Bravouröser Einstand für David Marlow

Landrat Dr. Tassilo Lenk; Begrüßungsworte zur neuen Spielzeit und an den neuen Chefdirigenten David Marlow. (Foto: Matthias Pohle)
 
GMD Stefan Fraas übergibt symbolisch den Dirigentenstab an den neuen Chefdirigeten der Vogtland Philharmonie David Marlow. (Foto: Matthias Pohle)
Reichenbach: Neuberinhaus |

Saisoneröffnung der Vogtland Philharmonie mit neuem Chefdirigent

Mit großen Erwartungen und einer Portion Neugier kam das Konzertpublikum der Vogtland Philharmonie am vergangenen Mittwoch zur Eröffnung der Konzertsaison 2014/15 ins Reichenbacher Neuberinhaus. Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich das Debüt des neuen Chefdirigenten David Marlow, den das Ensemble und der Trägerverein der Vogtland Philharmonie nach einem aufwändigen Verfahren – es galt den neuen ersten Mann am Pult unter 131 Bewerbern (!) zu finden – ausgewählt hatte. So ließ es sich auch Landrat Tassilo Lenk als Vertreter des Trägervereins nicht nehmen, den neuen Chef in sein Amt einzuführen und die neue Konzertsaison zu eröffnen. In seiner kurzen Ansprache bedankte er sich beim Ensemble für die eindrucksvolle Präsenz der Vogtland Philharmonie als ‚Botschafter der Region’ – dies sowohl in der vogtländischen Heimat, in der das Orchester 80% seiner Konzerttätigkeit absolviert, als auch auf seinen Tourneen, die den Ruf des Ensembles als leistungsstarker Klangkörper im vergangenen Jahr u.a. nach China, Zypern, in die USA und die Schweiz gebracht haben. 130 Konzerte seien auch für diese Saison unter Vertrag, 150 werden es am Ende wieder werden, womit das Orchester seine Kapazitäten voll ausschöpft. Dafür wünschte der Landrat dem neuen Hoffnungsträger am Pult viel Erfolg.

Es sei vorweg genommen, dass David Marlow mit seinem Einstand zum 1. Sinfoniekonzert – der reiche Applaus belegte dies – die allseitigen Erwartungen erfüllt hat. Der 35-jährige Brite, in Deutschland aufgewachsen, schließt offenbar nahtlos an die Qualität seines Vorgängers Jiři Malát an, wenn auch mit anderen Akzenten, die schon die Probenarbeit offenbarte. Hier übernimmt eine Persönlichkeit das Zepter, die mit dem Ensemble eine weitere Etappe der Entwicklung erwarten lässt. Schon die Interpretation der das Konzert eröffnenden Ouvertüre zu „Ruy Blas“ von Felix Mendelssohn Bartholdy gelang überzeugend: Gut das gewählte Tempo, das die Raffinessen dieses Werkes ausspielen ließ, die Interpretation war klar und durchsichtig, die dynamischen Effekte wirkten nicht überdimensioniert – eine gute Ensembleleistung. Für den ersten Höhepunkt des Konzertabends sorgte jedoch die japanische Gastvirtuosin Mizuka Kano mit ihrer Darbietung des 2. Klavierkonzertes von Sergei Rachmaninow. Die Pianistin, hatte das Publikum bereits vor vier Jahren, damals als aktuelle Siegerin des Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbes, mit ihrer Interpretation von Schumanns a-Moll-Konzert begeistert. Das Zweite von Rachmaninow sei jedoch ihr Lieblingsstück, verriet sie im Einführungsgespräch – und dies widerspiegelte sich in jeder Phase ihres brillanten Vortrags: eine glaubwürdige, ungemein weibliche Interpretation, der es jedoch keinesfalls auch an energischer Kraftentfaltung mangelte. Bestechend ihre perlende Spieltechnik – nichts verrauschte unpräzise im pianistisch äußerst anspruchsvollen Finalsatz, den zweiten kann man inniger kaum spielen, wunderschön die Dialoge mit Klarinette/Flöte, lobenswert auch ihr aufmerksamer Kontakt zum Orchester, sodass selbst die diffizilen Dialoge punktgenau saßen. Ein Kompliment an das Ensemble, das sich aufmerksam auf die Virtuosin einstellte. Den verdient reichen Applaus honorierte Mizuka Kano mit zwei Zugaben aus Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“.

Den zweiten Höhepunkt des Abends lieferten die Philharmonie und ihr neuer Spiritus rector gleichermaßen – Brahms’ 1. Sinfonie c-Moll op. 68. Hier ist jeder Dirigent im hohen interpretatorischen Anspruch gefordert – und dies konnte David Marlow überzeugend erfüllen. Sein Dirigat ist klar, man spürt Intention wie Führung gleichermaßen, was sich in einer insgesamt guten Ensembleleistung niederschlug – herausragend die Ecksätze, auch die Top-Soli (Violine, Horn, Oboe), ein wenig Abstimmung vertragen noch das Andante und das Intermezzo.

[howo]

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