Kanonen für Sharjah

Nahezu fertig gestellt ist diese Kanone, welche der Meusebacher Waffenschmied Dieter Schulze für einen Emir im Wüstenstaat Sharjah anfertigte.
 
Dieter Schulze schnitzt die Wangen einer Lafette für eine Kanone, welche in den nächsten Tagen ihre Reise nach Sharja antritt. Bereits vor neun Jahren baute der Waffenschmied aus Meusebach zwei Kanonen für den Staat in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Meusebach: Mittelalterdorf | Meusebach. Tagelang hallt das Kreischen des Winkelschleifers durch den Wald von Alt-Meusebach.
Es gilt, zwei große Kanonenrohre zu nach schleifen, den Grat vom Gießen zu entfernen.
Die im Erzgebirgischen Elterlein gegossenen Rohre erfordern viel Nacharbeit von Dieter Schulze und seinen Helfern.
Gut, dass die Kranbahn des Kohlenmeilers die jeweils rund 800 Kilogramm schweren Rohre bewältigen kann. So ist das Drehen und Bewegen der Rohre deutlich leichter, als per Hand. Wie sie auch das spätere Streichen erleichtert.

Wenige Meter weiter, vor dem Tor seiner Schmiede, bearbeitet Dieter Schulze die Wangen für die Lafetten. Aus 80 Millimeter starken Eichen-Leimholz sind diese gefertigt, da normale Bohlen die extremen Temperaturen nicht verkraften. „Die Eiche kann Jahrzehnte getrocknet sein, in dem Wüstenstaat ist es aber so trocken, dass dennoch das Reißen des Holzes auftritt“ berichtet Dieter Schulze aus der Erfahrung des ersten Kanonenbaus für Sharjah.
Die handgeschnitzten Verziehrungen fertigt der erfahrene Kanonenbauer ohne Schablone. „Wenn man solche Dinge so lange macht, dann geht das quasi aus dem Handgelenk“.
Hier jedoch hat er das Problem, dass sich bei dem Leimholz ständig die Faserrichtung ändert. Mit dünnen Bleistiftstrichen und sicherer Hand malt er das Muster auf, setzt das Schnitzmesser an und hebt Holzspan um Holzspan heraus. Acht Millimeter starkes Bandeisen, welches in überaus mühevoller Handarbeit angepasst wird, umschließt die Lafetten.

Insgesamt, so rechnet Dieter Schulze zusammen, sind 48 Meter Bandeisen und gut 500 Schmiedenägel an den beiden Kanonen verbaut.

Dass die Lafette allein vier Meter, die komplette Kanone 5,5 Meter lang und zwei Meter breit ist, zählt er ebenfalls auf. Zwei Tonnen bringt eines der Geschütze auf die Waage.

Die großen Räder – sie haben einen Durchmesser von 1,35 Meter – ließ Schulze in Berchtesgaden anfertigen. Bei einer so schweren Kanone können keine einfachen Wagenräder zum Einsatz kommen. Allein deren Laufflächen sind zehn Zentimeter breit und mit Zentimeterdicken Stahl beschlagen. Das macht optisch sehr viel her, hat jedoch keinerlei Bewandtnis. „Früher wurden diese Kanonen auch mal tausende Kilometer weit bewegt, da musste alles stabil gearbeitet sein“ weiß Dieter Schulze. Diese Kanonen jedoch dienen nur der Zierde, sollen nicht zum Schießen verwendet werden.

Der Auftraggeber, Scheich Abulla Bin Mohammed Altani, ist ein Waffenliebhaber, der bereits im Jahr 2003 Kanonen im Alt-Meusebacher Mittelalterdorf bauen ließ und eine größere Sammlung Mittelalterlicher Waffen besitzt.

Ein erster Kontakt zu Dieter Schulze wurde übrigens bei einer Waffenmesse in Nürnberg hergestellt, wobei der Meusebacher zahlreiche Mittelalterliche Waffen präsentierte. In den nächsten Tagen will Dieter Schulze sich zunächst erst einmal auf das Fertigen von Schwertern konzentrieren, von den Kanonen abschalten - bevor das Bauen von sechs weiteren Lafetten für Thüringer Kanonen ansteht.

Aber, auch für Sharjah könnte demnächst noch einmal ein Auftrag kommen, erzählt Dieter Schulze. Die Lafetten der im Jahr 2003 gefertigten Kanonen sind durch Hitze und Ungeziefer geschädigt. „Sollte der Scheich mit meiner Arbeit zufrieden sein, wird er deren Austausch sicher veranlassen.

Ebenso hat der Emir von Sharja Interesse an noch größeren Kanonen geäußert. Das würde eine echte Herausforderung“. Doch zunächst einmal müssen die jetzt gefertigten Kanonen noch fertig verziert, teilweise mit Blattgold belegt, graviert und die handgeschnitzen Wangen farblich unterlegt werden.
Alles Metall muss noch eingeölt werden, da die vierwöchige Seereise sofort zur Rostbildung führen würde. Im Juni wird das Containerschiff im Hafen von Sharjah erwartet.
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