Mit Bravour in die neue Saison

Alexander Schimpf zu Brahms’ 2. Klavierkonzert.
 
Dieter Kießling eröffnet die 23. Spielzeit der Vogtland-Philharmonie.
Reichenbach: Neuberinhaus | Eröffnung der Konzertsaison der Vogtland Philharmonie

Dies war in der Tat ein bravouröser Start in die neue Spielzeit, den die Vogtland Philharmonie am vergangenen Mittwoch im ausverkauften Reichenbacher Neuberinhaus hinlegte. „Es kribbelt schon die ganzer Zeit – wir warten, dass die Philharmonie wieder loslegt“ – dies zitierte der amtierende Oberbürgermeister Dieter Kießling in seinen herzlichen Eröffnungsworten, sich auf den Besuch eines Ehepaares beziehend, das kürzlich seine Goldene Hochzeit feiern konnte. Damit traf er auch die Stimmung im Saal auf den Punkt: Freude und Erwartung pur, denn die Philharmonie bietet in der neuen Spielzeit wiederum viel Interessantes, wie schon dieses Eröffnungskonzert bewies.

Ein wahrhaft raffiniertes Programm hatte die Philharmonie als Entree zusammengestellt: Zu Beginn mit der „Sommernachtstraum“-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy das Werk eines Siebzehnjährigen, das heute zu den meistgespielten Werken seines Œuvres gehört , danach mit Brahms’ 2. Klavierkonzert das vielleicht schwierigste, eigenwilligste, das Opus summum der Gattung in der klassisch-romantischen Epoche, und nach der Pause – eine nahezu kühne Wahl – die Rosenkavalier-Suite von Richard Strauss. Der nicht enden wollende Beifall am Ende, er galt vornehmlich den beachtlichen Orchester- und Solistenleistungen und auch Chefdirigent David Marlow, bewies jedoch, dass man den Nerv des Publikums wieder einmal getroffen hatte.

Die eingangs erklungene Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ op. 21 von Felix Mendelssohn Bartholdy fordert von jedem Orchester, sogleich mit höchster Konzentration die Eingangskadenz der Bläser und das nachfolgende flirrende Pizzikato der Violinen sicher zu bewältigen – es gibt keine ‚Einspielphase’. Die Philharmonie kam gut in dieses herrlich-romantische Werk, auch wenn man sich natürlich gern die Faszination eines doppelten, prägnant stakkierenden Violinenchores wünschte. Effektvoller Höhepunkt natürlich die Rüpeltanzszene, im Gegensatz dazu sehr ausdrucksvoll gelungen der träumerische Ausklang in der Coda. Die nachfolgende Darbietung des 2. Klavierkonzertes B-Dur op. 83 von Johannes Brahms setzte Maßstäbe für die ganze Konzertsaison. Auch wenn das Gesamtwerk mit seiner gewaltigen sinfonischen Dimension beeindruckt, war es doch die herausragende Leistung des Gastvirtuosen Alexander Schimpf, der dieser Interpretation seinen Stempel aufdrückte. Mit seiner überaus konzentrierten Art, dem kraftvoll-präzisen Spiel und der alle Feinheiten auskostenden Subtilität seines Vortrags – ein Genuss, ein absoluter Höhepunkt die Interpretation des Andante Satzes! – strahlte er wohl Dominanz aus, dies aber stets im Dienste des gesamtsinfonischen Ausdrucks, das Ensemble geradezu mitreißend, einschwörend. David Marlow ging hervorragend auf die Intentionen seines Solisten ein, führte souverän, aufmerksam, sodass zumindest die ersten drei Sätze höchst eindrucksvoll im oft diffizilen Miteinander gelangen. Alexander Schimpf („Der passt zu Brahms!“) honorierte den tosenden Bravo-Applaus mit der Zugabe eines Brahms-Intermezzos aus dem Opus 76. Die nach der Pause platzierte Darbietung der „Rosenkavalier“-Suite TrV 227 von Richard Strauss avancierte tatsächlich zum zweiten Höhepunkt des Konzertabends – raffiniert, weil dieser walzerselige Geniestreich des Komponisten so gar nicht zur Wucht des Brahms-Klavierkonzertes passen wollte. Doch am Ende erwiesen sich der Effekt der herrlichen Melodien der erfolgreichsten Strauss-Oper, die genialen Harmonien und die ausgewiesene geniale Instrumentationskunst in dieser Suite als entspannendes Hörerlebnis, eindrucksvoll zur Wirkung gebracht durch das mit sichtlicher Musizierfreude agierende Ensemble. [veho]

Die weiteren Termine der kommenden Sinfoniekonzerte finden Sie unter www.vogtland-philharmonie.de/sinfoniekonzerte.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige