehre hinweg zum „aid-Ernährungsführerschein“ (aid - Agrarinformationsdienst) zu führen. „Leider hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz seine Förderung eingestellt“, bedauert sie. „Dabei ist das Projekt eine sehr gute Sache, und ich würde es gerne fortsetzen.“

Im Frühjahr 2014 ist unter dem Motto „Waschen wie damals“ ein Waschtag mit Kindern geplant. „Da werden wir nicht nur den Umgang mit dem Waschbrett bei der Handwäsche demonstrieren sondern auch über das Thema Nachhaltigkeit und den umweltschonenden Einsatz von Waschmitteln reden“, verspricht LandFrau Elfriede Grimm.

Die LandFrauen-Ortsgruppe Worbis


- Die LandFrauen-Ortsgruppe Worbis wurde am 26. September 1995 durch 14 Frauen gegründet.
- Heute gehören ihr 21 Frauen aus Worbis, Kirchohmfeld, Stöckey, Birkungen, Bleicherode und Zwinge an.
- Ihren Sitz hat die Ortsgruppe in den Räumen der Frauenwerkstatt in Worbis im Gülden Creutz.
- Neben den monatlichen Treffen unternehmen die LandFrauen auch Ausflüge, Fahrten und Wanderungen.
- Seit 1. Januar diesen Jahres wird die Ortsgruppe mit ihrem Projekt „Erfahrung trifft Zukunft“ durch den Lokalen Aktionsplan im Rahmen des Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“ unterstützt.
- Im Rahmen dieses Projektes erlernen Kinder alte Handwerkstechniken, bekommen Heimatgeschichte vermittelt, werden Wanderungen und Stadtführungen durchgeführt.
- Die LandFrauen aus Worbis wirken bei vielen Veranstaltungen mit, unter anderem beim Eichsfelder Bauernmarkt im Kallmerode, beim Bärenpark-Fest, auf Weihnachtsmärkten sowie bei Stadtfesten.
- Am 13. Juli diesen Jahres trafen sich die Worbiser LandFrauen mit den Vereinen der Landfrauen aus Niedersachsen, Hessen und dem Nachbarverein Bischofferode zum Erfahrungsaustausch auf der Burg Bodenstein.
- An diesem mittlerweile dritten Treffen nahm auch die Landespräsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, Brigitte Scherb, teil.

Der LandFrauenverband


- Dem Deutschen LandFrauenverband e.V. gehören zirka 500.000 Frauen an, die eine starke gesellschaftliche Kraft im ländlichen Raum bilden.
- Eines der wichtigsten Ziele ist die politische Interessenvertretung von Frauen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen im ländlichen Raum.
- Der Verband, der seinen Hauptsitz in Berlin hat, verfügt über 12.000 Ortsvereine und Kreisverbände.
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