Film über Orje erschienen - dem unermüdlichen Extravaganten

Orje - wie er leibt und lebt... (Foto: Foto: Schaffer)
Bürgel: Am Vieh Theater | Von Wilhelm Schaffer

BEULBAR/SAALE-HOLZLAND. Der Titel des Video-Films über Georg „Orje“ Zurawski, den der Jenaer Torsten Eckold drehte, lautet „Orge – ein Porträt“.
Er trifft‘s besser, denn den universellen Schauspieler, Sänger, Musikanten, Erzähler, Geschichtenschreiber, Bildhauer, Baumeister und Kopf- und Handwerker auf einen Vaganten zu reduzieren, geht überhaupt nicht. Nach wie vor zieht er wohl umher, singt, spielt, rezitiert auf Märkten und Burgen, in Schlössern und Katen und sonst irgendwo. Frivoles, Fröhliches, Besinnliches, Melancholisches. Fasziniert sein Publikum.

Doch blieb und bleibt er bodenständiger Beulbarer. In Jena ausgebombt, wuchs er hier auf. Mit sieben Geschwistern. Mutter Margarete und Vater Johannes fassten Fuß im Dorfe, indem sie „Kultur“ machten. Georg lernte lustlos Landwirt, dann aber den Pantomimen Harald Seime und den Musiker Klaus Schneider kennen. Das entschied über seinen Lebensweg als Komödiant. Über den „Umweg“ - Franz-Liszt-Hochschule Weimar - Landestheater Eisenach - Erich-Weinert-Ensemble mit Rausschmiss wegen „politisch krepelig“ - Oper Karl-Marx-Stadt und Musical Truppe des Landestheaters Halle - kehrte er in sein verfallendes Elternhaus zurück. Reparierte es und baute sein inzwischen weitberühmtes „Am-Vieh-Theater“ auf, mit Trojanischem Pferd, Kaltem Geysir und Feuerschale aus einem Dampflokkesseldeckel. Versammelt hier Freunde und Fans um sich. Sofern er nicht gerade tingelt.

Das alles und noch ein bisschen mehr erzählt der von Dörthe Riebold und Gina Dechant inspirierte, von der Sparkasse geförderte Film. Georg Zurawski mimt „Orje“ so wie er leibt und lebt. In allen Stimmungslagen. Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. Feinfühlig und poetisch von Torsten Eckold in Szene gesetzt. In unverwechselbar Eckoldscher Handschrift gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Natur, die idyllischen Oasen der heimischen Landschaft. In bezaubernden Bildern.

Orjes Freunde kommen zu Wort. Kerstin Welsch, Erika Wielebinski, Wolfgang Plötner, Gerd Klapetz, Harald Seime, Wilfried Mengs, Gunther Emmerlich. Er selbst singt in seiner unnachahmlichen Art jiddische Lieder, Volkslieder, Sauflieder. Erzählt die Geschichte seiner Familie, seine Geschichte. Von glücklichen, fröhlichen, besinnlichen, tragischen Tagen. Als sein Sohn, völlig unerklärlich, sich 2000 das Leben nahm, ging er nach Kanada. Mit erstarrtem Herzen in die eisige Einsamkeit.
Doch seine unbändige Lebenskraft taut allmählich das Herz wieder auf. Das Leid verschwimmt zu Erinnerung. Die Freunde sind um ihn. Das belebt und spornt ihn zu neuen, nicht alltäglichen Spektakeln an. An der Klosterkirche steht die von ihm geschaffene Stele für seine Mutter, seinen Sohn - und für sich. Das letzte Datum fehlt hoffentlich noch lange.
Die DVD gibt es in den Sparkassenfilialen und im Buchhandel.
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