5. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie

Andreas Mildner/Harfe
Reichenbach: Neuberinhaus |

Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte

– diese musikalische Erwägung stand tatsächlich auf dem Programm der Vogtland Philharmonie, die am vergangenen Mittwoch zu ihrem 5. Sinfoniekonzert ins Reichenbacher Neuberinhaus eingeladen hatte. Der estnische Komponist Arvo Pärt, einer der zeitgenössischen Lichtgestalten der Neuen Musik, hat dieses Werk geschrieben, der hohen Verehrung für das große Vorbild auf seine Weise Ausdruck verleihend. Er verwendet dafür die Metapher b-a-c-h, die mannigfaltig durch die Stimmen des Orchesters wandert und zu einem Klangcluster anwächst, dem Bienensummen nachempfunden. Das scheinbare Chaos mündet jedoch in eine streng geordnete, typisch Bach’sche prachtvolle Schlusskadenz. Der Philharmonie gebührt ein großes Kompliment, der zeitgenössischen Musik in ihrem Konzertangebot konsequent Raum zu geben – dies ist nicht überall so. Arvo Pärt erklang hier im Neuberinhaus das erste Mal, dargeboten zudem mit einer überspringenden Spielfreude, die verdientermaßen erstaunlich reichen Beifall fand.

Glänzte Gastdirigent Dorian Keilhack, einer der ehemaligen Mitbewerber um die Position des Chefdirigenten, schon in diesem Einstieg in das Abendprogramm mit seinem präzisen Dirigat, so sorgte er am Ende mit einer wahrhaft mitreißenden Interpretation der 3. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy, der berühmten „Schottischen“, für den Höhepunkt des Konzertabends. Es mag sein, dass solch großartige Sinfonien quasi wie Selbstläufer in der Gunst des Publikums wirken. Dennoch erkannte das verständige Reichernbacher Publikum auch, mit welcher Spannung das Ensemble die interpretatorischen Intentionen ihres Spiritus rector folgte. Stand über der Gesamtinterpretation das Primat des Melodischen – beispielgebend und verzehrend schön die Exposition des herrlichen Adagio-Themas im 3. Satz!, so gerieten das Scherzo und der Finalsatz zu echten Highlights dieser Darbietung: der 2. Satz mit Top-Tempo und echter musikantischer Musizierfreude – sehr schön der Klarinettenpart, das gesamte Holz, der Schlusssatz – eine kompakte, glaubwürdige Apotheose des gesamten Ensembles. Das Publikum honorierte dies mit reichem Applaus, und Bravorufen, das Orchester bedankte sich ausnehmend für die herausragenden Führungsqualitäten ihres Dirigenten.

Zuvor kam das Publikum in den Genuss einer seltenen konzertanten Aufführung: Es erklang das derzeit weltweit vielleicht attraktivsten Harfenkonzert Es-Dur von Reinhold Glière, des ehemals in der Sowjetunion zu Ruhm und Ehre gekommenen Komponisten mit vogtländischen Wurzeln. Die Vogtland Philharmonie konnte hierfür einen der aufstrebenden Virtuosen im Fach, den in Würzburg beheimateten Harfenisten Andreas Mildner, verpflichten. Der heute bereits an der Hochschule für Musik Würzburg lehrende und als Solo-Harfenist beim WDR-Sinfonieorchester Köln tätige Künstler wurde seinen ausgezeichneten Meriten vollauf gerecht: Brillant seine spieltechnische Perfektion in den Ecksätzen, vor allem im ungemein schwierigen Schlusssatz, wunderschön sein Gespür für die herrlichen melodischen Momente im Liedsatz, bemerkenswert sein stets auf die Ensemblewirkung bedachtes Spiel. [veho]

www.facebook.com/vogtlandphilharmonie
www.vogtland-philharmonie.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige