Vom „Nieswurz“ bis zu Kol Nidrei

Konzerteinführung durch Konzertdramaturg Dr. Wolfgang Horlbeck (rechts) mit Kerstin Feltz/Solistin Violoncello (Mitte) und Rainer Hrasky/Komponist "Morgenstern Miniaturen" (links).
 
Kerstin Feltz/Violoncello, David Marlow/Dirigent
Reichenbach: Neuberinhaus |

6. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie voller Kontraste

In der Tat steckte das 6. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie vom 12.02.2014 im Reichenbacher Neuberinhaus voller Kontraste wie selten. Die Spanne im Programm reichte von den „Morgenstern-Miniaturen“ des im Vogtland beheimateten Komponisten Rainer Hraskys über Édouard Lalos berühmtes Cello-Konzert, das ebenfalls für konzertantes Violoncello geschriebene „Kol Nidrei“ von Max Bruch bis zu Maurice Ravels „La Valse“ – kein Mammutprogramm, dafür äußerst reizvoll, zudem noch bereichert durch die Gastkünstlerin Kerstin Feltz am Violoncello und die Vorstellung eines der Kandidaten um die vakante Position des Chefdirigenten, des jungen britischen Dirigenten David Marlow.

Man kann der Philharmonie nur Komplimente machen für ihre beharrliche Konsequenz, auch der zeitgenössischen Musik in ihren Sinfoniekonzerten Raum zu geben – diesmal einem durchaus interessanten und vor allem unterhaltsamen Melodram Rainer Hraskys, der im vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag feierte und mit der Vogtland Philharmonie seit langem verbunden ist. Er hatte in den Achtziger Jahren die Idee in die Tat umgesetzt, poetische Miniaturen eines Christian Morgenstern auf musikalische Art zu reflektieren, dies in einem reizvollen Melodram mit einem Sprecher – den Part bewältigte an diesem Abend komödiantisch gekonnt Alf Mahlo – und einer kammermusikalischen Bläser – Schlagzeug – Besetzung. Mit Schmunzeln und leisem Gelächter reagierte das Publikum nicht nur auf die herrlich-skurrilen Metaphern á la Palmström & Korf bis hin zur Nieswurz-Sonate, sondern auch auf die trocken-parodierenden musikalischen En-miniature-Kommentare, von den Philharmonikern mit offensichtlichem Spaß an der Sache ausgespielt.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch die Gastvirtuosin Kerstin Feltz, die gleich zwei Werke mitgebracht hatte: Das Cellokonzert d-Moll von Édouard Lalo und das Adagio „Kol Nidrei nach hebräischen Melodien“ für Violoncello und Orchester op. 47 von Max Bruch. Das Publikum erlebte mit ihr eine Urmusikantin, der jegliche Selbstdarstellung fremd ist, zumal alles Spieltechnische nebensächliche Selbstverständlichkeiten zu sein scheinen; ganz der Interpretation verpflichtet sei es ihr allein wichtig, die Tiefe und Schönheit der Musik ihrem Publikum nahe zu bringen. „Wenn mir das in meinen Konzerten gelingt, ist das meine größte Freude“, so erläuterte sie ihr Credo im Vorgespräch. Dies gelang ihr in der Tat überzeugend, vor allem in dem Bruch’schen „Kol Nidrei“, dessen verzehrende schöne Melodik sie geradezu auskostete, worauf sich auch die Philharmonie in ihrem Begleitpart auf den Punkt einzustellen verstand – ein wunderschönes Klangerlebnis, das auch das Publikum in seinen Bann gezogen hatte: Es brauchte einige Zeit, ehe sich die Hände zum tosenden Beifall regten. Auch das Cellokonzert Lalo’s hatte, abgesehen von der beeindruckenden Virtuosität in den Ecksätzen, in dem anmutigen Andantino-Intermezzo seinen Höhepunkt: Reizvoll vor allem die herrlichen Zwiegespräche mit den Flöten, späterhin im Finale auch mit dem Klarinettenpart. Den begeisterten Applaus honorierte sie bereits vor der Pause mit einer atemberaubenden Karassikow-Zugabe.

Den Konzertabend beschloss die Philharmonie unter der alles in allem guten Stabführung von David Marlow mit Maurice Ravels „La valse“, dem ‚choreografischen Walzer-Gedicht’ – eines der großen und populären Stücke des Komponisten. Angesichts dieser eleganten Persiflage auf den satt-wohligen Wiener Walzerschwang und die ungemein interessanten impressionistischen und expressionistischen Gestaltungsdetails überhört man fast, welcher Brocken hier vom Orchester zu bewältigen ist – deshalb ein Kompliment für die musikantische Ensembleleistung. (veho)

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