Biografie mit Schatten

Die Abiturienten des Holzland-Gymnasiums würdigen den Schriftsteller Erwin Strittmatter mit einer Ausstellung.
 

Literaturausstellung zum 100. Geburtstag von Erwin Strittmatter im Holzland-Gymnasium



Er gilt bis heute als meistgelesener Schriftsteller der Deutschen Demokratischen Republik. Mit Werken wie „Tinko“, „Ole Bienkopp“ und „Der Laden“ wurde er nicht nur in Ostdeutschland zu einer Berühmtheit. Die Rede ist von Erwin Strittmatter.

Anlässlich seines 100. Geburtstages würdigt nun das Holzland-Gymnasium Hermsdorf mit einer Ausstellung den Autor. Die derzeitigen Abiturienten der 12. Klassenstufe erstellten und gestalteten im vergangenen Schuljahr zahlreiche Plakate, sammelten passende Exponate und untersuchten das umstrittene Leben des Erwin Strittmatter. „Der Literaturwissenschaftler Werner Liersch deckte 2008 die Vorgeschichte des Dichters auf“, sagt Deutschlehrer und Projektleiter Dr. Ulrich Kaufmann. „Demnach war Strittmatter im Zweiten Weltkrieg Angehöriger des 18. SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiments. Er vertuschte seine Vergangenheit sogar. Dokumente aus diesem Lebensabschnitt stellen wir hier auch zur Schau.“

Strittmatter schloss sich 1946 der SED an und wurde außerdem Zuträger der Staatssicherheit. Letztendlich war der Schriftsteller an beiden Diktaturen freiwillig beteiligt und seine Biografie hat dadurch einige Schatten erhalten. Nichtsdestotrotz ändern diese Tatsachen keineswegs die Bedeutung seiner literarischen, teils sehr gesellschaftskritischen Werke.

Die größten Erfolge gelangen ihm in den 50- und 60er-Jahren mit Jugendbüchern wie „Tinko“ und dem ersten Teil seiner Trilogie „Der Wundertäter“. 1963 erreichte Strittmatter dank seines gesellschaftskritischen Romans „Ole Bienkopp“ den Gipfel seiner Berühmtheit. Sein dreiteiliges biografisches Hauptwerk „Der Laden“ rundete seine Schriftstellerkarriere ab. Mit 82 Jahren verstarb 1994 der sorbisch-deutsche Autor, der durch seine Darstellungen des ländlichen Geschehens öfters als „Volksschriftsteller“ betitelt wurde.

Ulrich Kaufmann freut sich über das Geschaffene: „Dieses Mal präsentieren wir nicht nur Plakate, historische Dokumente und Schriftstücke. Gegenständliche Objekte sind ebenfalls vorhanden.“ Der Lehrer ist seit 1999 in seinem Beruf tätig und im Jahr 2004 kam er ans Holzland-Gymnasium in Hermsdorf. Der 60-Jährige bedankt sich für das Engagement und die finanzielle Hilfe der Schule, die extra für die Schau einen Raum zur Verfügung gestellt hat.

DDR-Literatur im Gymnasium? Das gab es zuletzt 2011/12 mit einer Ausstellung über die Schriftstellerin Sigrid Damm. „Die Autoren der DDR sind uns wichtig. Natürlich einerseits wegen des regionalen Bezuges. Andererseits verschwinden bedeutende Literaten wie Erwin Strittmatter mehr und mehr aus den Lehrplänen. Wenn man nicht an deren Werke und Lebensgeschichten erinnert, sind sie zwei Generationen später aus den Köpfen“, warnt Ulrich Kaufmann.

Alle Interessenten und Neugierigen können unter 036601/82933 im Sekretariat der Schule anrufen. Deutschlehrer Ulrich Kaufmann bietet kleine Führungen an. Zum Tag der offenen Tür 2013 wird die Ausstellung ebenfalls zur Besichtigung geöffnet haben.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.10.2012 | 17:49  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 30.10.2012 | 07:52  
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