Flohmarkt bereichert das Maibaumsetzen in Großbockedra

Richtmeister Bernhard Häßner an der Krone des diesjährigen Maibaumes.
 
Gabi Gördel, die Initiatorin des 1.Flohmarktes, präsentiert einige Dinge, welche auf dem Flohmarkt den Besitzer wechseln sollten. Im Hintergrund wird gerade der neue Maibaum auf den Platz gefahren.
Großbockedra: Sportplatz | Es geht zu wie auf einem großen Basar. Heike Geisenhainer feilscht mit Jana Buder über den Preis einer handgestickten Tischdecke. Letztlich einigen sich beide auf einen, beinahe lächerlichen, Preis von 3,50 €. Hinterher lachen beide, ebenso wie die umstehenden Besucher des Flohmarktes.

Am Mittwoch Vormittag gab es in Großbockedra erstmalig einen Flohmarkt, der im Zusammenhang mit dem Maibaumsetzen für Unterhaltung sorgte.
„Ich hatte die Idee dazu, weil sich in jedem Haushalt über die Jahre hinweg diverse Dinge angesammelt haben, die für den Besitzer inzwischen wertlos wurden, zum wegschmeißen aber zu schade sind. Jetzt, in der Zeit des Frühjahrsputzes, nutzte ich die Gelegenheit und sortiere mal ordentlich aus. Das werde sicher auch viele andere Leute tun. Und so kann mancher Artikel einen neuen Besitzer finden, quasi ein zweites Leben beginnen“ berichtet Ideengeberin Gabi Gördel.

Die Mitglieder des Heimatvereins hielten den Vorschlag für praxistauglich und stimmten zu.
Auch wenn der riesengroße Umsatz fehlte, Verkäufer wie Käufer hatten ihren Spaß. „Es konnte jeder für sich erst einmal reinen Tisch machen, sich im eigenen Haus von unnötigen Dingen auch gedanklich trennen. Selbst wenn das Buch oder der Stepper nicht verkauft wurde“ schätzt Gabi Gördel ein.
Letztlich kam aber nahezu jeder, der nur das Maibaumsetzen mit ansehen wollte, auch zum Flohmarkt, schaute sich wenigstens mal um.
Aus den Reihen der älteren Besucher war zu hören „so ein Doppelwiegemesser haben wir doch auch noch“ oder „das Porzellanmuster kenn ich von meinen Großeltern noch“.
Auf jeden Fall hatten alle etwas zu schauen, zu erzählen, kamen vom normalen Alltagsgespräch („Hast Du schon Deine Kartoffeln gelegt?“) auch zur Fachsimpelei.

Im Hintergrund des Geschehens richteten die Mitglieder des Bockerschen Heimatvereins ihren Maibaum wieder auf. „In diesem Jahr hat im Wald alles geklappt. Die Spitze blieb beim Fällen dran. Jedoch mussten wir den zweitschönsten Baum nehmen. Der ersten, den wir uns angesehen haben, war einfach zu groß. Wir haben nicht so viele Leute, um mit vier Scheren arbeiten zu können. Hierbei geht mir die Sicherheit der Leute vor“ erzählt Bernhard Häßner, der nach der Gründung des Heimatvereins als Richtmeister auserkoren wurde und seither für das sichere Setzen der Maifichte sorgt.

Der Heimatvereinsvorsitzende, Edgar Seim, erzählt, dass es mitunter nicht leicht ist für Bernhard Häßner. Denn wenn es an das Setzen des Baumes geht, dann sorgt er auch mal mit lauteren Worten dafür, dass seinen Anordnungen umgesetzt werden. Dass dies aber für die Sicherheit aller notwendig ist, mag nicht jeder auf Anhieb einsehen. „Für mich geht dabei aber die Sicherheit der Männer an den Scheren vor. Da kann es nicht sein, dass Bier getrunken oder anderer Unfug betrieben wird“ so der erfahrene Richtmeister.

Zwischen der Ankunft der Burschen aus dem Wald und dem Aufrichten des Baumes genehmigt Bernhard Häßner seinen Mannen eine kurze Verschnaufpause.

Diese nutzen die Frauen, um den neunzehn Meter langen Maibaum flugs mit unzähligen Bändern zu schmücken. Kaum ein Zweig, der nicht mit einem Band versehen ist. „Das sind sicher weit über einhundert Meter Stoff, die binnen weniger Minuten an die Fichtenspitze gebunden wurden“ schätzte Sigrun Fickler ein.
Während dessen musste an anderer Stelle noch schnell gehandelt werden. „Eigentlich wollten wir das Kindermaibaumsetzen ausfallen lassen, da gar nicht so viele Kinder da waren. Doch im Wald waren dann mehrere unserer Leute kurzzeitig verschwunden, kamen mit einem Kindermaibaum wieder. Daraufhin musste noch schnell der alte Kindermaibaum umgelegt, und der neue geschmückt und aufgerichtet werden. Wir brauchen, um den großen Baum zu setzen, etwas Bewegungsraum. Da hätte die kleine Fichte gestört“ begründet der Richtmeister die ungeplante Aktion. Von Erwachsenen bzw. Jugendlichen wurde die kleine Fichte innerhalb von nicht einmal zehn Minuten aufgerichtet und wieder ordentlich verankert.

Den größten Teil ihrer Reiseliteratur musste Jana Kelling übrigens wieder ins Auto packen und mit nach Hause nehmen. Dennoch wird sie sich auch im nächsten Jahr – so es einen zweiten Flohmarkt geben wird – wieder daran beteiligen. Ebenso, wie die neuen anderen Verkäufer, die auf rund zwanzig laufenden Metern Verkaufsfläche Waren von Kindersachen, über eine Kinderschlittenlehne, Bücher, Geschirr, Tischdecken bis hin zu Sportmatten oder dem besagten Doppelten Wiegemesser, anboten.

„Für mich war es ein großer Spaß, so etwas zu organisieren, zu Hause aus zu räumen. Der Heimatverein bekommt einen kleinen Obolus und auch die Bockerschen hatten ihre Freude am Flohmarkt. Einzig die Laufkundschaft, die in den letzten Jahren bei schönem Wetter in Großbockedra beim Maibaumsetzen anhielt, fehlte“ meint Gabi Gördel. Bei dem zweiten Versuch im nächsten Jahr will sie noch mehr Werbung machen. „Wenn man bedenkt, wie wir vor zehn Jahren angeschaut wurden, als wir erstmals Theater gespielt haben – und was jetzt daraus geworden ist – dann gebe ich auch dem Flohmarkt eine reelle Chance“ so die Flohmarktinitiatorin.
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