Bahn frei für Geschichte(n)

Horst und Heiko Müller in einem der Ausstellungsräume ihres Eisenbahnmuseums.
 
Lichtsignale weisen den Weg zum Serbaer Museum.
Geheimtipp nicht nur für Bahnfans und Nostalgiker: Das kleine Eisenbahnmuseum in Serba

Das Auge braucht ein bisschen, ehe es die tausend kleinen und größeren Dinge erfassen kann, die hängend, liegend, stehend in den beiden kleinen Museumsräumen des ehemaligen Schuppens zu sehen sind. 1000 Dinge aus dem Eisenbahnerleben, 1000 Geschichten und Anekdoten – denn jedes Stück ist ein Stück Erinnerung. Zusammengesammelt seit der Wende von Horst Müller. Zuvor war das unmöglich, aber schon immer Herzenswunsch. Der lässt ihn bis heute nicht los. Sohn Heiko tut kräftig mit, die Sammelleidenschaft seines Vaters steckte ihn an.

Horst Müller kennt sich aus wie kaum ein zweiter – war selbst von 1955 bis 1977 bei der Deutschen Reichsbahn beschäftigt. Arbeitete als Bahnunterhaltungsarbeiter, Schuppenfeuermann, Lokheizer, Streckenwärter, Weichenschlosser, Brennschneider, Schweißer und Weichenheizungsmonteur…
Verfehlen kann man das kleine Museum in Serba nicht – immer der Nase nach bis einem unterschiedlichste Bahn-Signale mit und ohne Licht „ins Auge fallen“, auch so ganz ohne Bahnhof… Okay – zumindest ein Stück Schiene um 1900 gibt es – das älteste Sammlerstück. Das allererste war eine Gleissperrlaterne. Inzwischen gibt es bei den Müllers in Sachen DR-Bahn fast nichts, was sie nicht hätten. Gesammelt, aufwändig restauriert oder ganze Maschinenteile nachgebaut. Handwerkliches Geschick und das nötige Wissen hat der rüstige Senior.

Man mag es kaum glauben, was die beiden winzigen Ausstellungsräume an Exponaten fassen. Kaum eine freie Stelle. An den Wänden, auf Regalen, auf dem Boden – überall Bahnutensilien. Laternen, Lok-Schilder, Fahrscheine, Bahnhofsuhren, Zugschlussleuchten, Uniformen, Zeichnungen, Pläne, Diensttelefone, Ölkannen, Dienstrangabzeichen, Signal- und Weichenhebel, Literatur, Fotos… Apropos Fotos. Oft greift Horst Müller selbst zur Kamera und macht Aufnahmen von Bahneinrichtungen und -gebäuden. Zum Glück – denn etliche Originale sind inzwischen unwiederbringlich verloren. Abgerissen. Verschwunden. Überbaut. Oder sie verfallen gnadenlos. So sind seine Fotos ein wichtiger Teil historischer Dokumente, die zur regionalen Geschichte gehören und so für künftige Generationen bewahrt bleiben.

Auch wenn es dem Laien so scheint, das alles gesammelt wäre, was es zu sammeln gibt - weit gefehlt. Noch immer sind die beiden Männer rastlos auf der Suche nach Dingen, die ihre Sammlung ergänzen. Nach Neuem, nach Kuriosem, nach noch nicht im Besitz befindlichen „Teilen“. Dazu nehmen sie – ganz klar – die Vorzüge der Moderne zu Hilfe: das Internet. Dort ersteigerten sie schon das eine oder andere Stück. Sie sind aber auch auf Trödelmärkten und zu Bahnertreffen in der Region und darüber hinaus unterwegs. Kontakte zu ehemaligen Kollegen helfen ebenfalls, die Ausstellung zu vervollkommnen.

Ein- oder zweimal im Jahr lädt Familie Müller zum Tag der offenen Museums-Tür nach Serba ein. Der letzte im Oktober bescherte ihnen einen Besucherstrom von etwa 80 Interessierten. Viele ließen sich bei Kaffee und leckerem, selbstgebackenen Kuchen nieder, knüpften neue Kontakte und tauschten Erfahrungen aus. Vielleicht wäre das Museum in Serba auch für einen Schulklassenbesuch mal eine Überlegung wert. Bei Interesse einfach telefonisch anfragen. Spontanbesuche von Wanderern auch kein Problem - insofern jemand zu Hause ist. Infos: www.eisenbahnmuseum-serba.de
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