Augen schließen und genießen - The Gregorian Voices touren durch Thüringer Kirchen

The Gregorian Voices treten in Kirchen ohne spektakuläres Beiwerk auf. Man hört nur ihren Gesang. (Foto: Joachim Badurina)
 
Gregorianische Gesänge kommen vor sakraler Kulisse sehr gut zur Geltung. (Foto: Joachim Badurina)
Schkölen: ... |

Augen schließen und genießen - das empfiehlt Dusan Obenrauch für ein Konzert von "The Gregorian Voices". In Thüringen gastiert das Männer-Oktett in Schkölen und Sondershausen.

Gregorian, The Gregorian Voices, The Voice of Gregorian, Gregorianika - man muss höllisch aufpassen, um die Ensembles der Mönchssänger mit Hang zu Rock und Pop nicht zu verwechseln. Das bulgarische Vokaloktett "The Gregorian Voices" besteht seit 2011 und gastiert vorwiegend in Kirchen, wo gregorianische Gesänge sehr ursprünglich klingen und auf besondere Weise berühren. Ihre Frühjahrstour unter dem Motto "Gregorianik meets Pop - vom Mittelalter bis heute" führt die Osteuropäer auch nach Thüringen. AA-Autorin sprach mit Tourbegleiter Dusan Obenrauch.

Wer erfand denn nun die gregorianischen Gesänge mit Rock- und Popcharakter?
Wenn Sie von "The Gregorian Voices" ausgehen, so war das Georgi Pandurov. Er hatte diese Idee schon länger und verwirklichte sie 2011. Heute ist er der muskalische Leiter des Ensembles.

So gesehen war das ein Experiment?
Ja, er wollte ausprobieren, wie diese Musik bei den Menschen ankommt. Seit Frühjahr 2011 sind wir sehr erfolgreich - mit zwei Ensembles in Deutschland und im Ausland auf Tournee.

Was unterscheidet Sie von den anderen Gruppen mit dieser Ausrichtung?
Wir singen original Musik aus dem Mittelalter. Ohne Technik, ohne musikalische Begleitung, ohne Lichtshow. Man hört nur den Gesang. Deshalb treten wir meistens in Kirchen auf. Dort kommen die gregorianischen Gesänge akustisch am besten zur Geltung. Unser Programm besteht aus zwei Teilen: dem klassischen mit gregorianischen Chorälen, orthodoxen Kirchengesängen und Liedern aus Renaissance und Barock. Im zweiten Teil demonstrieren die acht Künstler, wie englischsprachige Popsongs in einer gregorianischen Adaption klingen.



Funktioniert diese Musik nur mit ausgebildeten Sängern?
Ja, denn das Spektrum reicht vom einstimmigen Gesang bis zur polyphonen Fünfstimmigkeit mit schallenden Bässen und aufsteigenden Falsettstimmen. Das Zusammenspiel von Bass, Bariton und Tenor ist komplex und gewaltig, das funktioniert nur mit einer stimmlichen Ausbildung. Den Männern wurde diese Gabe aber schon in die Wiege gelegt. In Bulgarien gibt es eine große Männerchortradition, was auf die orthodoxe Kirche zurückgeht. Deshalb können die Sänger ohne Mühe auch lange Konzerte durchhalten.

Wie ist die Stimmung unterwegs? Müssen alle gehegt und gepflegt werden?
Nein, das sind keine Diven, sondern sehr nette Männer. Wir fahren in einem Tourneebus und haben da viel Spaß. Zwischen den Auftritten gibt es freie Tage, so dass die Sänger von den Tourneeorten auch etwas sehen und sich erholen können.

Ist das ein reines Männerding oder sind auch Frauen an Bord?
(lacht). Wenn Sie so fragen, dann ist es wohl ein Männerding. Wir haben im Bus leider keinen Platz mehr frei. Außerdem würden sich die Männer bloß um die Frauen streiten. Das ist beinahe so wie auf einem Schiff.

Wie sieht Ihr Tourneeplan für dieses Jahr aus?
Wir touren bis 31. Mai durch Deutschland, dann legen wir eine Pause ein. Von Juli bis September sind wir mit zwei Ensembles auf Sommertour.

Wie sollte man Ihre Musik genießen?
Sich entspannt zurücklehnen, Augen schließen und den Gesang auf sich wirken lassen.

Hintergrund:
Ein Oktett besteht aus acht Sängern, die im Fall von "The Gregorian Voices" aus Sofia stammen.
Das Programm besteht aus gregorianischen Chorälen, orthodoxen Gesängen und Madrigalen (mehrstimmiges Vokalstück).
Gregorianik ist ein einstimmiger unbegleiteter liturgischer Gesang der katholischen Kirche in lateinischer Sprache. Diese Form der gesungenen Liturgie stammt aus Rom, wo sie zwischen dem 4. und frühen 8. Jahrhundert entstanden sein soll.
Ein Höhepunkt von "The Gregorian Voices" war der Auftritt im Kloster Ebersbach, wo der Film "Der Name der Rose" gedreht wurde.
Termine: 26. April, 19.30 Uhr, Barockkirche Schkölen, 27. April, 19.30 Uhr, St. Trinitatiskirche Sondershausen.
Einlass und Karten ab 18.30 Uhr.
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