Neustädter Museum druckt in historischer Schauwerkstatt wie vor über einhundert Jahren

In der historischen Druckerei demonstrieren Günter Roßner (vorn) und Rainer Seiß (re) das Drucken nach historischen Vorbild.
 
Das Druckerteam im Neustädter Museum fertigte sich T-Shirts mit der Aufschrift "Jünger der schwarzen Kunst" an, ist dadurch nicht zu übersehen.
Neustadt: Kirchplatz 7 | Mit einer voll funktionsfähigen Drucker kann das Neustädter Ortsmuseum seit Donnerstagabend aufwarten.
Drucken wie vor über einhundert Jahren ist jetzt wieder möglich.

Dank der intensiven Mitarbeit von neun „Jüngern der schwarzen Zunft“ – wie sich die Drucker selbst nennen - konnte die Druckerei nach eineinhalb Jahren Arbeit im verborgenen, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

So berichtete Museumschefin Yvonne Jackel, dass nur dank der Zusammenarbeit zwischen dem Verein Neustädter Natur- und Heimatfreunde e.V. – deren Bestandteil die Museumsgruppe ist – und zahlreichen engagierten Einzelpersonen sowie Unternehmen dieses Alleinstellungsmerkmal des Neustädter Museums geschaffen werden konnte. Sie nennt unter anderem ein Neustädter Kreditinstitut, die Staatliche Berufsschule Pößneck, den Graphischen Großbetrieb Pößneck, den Stadtrodaer Möbelspezialist Gerhard Richter und den Stadtrodaer Buchdrucker gleichen Namens (Gerhard Richter) als die wichtigsten Unterstützer auf dem schwierigen Weg der Veranschaulichung dieser Kunst.

Und dass es eine Kunst ist, zu drucken, davon konnten sich die geladenen Gäste später gleich selbst ein Bild machen.
Doch zunächst nahm Yvonne Jackel die Besucher mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Dass vor 560 Jahren Johannes Gutenberg mit der Erfindung des modernen Buchdruckes den Grundstein für die spätere Entwicklung, auch in Neustadt, legte – aber erst im Jahr 1709 ein erster Hinweis auf eine Druckerei zu finden ist, spiegelt den enormen Aufwand zu dieser Zeit wider. Von diesem Zeitpunkt an benennt sie Lückenlos von Johann Philipp Gollner, Johann Christian Krug bis hin zu Johann Carl Gottfried Wagner alle Drucker und deren Wirkungsstätten. Wagner wurde übrigens der Titel „Großherzoglich-Sächsischer Kommisionsrat“ für sein Wirken verliehen. Dass heute, an historischer Stelle, nicht nur Zeugnisse der Druckkunst zu sehen sind, sondern tatsächlich erlebt werden können, hebt die Museumschefin hervor.

„Unter sachkundiger Anleitung können Jung und Alt selbst tätig werden und ausgewählte handwerkliche Techniken rund um die Schrift und das Buch selbst erproben“ beschreibt Yvonne Jackel das Angebot. „Natürlich sind unsere Drucker extrem sensibel, sorgen sich um die alten Maschinen und Druckstöcke, als ob es ihre eigenen wären. Das ist auch verständlich, bei dem bislang betriebenen Aufwand. Daher darf auch nur unter Anleitung nach historischen Vorbild in der hauseigenen Druckerei hantiert werden“. „Rund einhundert verschiedene Schriftarten stehen derzeit zur Auswahl, doch ein echter Buchdruck ist dennoch nicht möglich.
Dazu fehlt letztlich die Menge an Buchstaben und Sonderzeichen. Plakate, Zertifikate und Urkunden sind aber kein Problem berichtet Bernd Pächstädt. Er gehört seit Gründung der Druckergruppe zum Team, setzte gemeinsam mit weiteren Teammitgliedern unter anderem die Schriftsätze in neue Kästen um. „Zwischen drei und vier Stunden dauerte dies pro Satz", erzählt er von der mühevollen Arbeit.
Visionen, wie die Anschaffung einer Setzmaschine geistern ihm bereits durch den Kopf, doch vorerst wollen die „Jünger der schwarzen Kunst“ ihr Reich weiter mit Leben erfüllen, Besuchern das jüngst Geschaffene vermitteln.
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Renate Jung aus Erfurt | 07.07.2014 | 19:51  
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