Zwischen Aschebrätel und Holzmichl

Ich mit "De Randfichten" Thomas Unger, Thomas Lauterbach und Michael Rostig. (v.l.)
 
Lauti, Rups und Michl - immer gut gelaunt. (Foto: De Randfichten)
 
(Foto: De Randfichten)

Interview mit der Band „De Randfichten“


Sie sind die Kultband aus dem Erzgebirge. Ihren Song „Lebt denn dr alte Holzmichl noch“ ist jedem ein Begriff. 56 Wochen war der Hit in den deutschen Single-Charts. Sowohl die Single als auch das gleichnamige Album wurden mit Gold und Platin ausgezeichnet. 2005 gewannen sie den begehrten „Echo“ in der Kategorie „Gruppe des Jahres national, Volkstümliche Musik“. Über zu wenige Auszeichnungen können sich die drei Erzgebirgler also nicht beschweren. Die Rede ist von „De Randfichten“.
Die Band, bestehend aus Thomas „Rups“ Unger, Michael „Michl“ Rostig und Thomas „Lauti“ Lauterbach, feiert nun 20-jährige Bandgeschichte und trat am 8. September im thüringischen Hermsdorf auf. Grund genug für mich die Gelegenheit wahrzunehmen und ein Interview mit den drei Volksmusikern zu führen.
Ich treffe die Erzgebirgler im Gasthof „Zur Linde“, ihrem Aufenthaltsort vor ihrem Auftritt in der 8.000-Einwohnerstadt. Gut verpflegt mit einem Thüringer Leibgericht sind sie, als ich den Gästeraum betrete. Wie erwartet lebhaft und ausgelassen verhalten sie sich.
Es ist ein Interview zwischen Aschebrätel und Holzmichl.



Wie schmeckt es euch denn, das Aschebrätel?

Sehr gut, aber wir haben heute schon viel zu viel gegessen. Alle kümmern sich so gut um uns.

Gehört die Verpflegung auch zu eurem Touralltag?

Ja und hier sei gesagt, dass sich alle Gastgeber sehr viel Mühe geben. Überall gibt es Häppchen. Wir werden manchmal zu sehr verpflegt. Deshalb können wir auch kaum unsere Gerichte aufessen. Trotzdem freut es uns natürlich so empfangen zu werden.

Erzählt mal von eurem heutigen Tag.

Also heute haben wir zwei Auftritte. Es ist so, dass uns die Technik voraus fährt, wir hinterher im privaten Auto. Wir mögen Busse nicht so sehr. Geplant ist immer, spätestens eine Stunde vor Auftritt anzukommen. Dann gibt es wie schon gesagt eine schöne Mahlzeit und ausreichend Verpflegung. Nach dem Auftritt heute hier in Hermsdorf geht es zurück in die Heimat. So soll es am besten noch duzende Jahre weitergehen.

Wann genau habt ihr denn mit der Musik angefangen?

Rostig: Die Musik wurde uns in die Wiege gelegt. Wir fingen mit neun oder zehn Jahren an uns dafür zu begeistern. Rups und ich spielten Akkordeon. Lauti fing an mit seiner Gitarre.

Wie habt ihr euch gefunden? Woher kennt ihr euch?

Rostig: Eine lustige Geschichte. Wir haben uns ganz zufällig bei einer Feier in einer Vereinsgaststätte getroffen. Da trat ich mit meinem Akkordeon auf und Rups kam zufällig vorbei. Da hörte er mich das erste Mal und so kamen wir ins Gespräch. Lauti kam letztendlich 1997 dazu.

Warum gerade diese Art der Musik?

Wir drei sind mit der Musik selber aufgewachsen. Akkordeon war damals sehr gefragt. Wir alle mögen diese Richtung, sonst würden wir sie nicht spielen, hören aber gelegentlich andere Musik.

... zum Beispiel?

Rostig: Ich persönlich bevorzuge Jazz und Country, Lauti hört gern elektronische Musik. Naja, und Rups: das weiß keiner. Er hört gern Radio.

Ihr tretet jedes Mal bei euren Konzert freundlich und lächelnd auf. Ist es nicht manchmal schwer diese gute Laune beizubehalten?

Grundsätzlich ist das für uns kein Problem. Wir sind nun einmal fröhliche Menschen und genießen unser Dasein. Das überträgt sich ganz von allein auf unsere Live-Auftritte.

Das braucht ihr ja auch, denn für euch stehen Auftritte am Ballermann ebenfalls auf dem Programm. Wie gefällt es euch denn so dort?

Lauterbach: Da ist natürlich gute Stimmung garantiert, das ist klar. Es ist so: Ich war ja Lehrer bevor es „De Randfichten“ gab. Wenn man beim Ballermann auftritt ist das so, als ob man mit seinen Schülern einen Ausflug in die Jugendherberge macht.

Ihr habt bis dato insgesamt 12 Alben veröffentlicht. Den Sprung zu einer Kultband habt ihr mit dem „Holzmichl“ geschafft. Ist man dann nicht plötzlich in einer ganz anderen Welt bzw. überrumpelt von dem Erfolg?

Nein, so würden wir das nicht bezeichnen. Wir haben ja schon einige Jahre davor Musik gemacht und unser Bekanntheitsgrad stieg immer weiter an. „Lebt denn dr alte Holzmichl noch“ hat natürlich eine große Welle ausgelöst, die uns erfolgreicher machte. Wir haben uns sehr darüber gefreut, aber überrumpelt hat es uns nicht.

Warum hat gerade der „Holzmichl“ so gut gepasst?

Tja, das können wir nicht beantworten. Da muss man die Leute fragen, die sich die Single gekauft haben. Es ist ein sehr positives Lied und gut mitzusingen. Außerdem ist das Publikum mit einbezogen bei „Ja, er lebt noch“. Und das war möglicherweise die passende Mischung für den Erfolg des Songs.

Das Lied war erstaunliche 56 Wochen in den deutschen Single-Charts. Denkt ihr, dass ihr diesen Erfolg wiederholen könnt?

Nein, da sind wir uns einig. Nicht, dass wir uns darüber nicht freuen würden, ganz im Gegenteil. Dieses Lied hat einfach den Geschmack der Leute perfekt getroffen. So etwas zu wiederholen ist kaum möglich. Außerdem versuchen wir nicht mit Zwang diesen Riesenerfolg zu wiederholen. Wir haben unsere Konzerte und Auftritte im Jahr. Damit sind wir vollkommen zufrieden. Wie es kommt, so kommt es.

Apropos Auftritte. Neben zahlreichen Konzerten seid ihr oft im TV vertreten oder habt Autogrammstunden. Da kommen im Jahr gut und gern 100 Darbietungen und Aktionen, an denen ihr beteiligt seid, zusammen. Denkt ihr manchmal, dass es zu viel wird?

Also, wir bekommen hier Essen und Getränke. Damit ist die Frage eigentlich schon beantwortet, oder? Es macht uns viel Spaß und überall wird man freundlich begrüßt, wie auch hier in Hermsdorf. Man lernt immer neue Leute kennen und das Schönste ist, wenn man dann den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann durch die eigene Musik.

Außerdem seid ihr sehr heimatverbunden. Das drückt ihr in euren Texten immer wieder aus. Habt ihr auf eurer Tour nicht oft Heimweh?

Nicht unbedingt. Wir kommen ja immer wieder zurück und sind keine drei Monate am Stück unterwegs. Aber natürlich: wir freuen uns immer auf zu Hause.

… und dieses zu Hause könnt ihr durch eure Lieder im erzgebirgischen Dialekt überall mit hinnehmen…

Ja, wir möchten unsere Mundart präsentieren. Wir wollen ja nicht verleugnen wo wir herkommen. Sonst wären wir nicht „De Randfichten“. Aber es gibt mittlerweile zahlreiche hochdeutsche Texte von uns, denn nicht jeder kann unsere Lieder verstehen. Manchmal haben wir auch Botschaften in unseren Liedern, die für alle verständlich sein sollten.

Am 27. Januar 2012 erschien eurer letztes Album „Aufgewurzelt“. Im Juli stieg es auf Platz 71 der deutschen Album-Charts ein. Zum 20-jährigen Bestehen eurer Band habt ihr noch eine Live-DVD erstellt. Seid ihr mit dem Resultat zufrieden?

Mit der Musik sind wir selbstverständlich zufrieden. Wenn es uns nicht gefallen würde, wäre es keine Veröffentlichung wert. Wir denken, es ist uns gut gelungen.

Was ist denn anders als bei den Alben zuvor?

Was die Technik betrifft, wird die Qualität unserer Alben immer zeitgemäßer. Eigentlich logisch, denn die 10 Jahre alten Alben von uns sind vom Klang her natürlich nicht so gut wie die neuen.

… und vom Inhaltlichen her?

Wir besingen völlig verschiedene Themen. Darunter auch etwas Geruhsames. Grundsätzlich besteht das Album aus drei Teilen. Eine Schiene ist Party und Stimmung. Andererseits haben wir Balladen geschrieben, die zum Nachdenken anregen sollen und natürlichen dürfen unsere dialektischen Songs nicht fehlen. Wir möchten damit gute Laune machen und unsere Werte vermitteln.


Michael Rostig, Thomas Unger und Thomas Lauterbach – Danke für das Gespräch.
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5 Kommentare
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Joachim Kerst aus Erfurt | 27.09.2012 | 11:40  
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Michael Sieß aus Hermsdorf | 27.09.2012 | 11:43  
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Karin Jordanland aus Artern | 27.09.2012 | 13:03  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 27.09.2012 | 15:35  
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Hannelore Grünler aus Artern | 27.09.2012 | 22:57  
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