Mathematik-Abitur ändert sich

Juliane Leipold und Oliver Gräfe, Abiturienten der zwölften Klasse am Holzland-Gymnasium Hermsdorf.

Die Ferien sind vorbei und für Thüringens Schüler wird es wieder ernst. Vor allem die Abiturienten der 12. Klassen müssen sich dieses Schuljahr umstellen. Die Mathe-Prüfung ändert sich.


Hermsdorf. Das neue Schuljahr hat begonnen, unter anderem für die Zwölftklässler an den Gymnasien wird es das letzte sein. Für sie steht auch die schriftliche Mathematik-­Prüfung an, deren Aufbau und Inhalt sich ändert.
"Erstmalig wird das Computer-Algebra-System (CAS) in ganz Thüringen für das Abitur verwendet", erklärt Roland Petersohn, Direktor des Holzland-Gymnasiums in Hermsdorf. Kurz gesagt: Seit diesem Schuljahr werden programmierbare Taschenrechner für die Mathematik-Prüfungen zugelassen. Das führt nicht nur zu Neuerungen im Prüfungsaufbau und ­-inhalt, sondern auch zur Um­gestaltung von Lehrplänen. Vor allem aber müssen sich die Schüler der zwölften Klassen in das neue System eingewöhnen.

Das Abitur wird dabei aus zwei Teilen bestehen. Einer soll ohne, der andere mit Hilfsmitteln wie eben einem programmierbaren Taschenrechner gelöst werden. "Beim Teil ohne CAS werden hauptsächlich grundlegende Dinge abgefragt, wie beispielsweise das Auf­stellen von Gleichungen oder das Ableiten von Funktionen. Hier kommt der Kopf mehr zum Einsatz", erläutert Petra Harz, Lehrerin für Ethik und Mathematik am Holzland-Gymnasium.

Dem grundsätzlichen Verständnis für Rechenarten und Rechenwege soll so zum nächsten Abitur mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Für den zweiten Prüfungsbereich soll den Schülern dann der Taschenrechner zur Verfügung stehen. Hier ginge es nicht nur um die Lösung, sagt Petra Harz. Auch der Weg zum Ergebnis solle vordergründig bewertet werden.

Die neue Regelung stößt auf unterschiedliche Reaktionen bei Schülern und Lehrern. Roland Petersohn findet, dass es richtig sei, sich der technischen Entwicklung anzupassen. "Später müssen unsere Schüler komplexere Wirkprinzipe ver­stehen und auch rechnerisch mehr leisten. Die Bedienung eines solchen Taschenrechners ist bestimmt von Vorteil, aber das ist nur meine neutrale Meinung als Nicht-Mathematiker", betont er.

Doch es sei, so der Direktor ergänzend, leider auch eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Eltern. Touchscreen, Graphen zeichnen und die Möglichkeit, dem Rechner sogar einen eigenen Namen zu geben - das alles hat seinen Preis. Für einen CAS-Rechner muss mit ungefähr 120 Euro gerechnet werden.
Juliane Leipold und Oliver Gräfe sind in der zwölften Klasse und schreiben im nächsten Jahr ihr Mathe-Abitur. Seit 2011 arbeiten sie mit dem Computer-Algebra-System. Der komplexere Teil mit dem Taschenrechner bereitet den beiden dabei jedoch weniger Sorgen. "Der CAS-Rechner vereinfacht sehr viel und alles geht schneller. Man muss weniger über ein­fache Rechenoperationen nachdenken. Doch gerade deshalb verlernt man ein wenig das Rechnen ohne Hilfsmittel. Deshalb wird der Prüfungsteil ohne Rechner garantiert schwieriger für uns werden", sind sich die beiden Abiturienten einig. Zudem sollen einige ihrer Mitschüler Probleme mit der Bedienungsoberfläche des CAS-Rechners haben, ergänzt Juliane.

Seit fünf Jahren wird das Computer-Algebra-System schon an vereinzelten Thüringer Schulen ausprobiert. Nun wird die neue Prüfung an den derzeitigen Entwicklungsstand angepasst, bis Mai 2014 genauer gesagt. Problematisch für die künftigen Schulabgänger ist, dass bisher nur wenige neue Prüfungsaufgaben mittels Büchern geübt werden können. Wie auch, wenn keiner bisher genau weiß, wie das neue Mathe-Abi aussehen soll. Auch die Zeit muss bei der veränderten Prüfung von den Schülern selbst gemanagt werden.
"Wir bereiten die Schüler bestmöglich mit neuen Auf­gabenblättern vor. Die Lehr­pläne mussten wir natürlich den Bedingungen entsprechend anpassen", sagt Lehrerin Petra Harz. Unabhängig von der Form der Mathe-­Prüfung kann Direktor Petersohn in einem Punkt Entwarnung geben: "Funktioniert ein Taschenrechner mal nicht, hat die Schule schon noch ein paar Notfallgeräte".
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4 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 30.08.2013 | 15:53  
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Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 30.08.2013 | 18:46  
13.091
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 30.08.2013 | 20:07  
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Hannelore Grünler aus Artern | 31.08.2013 | 23:19  
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